Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 79-80 (11.10.1898)
- Date
- 1898-10-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1461 zichung bei den Reichstagswahlen versäumt wvrdeu sei, bei den bevorstehenden Landtagsrvahlen nachzuholen. Die Gründe, die vielleicht in der Provinz gegen die Aufstellung jüdischer Kandidaturen maß gebend wären, hätten in Berlin keine Geltung. Wenn alle jüdischen Urwähler ihre Schuldigkeiten thäten, gelänge es nicht allzuschwer, einen jüdischen Kandidaten durchzubringen. Es sei Sache des Centralvercins, den Juden zu ihrem Rechte zu verhelfen. Schriftsteller Wohlberg erinnerte daran, daß der neue Landtag sich wahrscheinlich auch mit der Revision des Judengesetzes von 1847 zu beschäftigen haben werde. Wie viel Böswilligkeit und bodenlose Unkenntniß jüdischer Verhältnisse werde sich da offenbaren! Es sei geradezu eine Schmach, daß keinem einzigen Juden Gelegenheit geboten werde, in dieser Sache mitzubeberathen. Apotheker Löwcnftein nannte als geeigneten jüdische Landtagskandidatcn Stadtrath Weigert und Justizrath Friedemann. Redakteur Klausner meinte, der Freisinn sei es sich selbst schuldig, jüdische Kandidaturen aufzustcllen, nicht den Juden, sondern seinem Prinzip zu Liebe; statt dessen gefalle es der Parteileitung, den Juden, wie cs in Posen geschehen sei, Vorwürfe zu machen, wenn sie sich von anderen Pa-! teien als Kandidaten aufstellen lassen. Die Inden im Parlamente haben ihrer Partei, wie ihrem Vaterlande zur Zierde gereicht. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, erklärte im Namen des Vorstandes, der Verein sei wohl bereit, für jüdische Kandidaturen nach Kräften cinzutreten, von besonderen Eentralvereinskandidaten könne aber unter keinen Umständen die Rede sein. Frankfurt <t. M. Den „Mittheilungen" (Rr. 10) der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums, denen eine gediegene Arbeit „Jüdische Erbauungsschriften", vom Bezirksrabbiner Dr. Ehr mann in Baden (Schweiz) angeschlossen ist, entnehmen wir: (Unsere Rundfrage in Angelegenheit der Mohalim- Ausbildung.) Von verschiedenen Seiten ist dem geschäftsführenden Ausschuß im Laufe der Jahre wiederholt mitgetheilt morden, daß die Ausübung einer unserer ältesten und heiligsten Mizwoth, Mizwas Mila, in vielen Gegenden nicht genügend versorgt sei. Es solle Strecken geben, in welchen vorkommenden Falles nur mit Mühe und Kosten aus weiter Ferne ein Mohel geholt werden muß; es solle namentlich auf dem Lande die Art und Weise wie diese Funktion ausgeübt wird, in religionsgesetzlicher und auch in technischer Hinsicht zuweilen manches zu wünschen übrig lasten. Schon vor elf Jahren hat uns dies veranlaßt, eine Enquete zur Feststellung des Thatbestandes zu veranstalten und zunächst uns zu vergewissern, ob das Vedürfniß einer Vermehrung der fungirenden Mohalim vorhanden ist, ob die fungirenden Mohalim hinsichtlich ihres religiösen und sittlichen Charakters und Lebenswandels, sowie ihrer relgionsgesetzlichen Kenntniß und technischen Fertigkeit entsprechen und ob nöthigenfalls besonders gut qualificirte Mohalim vorhanden sind, welche die Ausbildung junger Männer zu übernehmen bereit wären. In diesem Falle hat sich unsere Vereinigung bereit erklärt, diese Ausbildung je nach Bedürfniß pecnniär zu unterstützen. Da uns im vorigen Jahre wiederum mitgetheilt wurde, daß die Zahl tüchtiger Mohalim in manchen Gegenden Deutschlands erheblich abnehme und ein Bedürfniß zur Ausbildung zuverlässiger Mohalim sich geltend mache, so haben wir in einem neuen Rundschreiben unsere Bereitwilligkeit zur Förderung dieser hochwichtigen Angelegenheit wiederholt zur Kenntniß weiterer Kreise gebracht und gleichzeitig um Mittheilunger: über den Stand der Angelegenheit, über die Zahl der fungirenden zuverlässigen Mohalim und speziell solcher, die zur Ausbildung von Mohalim bereit und qualificirt seien, ersucht. Einer anderweitigen dankenöwerthen Anregung folgend haben wir die Ansicht von Vertrauensmännern! darüber eingeholt, ob und m wiefern es thunlich sei, die Abiturienten jüdischer Lehrerbildungsanstalten für die Ausbildung dieser Mizwa heranzuziehen. Durch die zahlreichen und zum Theil sehr eingehenden Antworten, welche ans beiden Rundfragen bei uns eingegangen sind, besitzen wir ein reiches Material, das in der Thal einen orientirenden Neberblick über den Stand dieser hochwichtigen Angelegenheit ermöglicht. Es muß nun als nächstes Ergebniß unseres Rundschreibens die überaus erfreuliche Thatfache konstatirt werden, daß von einem Nothstande, der zu irgendwelcher Befürchtuug oder Beunruhigung berechtigte, G. f. D. kaum die Rede fein kann. — Die große Mehrz chl der uns vorliegenden Antworten betont, daß ein Mangel an Mohalim nicht vorhanden ist und daß sich die Ausübung der Mizwas Milo in den allermeisten Fällen in bewährten, guten Händen befindet. Es läßt sich sogar in den zehn Jahren, die zwischen unserer ersten und zweiten Rundfrage liegen, ein erfreulicher Umschwung nach dieser Seite hin konstatiren. Allerdings sind in einzelnen, auf unsere jüngste Rundfrage eingelangten Antworten auch einige Mißnände hervorgehoben worden. So: daß sich in der ganzen Oberpsalz seit einigen Jahren kein Mohel befinde; ebenso bezüglich der Rheinpsalz, daß dort fast fämmtliche alleren Mohalim gestorben sind und sich seit Jahrzehnten keiner bei der jüngeren Generation gefunden habe, der die Funktion eines Mohel erlernen wolle. — Auch in einzelnen von Juden verhältnißmäßig weniger dichtbewohnten Gegenden Rordmest- und Mitteldeutschlands scheint ein Mangel an