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Der Israelit · 1898-10-11 · Heft 79-80 (11.10.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 79-80 (11.10.1898)
Date
1898-10-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1460 denn eine weise Obrigkeit wünscht nur die Verbesserung unseres geistigen und materiellen Wohles. „Wo ein weiser Regent ist, wird das Gesetz streng gehandhabt, und wo eine verständige Regierung ist, geht es ordentlich zu." (Sir. io, 1.) „Das Herz des Königs", sagt Salomo (Syr. 25, 3) „ist unerforschlich wie die Höhe des Himmels und die Tiefe der Erde". „Rur an der Hand des Rechts regiert der König." (Jes. 32, 1.) „Die Macht des Königs besteht darin, daß er Gerechtigkeit liebt." (Ps. 99, 4.) „Der König, der auf dem Throne des Rechts sitzt, verscheucht mit seinem Blicke das Böse." (Spr. 20, 8.) „Ein Greuel des Königs ist, Schlechtigkeit üben, denn durch Gerechtigkeit steht fest der Thron." (Spr. 16, 12.) „Das Wohlgefallen der Könige erhalten die Lippen des Rechts, und wer aufrichtige Worte svricht, wird von ihm geliebt." (Spr. 16. 13.) „feutb und Wahrheit beschützen den König." (Spr. 29, 28.) „Wo das königliche Antlitz strahlt, da verbreitet es Leben." (Spr. 16. 15.) „Das Wohlwollen des Königs ist wie erguickenderThauauflechzendenGefilden."(Spr. 19,12 ) Zur Wahrung seiner eigenen geistigen, sittlichen und materiellen Interessen sowohl, wie auch als Schutzwehr der menschlichen Gesellschaft gegen das oft alle Schranken übersteigende widerrechtliche Vorgehen des Einzelnen, als Damm gegen den wilden Sturm der Leidenschaften und Verbrechen, der die Grundpfeiler aller Civilisation und Bildung zerstören möchte, giebt der Staat Gesetze, die Jedermann, der Höchste wie der Niedrigste, bedingungslos uub rückhaltslos befolgen muß, sollen nicht die Grundvcstcn des Staatswesens erschüttert und die Errungenschaften der Cultur in Frage gestellt werden. Die heilige Schrift fordert daher auf's Entschiedenste die Ehrfurcht vor der Majestät des Gesetzes; namentlich enthalten die Spr. Salomos hierüber goldene Worte, wie z. B. die folgenden: „Wohl dem, der das Gesetz heilig hält!" (29, 18.) „Das Gesetz ist eine Leuchte, das Gebot ein Licht und die lehrreiche Warnung ein Weg zum Glücke." (6, 23.) „Wer das verachtet, verwundet sich selber; wer Ehrfurcht davor hat, findet seinen Lohn." (13, 13.) Auch die Propheten predigen den Respekt vor den Staatsgesetzen; so sagt z. B. Jesajas (48, 18): „Wenn du hörtest auf die Gesetze, dann wäre dein Glück wie ein Stern und dein Heil wie die Wellen des Meeres," und Rehemias hat das schöne Wort gesprochen: „Die Gesetze machen den Menschen glücklich, wenn er sie beachtet." (Reh. 9, 29.) Wie das Gesetz, so predigt die Bibel Völkern ttnd Fürsten auch den Frieden - das Ideal des modernen Staates, welches, ach, trotz mannigfacher Bestrebungen hochherziger Fürsten, noch lange ein Ideal sein wird. Roch heute haben die biblischen Mahnungen ihre volle Berechtigung: „Suche den Frieden und jage ihm nach." (Ps. 34, 15.) — „Liebe Friede und Wahrheit." (Sachar. 8, 19.) „Das ist die Saat des Friedens, wenn der Weinstock Früchte trägt, die Erde reichlichen Ertrag bringt und der Himmel seinen Thau giebt." (Sach. 6. 12). — „D Schwert Gottes, wie lange willst du rastlos würgen? Fahre zurück in deine Scheide, o ruhe aus und sei stille!" (Jer. 47, 2; 2 Sam. 2, 26.) — „Wie schön sind auf den Bergen die Schritte des Friedensboten, der Friede der Welt verkündet, der gute Botschaft bringt, der Heil verbreitet!" (Jes. 52, 7; Reh. 2, 1; vergl. auch Jes. 57, 19.) — „Roch giebt es eine schönere Zukunft, noch giebt es einen Tag der Freiheit, der kommen muß; zögert sie auch lange, so gieb doch die Hoffnung nicht auf; sie wird gewiß eintreffen und nicht ansbleiben" (Hab. 2, 3); „denn einst werden die Nationen ihre Schwerter zu Pflugschaaren und ihre Spieße zu Sicheln umschmicdcn, denn es erhebt kein Volk mehr gegen das andere ein Schwert, und der Kriegsdienst wird fürder nicht mehr erlernt." (Jes. 2, 4; Micha 4, 3; vergl. auch Hof. 2, 20; Jon. 4, 10), und endlich: „der Gerechtigkeit Werk ist der Friede; die Frucht des Rechts, Ruhe und Sicherheit für alle Zeiten." (Jes. 32, 17.» Sie sollen uns unsere Vaterlandsliebe nicht antasten: die Dilcker und Mucker, die Lassen und Pfaffen, die Jesuiten und Hussiten, die Lügcr und Trüger — im Punkte der Liebe zu Kaiser und Reich, zu Staat und Vaterland sind alle Parteien im Judenthum eines Sinnes: Orthodorc wie Reformer, die Frömmsten wie die Ansgeklärtesten! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, o. Oft. Die Frage einer jüdischen Landtagskandidatur in Berlin bildete im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Der Referent des Abends, Justizrath Dr. Fricdcmann, bemerkte unter Hinweis auf ein Wort Andrassys, daß die Konzessionen der Lauen und Halben an den Antisemitismus gefährlicher seien, als dieser selbst. Er bezeichnete es als eine bedenkliche Konzession dieser Art, daß zur Zeit abgesehen von den Socialdemokraten, kein einziger Jude im Parlamente säße. Ein „bloßer Zufall," wie man von freisinniger Seite glauben machen wolle, sei dies gewiß nicht. Charakteristisch für die ganze Sachlage erscheine die Thatfache, daß sich die Juden in der Provinz vielfach selbst gegen jüdische Kandidaturen sträuben, um nicht der antisemitischen Bewegung nette Nahrung zrt geben. Kaufmann Weinberg empfahl, was in dieser Be-

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