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Der Israelit · 1898-10-11 · Heft 79-80 (11.10.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 79-80 (11.10.1898)
Date
1898-10-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1462 Mohalim sich geltend zu machen. — Aber die Zustände sind im allgemeinen doch derart, daß durch die schnelleren und billigeren Verkehrsmittel unserer Zeit der Eisenbahnen dem lokalen Bedürfniß in dieser Hinsicht leichter entsprochen werden kann als früher und einem dauernden Nothstande meist vorgebeugt ist. Im allgemeinen läßt sich an der Hand de8 vorliegenden Materials feststellen: In den Gemeinden und Gegenden, in welchen noch religiöser Sinn lebt, ist diese Mizwah auch heute wie in früheren Zeiten versorgt. In Orten, wo dies leider nicht der Fall ist. wü d es immerhin schwer sein, dem bestehenden Mangel dauernd abzuhelfen. Die Anregung, Lehramts-Candidaten für die Ausübung diese Mizwah auszubilven, wird zwar in mehreren der uns vorliegenden Aeußerungen günstig ausgenommen, aber von einer noch größeren Zahl von Stimmen aus sehr erheblichen Motiven beanstandet, so daß hiervon wohl abgesehen werden muß. In einem Berichte ist die beachtenswerthe Anregung enthalten, daß Rabbinats-Candidaten sich mehr als seither geschehen auch der praktischen Ausbildung für das Mohelfach widmen mögen. Fasten wir das Resultat der uns gewordenen Aeußerungen in dieser Beziehung zusammen, so dürfte es sich dem Allen nach thunlichft empfehlen, Männer in gereifteren Jahren für die Ausübung dieser Mizwa heranzuziehen, die von der Bedeutsamkeit der Sache durchdrungen, bereit sind, nicht nur die rcligiontzgesetzliche und technische Seite dieser Funktion zu erlernen, sondern ihr auch das Opfer an Zeit und Mühe zu bringen, das gerade diese in hohem Grade fordert. Aber es bleibt immer Sache der Orte, in welchem es an einem bn-2 mangelt, eine geeignet, thunlichft in der betreffenden Gegend ansässige Persönlichkeit ausfindig zu machen. Wenn diese gesunden ist, es aber an Gelegenheit fehlt, die Ausübung der wxs theoretisch und praktisch zu erlernen, dann hätte von Fall zu Fall unsere Vereinigung mit Rath und That einzugreifen. Mit Rath: durch Anweisung eines Ortes und eines zur Erlernung des Erforderlichen; mit That: durch Gewährung eines Geldbeitrags zur Bestreitung der erforderlichen Kosten, falls der Aspirant dieses beansprucht. (Vorstandssitzung aur 6. Juni.) Seitens des Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfeld in Posen mar der Antrag eingegangen: „Die freie Vereinigung möge eine in deutscher Sprache und Schrift gehaltene, geeignete Darlegung der auf nte: m: \rbezüglichen Vorschriften, welche zu billigem Preis in den Verkehr gelangen soll, veranlassen und erforderlichen Falles subventioniren." Zur Begründung dieses Antrages wurde darauf hingewiesen, daß die diesbezüglichen Darlegungen in bem bekannten Werke npr mb mex für einen Theil des demselben zu wünschenden Leser kreises in Folge der jüdischen Kursivschrift unzugänglich sind. Der in deutscher Sprache und Schrift gehaltene Anhang zu dem bekannten Werke von Dr. A- Levy „Rebecka" bietet aber keinen vollständigen Ersatz für daffelbe, auch werde öfters der Preis als zu hoch bezeichnet. Es entspreche daher die Herausgabe einer kurzgefaßten Darlegung der in Rede stehenden heiligen Vorschriften in deutscher Sprache und Schrift einem bestehenden Bedürfniffe. Diese Darlegung solle sowohl die wichtigsten diesbezüglichen Vorschriften, als auch eine eindringliche Anregung zur Beoachtung derselben in geeigneter Weise enthalten und müßte zu billigem Preise im Buchandel abgegeben werden können. Bei der eingehenden Berathung dieses Antrages, welcher allseitige Zustimmung fand, wurden insbesondere auch die Grundsätze besprochen, welche für eine solche Ausarbeitung als maßgebend zu erachten seien. Auf Ersuchen seitens der Versammlung erklärten sich die Herren Distrikts-Rabbiner Bamberg er— Kissingen und Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann— Baden zu gemeinsamer Bearbeitung einer derartigen Darlegung in deutscher Sprache und Schrift auf Grundlage des apr rzb rrrcx 'c bereit. Auf Antrag des Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Breuer wurde die Bildung einer aus Rabbinen bestehenden ständigen Commission zur Berathung etwa vor kommender religiöser Fragen beschlossen. — Es wurde beschlosten: Seitens der Vereinigung thunlichft alljährlich, zunächst für das Jahr ein Preisausschreiben für eine in gesetzestrenem Sinne gehaltene und solche fördernde, anregende Erzählung za veranstalten. An elf bedürftige Gemeinden wurden Subventionen zum Zwecke der Beihilfe zu den Kosten des Lehrergehalts, bezw. als Zulage zu dem Lehrergehalt, sowie zu erforderlichen Reparaturen eines Ritualbades, eines Schulgebäudes ec. mit zusammen M. 7-40 gewährt. — Auch wurden wiederum einige St pendien als Beihilfe zur Ausbildung zum Lehrerberufe an gutempfohlene Präparanden, bezw. Seminaristen gewährt. (Stellennachweis.) Von Januar bis September gelangten 100 Vacavzen zu direkter Anmeldung. Es betrafen hiervon 72 Vacanzen Commis- und Reisendenstellen und 37 Lehrstellen. Vermischtes Berlin. Ter Stadtverordnete Justizrath 1>r. Friedluaun hat iu Gemeinschaft mit noch 1!) Mitgliedern der neuen Fraktion der Linken folgenden Antrag in der ^tadtoerordnekenversaurmlung eingebracht: „Da in einem großen Theile der Privattöchterschulen deö Westens die Aufnahme der Schülerinnen von eonfessionellen Rücksichten abhängig gemacht wirb, ersucht die Stadtverorduetcnversnmmlung den Magistrat, eine zweite höliere Mädchenschule im Westen ',u errichten."

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