Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1898)
- Date
- 1898-10-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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I486 ich sühlc, ich empfinde das Verhängniswolle der Lage, in welcher das Judenthum, in dessen Mitte ich lebe, sich befindet und — wahrlich nicht aus Mangel an Privatsorgen — die Sorge um die Zukunft dieses Judenthums quält mich, die Trostlosigkeit der Zustände erfüllt mein Innerstes mit Besorgniß, und dies veranlaßte mich nachzudenken, zu untersuchen, ob denn keine Rettung mehr möglich wäre, und das Resultat meines Nachdenkens ist mein Plan. Herr Krauß hingegen sieht von der Ferne und rar nrx nrcB* rvxn, sein jüdisches Herz fühlt wohl mit uns, aber dennoch nur von der Ferne — er lieft den Zeitungsartikel flüchtig durch, und wie leicht ist es nicht, überhaupt wenn ihm der Rabbiner Schück'sche Plan mehr zusagt, Einwendungen zu finden! Ja, Herr Krauß, Kritik zu üben ist viel leichter, als etwas zu bieten, was einer strengen Ktitik gegenüber Stand zu halten vermag. — Oder wie, meint es Herr Krauß ernst, daß was er sagt: „Nach maßgebender Ansicht soll ein erwachsener, bereits entwickelter Mensch eine mehr als achtstündige geistige Arbeit täglich auf die Dauer nicht ertragen, ohne Gefahr zu lausen, seine geistigen Organe im Laufe der Zeit geschwächt, mitunter gar erheblich geschädigt zu sehen," auch angewendet werden soll? — Ich will es bezweifeln und möchte Herrn Krauß den freundlichen Rath ertheilen, die Nummer 61 des „Israelit", in der dies von ihm zu lesen ist, wohl aufzubewahren, damit sein aufgeweckter Zögling es ja nicht lese, denn bald kommt er frohlockend: „Herr Lehrer! Wort halten! cpEnxiitprn-x;! „EinetäglicheArbeitszeit von sechs Stunden" ist für mich, für meine „im Stadium des Werdens begriffenen Geist und Körper gerade genug." Und was wird dann aus dem hoffnungsvollen Knaben? Sehen wir übrigens, ob die Theorie von einer sechs- bis achtstündigen Arbeitszeit täglich in der Schule angewendet wird. Zehn Jahre alt, besucht gewöhnlich der Knabe die erste Klaffe der Mittelschule, für die der gesetzliche Lehrplan wöchentlich 28 Unterrichtsstunden vorschreibt, welche, da zwei ganze Tage kein Unterricht stattfindet, auf fünf Tage vertheilt werden. Für häusliche Arbeit nehmen wir — mit Latein — drei Stunden täglich, also in fünf Tagen 15 Stunden. Achtundzwanzig und 15 46 Stunden auf sechs Arbeitstage, das sind täglich schon sieben Stunden. Der weit größere Theil der Schüler haben aber auch noch Nebenbeschäftigungen, der bester bemittelte lernt gewöhnlich noch eine fremde Sprache, Musik re. der arme Schüler muß wieder Lectionen geben n. s. w., wo ist nun die sechs Stunden-Theorie „für die im Entwickeln begriffenen Schulkinder?" — Und wie der Schüler der ersten bis zur vierten Klaffe mit wöchentlich 28 Unterrichtsstunden mit sechs Stunden täglicher Arbeitszeit nicht durchkommen kann, ebensowenig genügen dem Schüler der oberen vier Klaffen mit 6" Unterrichtsstunden wöchentlich acht Arbeitsstunden täglich, und was sehen wir dennoch? Ganz unbemittelte Schüler, die sich glücklich fühlen, wenn sie für einige Stunden täglich Correpetitorarbeiten zu versehen haben, sind gewöhnlich die ausgezeichnetsten Schüler und das alles in der von Herrn Krauß ihnen gewährten Arbeitszeit von sechs bis acht Stunden täglich? - Auch hat Herr Krauß vergessen, daß man mit der sechs bis acht Arbeitsstundentheorie den Rabbiner Schück'schen Plan ebensogut über den Haufen werfen kann, als den meinigen, denn im Sinne dieser Theorie kann vott einer Winternacht, in der man sich „den p aus jibtd zu eigen machen," oder in die Geistestiese „des pp -:tra auf \x;r eindringen" kann, nicht die Rede sein; im Sinne dieser Theorie tritt vielmehr der bzz 'x;n in den Vordergrund: Gönnt man dem Körper die gehörige Ruhe, hat der Geist die erforderliche Frische; entzieht man aber dem Körper die Ruhe, verfällt der Geist in das Stadium von rrrt, er muß nämlich wieder und abermals g cw e ck 1 werdest und ist immer nicht aufgeweckt, denn ri-'xmrirr Pc; ra*y: rrrnn, diese schlaflose Winternacht martert den Geist und die Folgen sind an dem ans diese Winternachl folgendeil Tage und in der auf diesen folgenden stacht noch sichtbar. — Wenn unsere Weisen s. A. dem Menschen empfehlen, daß er seine Zeit in drei Theile theilen soll, (Traet. Kiduschin 80;,) haben sie es nicht in diesem Sinne verstanden. Acht Stunden Arbeit und 16 Stunden den körperlichen Bedürfnissen widmen. Frageil Sie gütigst nach, Herr Krauß, ob S. R. Hirsch, der ein hohes Alter erreicht und deffen „geistige Organe im Laufe der Zeit" nicht „geschwächt" wurdelt, ob er nicht mehr als acht Stunden im Tage arbeitete? Fragen Sie gütigst, wie viele Stunden täglich Dr. Lehmann Vs; der geistigen Arbeit gewidnlet hatte? Trachten Sie nur zu erfahren, wie viel Stunden täglich Dr. Hildesheimer, diese Leuchte Israels P"n; V-ep, den der Ewige dem Judenthume noch lange erhalten inöge, wie viel Stunden er täglich arbeitet? Und von mir wünschen Sic einen Plan bei sechs bis acht Stunden täglicher Arbeit ein Kind zu einem weltlich gebildeten -rÄerziehen zu können? - Hier, Herr Krauß, nehme ich etilen anderen Standpunkt ein. „Niemand sollte unter sechs und iliemand über acht Stunden schlafen" sagt Hufeland. Also gebeil wir dem Schüler der unteren Klaffen acht, denl der oberen Klassen sechs Stunden zuin Schlafen, sechs Sltlnden für Beten, Speisen und für sonstige körper-