Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 79-80 (11.10.1898)
- Date
- 1898-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1459 zu sprechen. Derselbe befindet sich in unseren Gebetbüchern und lautet: „Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der von dem Abglanz seiner Majestät dem Erdensohne verliehen," und ein zweiter Segensspruch heißt: „Gepriesen sei der Herr, der auf Erden eine Herrschaft eingesetzt, wie in den Höhen, und der den Regenten Macht und Gerechtigkeitsliebe verliehen hat." Der konstitutionelle Grundsatz der modernen Welt, daß der König kein Unrecht thun kann, findet auch in der Agada seine symbolische Auslegung. Von dem Throne Salomons erzählt nämlich die Agada, daß in den sechs Stufen deffelben der Hinweis auf die sechs wichtigsten Königspflichten veranschaulicht worden sei. Diese seien ihm beim Besteigen des Thrones durch ein himmlisches Echo zugerufen worden. Sobald der König die erste Stufe betrat, hörte er den Ruf: „Er soll nicht viel Frauen haben." Auf der zweiten Stufe: „Er soll nicht viel Rosse halten auf der dritten: „Und Silber und Gold soll er nicht viel anhäufen;" auf der vierten: „Beuge nicht das R'cht;" auf der fünften: „Achte nicht das Ansehen der Person;" auf der sechsten endlich: „Du sollst keine Bestechung annehmen." Ilnd als der König sich auf den Thron niederlieb, erscholl der himmlische Ruf: „Wisse, vor wem du sitzest; vor dem, der gesprochen, und die Welt erstand." Aber nicht allein der Majestät des Königs, des Staatsoberhauptes, müssen wir unsere Huldigung darbringen, sind wir Ehrfurcht und Liebe schuldig; die Bibel fordert auch unbedingten Gehorsam gegen die Obrigkeit. Ruft doch selbst der unglückliche Patriot, der Prophet Jeremias, der trauernd auf den Trümmern von Jerusalenr saß und den Untergang seines heißgeliebten Vaterlandes erleben mußte, mahnend seinem Volke zu: „Suchet das Wohl des Staates; betet für ihn zu Gott, denn in feinem Wohlergehen liegt auch das eurige!" (Jer. 29, 7.) Was zwei Jahrtausende später Schiller verkündete, finden wir hier in formell veränderter Fassung schon ausgesprochen. Man nehme nur die bekannte Sentenz des großen Dichters: Ans Vaterland, ans theure schlieb dick) an. Das hatte fest mit deinem ganzen Herzen, Hier find die starten wurzeln deiner .uraft." Die Biebel schärft die Mahnung ein: „Die Obrigkeit des Staates sollst Du nicht lästern." (2. Buch Mos. 22, 27.) Der Prediger Salomonis ermahnt: „Auch in Deiner Gesinnung sollst Du der Obrigkeit die Hochachtung und Ehrfurcht nicht versagen, (Pred. Salom. 10, 12), „denn die Regierung auf Erden liegt in Gottes Händen" (Sir. 10, 4; Pf. 22, 29), und „Die Obrigkeiten in allen Staaten hat Gott eingesetzt." (Sir. 17, 14.) Der Unterthan muß die Gefahrerl des Lebens urid des Tode-- mit seinem Könige theilen: „So wahr ein Gott lebt, und so wahr mein königlicher Herr, daß am Orte, wo der Herr, mein König, stehen wird, es sei zum Tode oder zuni Leben, dort auch sein Diener stehen wird." (II. Sam. J 5, 21.) Man muß das Leben des Königs auf Kosten des eigenen retten. (2. Sam. 23, 15 ff.) Wir sind verpflichtet, für das Leben des Königs und für sein Wohlergehen zu Gott zu flehen: „Gieb dem Könige langes Leben, Jahre bis zum kornmenden Geschlechte, daß er auf feinem Thron vor Gott bleibe." (Ps. 61, 7 ff.) „Der königliche Ruhm währe ewig, sein Name der Sonne gleich, man segne sich mit ihm, alle Völker preisen ihn." (Ps. 72, 17) „Man bete immer dort für ihn und gebe ihm den täglichen Segen." (Pf. 72, 15.) Selbst der Prophet, wenn er vor dem Könige erschien, beugte sich vor dem Könige mit dem Anttitz zur Erde. (1. Kön. 1, 23.) — Den biblischen Gedanken haben die Nabbtnen weiter ausgesponnen, indem sie u. A. sagen: „Bete für das Wohl des Königs, denn gäbe es keine Ehrfurcht vor ihm, so würde Einer den Andern verschlingen. (Aboth 3, 2.) Die heilige Schrift bietet einige sehr erhebende Beispiele von Treue und Ergebenheit gegen die Obrigkeit dar, die in ihrer schlichten Einfachheit etwas ungemein Sympathisches für uns haben. Wer hätte — um nur einige derselben zu erwähnet» — kein lebhaftes Interesse für Josef in Aegypten, der nach Kräften bestrebt war, das Wohl des Königs Pharao und des Staates zu fördern? Wem imponirte nicht das sittliche Pathos der Ueberzeugung, mit lvelchem Daniel dem König von Babylon gegenüber die Ursache feiner wunderbaren Errettung erklärte: „Gott der Herr hat mir seinen Engel gesandt, mich aus dem Rachen des Löwen zu befreien, weil er Nlich unschuldig gefunden und weil ich Dir, mein Herr und König, stets treu und ergeben war." (Dan. 6, 23.) Wer hätte nicht Achtung vor dem Charakter des Mardochai, der eine von Hofschranzen und Jntriguanten augezettelte Verschwörung gegen das Leben des Königs Ahasverus, des Königs von Persien, zur Anzeige brachte, obwohl dieser Monarch das ganze Volk ausrotten wollte? (Efth. 2, 21.) Wer schwärmte nicht für die liebenswürdige und heroische Esther, welche nach dem Grundsätze handelte, welchem sie selbst Ausdruck verlieh: „Nicht darf ich ruhig das Unglück ansehen, tvelches meinem Volke zustößt, nicht darf ich theilnahmlos dem Untergang meines Vaterlandes zuschauen?" (Efth. 8, 6.) Wie schon erwähnt, ist das gekrönte Haupt nach biblischer Auffassung heilig. Der Fürst hat wegen seiner Ansichten und Gesinnungen nur vor Gott und seinem Gewissen Rechenschaft abzulegen. „Des Königs Herz ist in der Hand Gottes wie Wasserströme: er leitet es nach seinem Willen" (Spr. Sal. 21, l),