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Der Israelit · 1898-10-11 · Heft 79-80 (11.10.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 79-80 (11.10.1898)
Date
1898-10-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■xzg&rn-irrxrjr?* r 1438 goldene Früchte in silbernen Schalen. Noch heut zu Tage strahlen dieselben in unverlöschlichem Glanze, noch heut bewähren sie ihre Wahrhaftigkeit und göttliche Kraft, und das Beste, was unsere großen Geister über diesen Gegenstand gedacht und geschrieben haben, trägt unverkennbar den Stempel des ganzen biblischen Gedankens an seiner Stirn. Die Weisheit des Orients, die im Prediger Salomonis und auch unter den jüd. Volksbüchern, wie beispielsweise dem „Sirach", solch' edle Blüthen getrieben, verkündet ganz besonders die Ehrfurcht vor der Majestät mit flammenden Zügen. Man höre z. B.: „Fürchte wie Gott den König, laß dich mit Revolutionären nicht ein; denn plötzlich zieht Unwetter über sie herein, und die Strafe ist alsdann unberechenbar." (Sprüche Sal., 24, 21 —22; Sir. 7, 7—8). — „Des Königs Befehle beachte und sei eingedenk des dem Herrn geleisteten Eides." (Pred. Sal 8, 2). — „Der Befehl des Königs ist ein Machtgebot: wer darf ihn fragen, warum thust Du das? (Pred. Sal 8, 4). — „Wer den Befehl des Königs beachtet, dem wird keine schlimme Sache widerfahren." (Pred. Sal. 8, 5). Der König ist nicht wie etwa der Präsident einer Gesellschaft, sondern ein Regent von Gottes Gnaden. „Der König ist der Gesalbte des Herrn" heißt es 1. Sam. 24, 7, 26; 8, 11, 16, 23'; 2. Sam. 1, 14, 16; 1. Ehr. 16, 22. Die Ehrfurcht vor ihm und die Liebe zu ihm wird aller Orten eindringlich eingeschärft. „Wer will Hand an den Gesalbten des Herrn legen und ungestraft bleiben?" heißt es im Buche Sam., 1, 26, 9. „Eine -Zauberkraft liegt auf den Lippen des Königs", heißt es in den Sprüchen Sal. 16, 10; und in begeisterter Weise besingt der königliche Sänger David den guten König mit den Worten: „Du bist der Schönste unter den Menschen; Reiz ist ausgegosien über deine Lippen, darum bist du der Gesegnete Gottes! Gürte, o Held, das Schwert um deine Lenden, das ist deine Zierde und dein Schmuck. In dieser Pracht zieh' aus, für die Wahrheit, für die Geknechteten, für die Unschuld: Deine Rechte wird alsdann Wunder thun! Dann sind scharf deine Pfeile, Völker fallen unter deine Füße... Dein Thron bleibt ewig bestehen, denn das Szepter deines Reichs ist das Szepter des Rechts." (Pf. 43, 2—7). Bei einer anderen Gelegenheit ruft der Psalmist gleichfalls enthusiastisch aus : „Preiset den Ruhm des Königs, der das Recht liebt, Gesetz und Ordnung aufrecht hält und stets nur Gerechtigkeit und Billigkeit übt(Pf. 90, 4). Das Ideal des guten Monarchen hat mit besonders glänzenden Farben der Prophet Jesaias im Kapitel 32, 1 bis 8 entworfen. Man kann diesen Abschnitt einen Königsspiegel nennen. Wir lesen dort die klassischen Sätze: „Der König muß in Gerechtigkeit regieren, der Fürst muß nach dem Rechte herrschen. Dann ist derselbe für Jedermann gleichsam Zuflucht vor dem Winde, Schirm im Unwetter, wie Wasserbäche in der Dürre, wie eines gespaltenen Felsens Schatten in einem ausgedorrten Lande. Dann lassen sich die Augen der Sehenden nicht mehr blenden, und die Ohren der Hörenden horchen auf. Des Unbesonnenen Sinn lernt vorsichtig sein, des Stammlers Zunge wird fähig, deutlich zu sprechen. Nicht wird fürder das Niederträchtige edel genannt, der Arglistige nicht mehr großmüthig geheißen. Dann wird erkannt, daß der Niederträchtige nur Niederträchtiges redet, sein Herz nach Unheil lechzt, Schändliches vollführr, ruchlos handelt und verführerisch gegen Gott lästert, den Hunger der Darbeuden ungestillt läßt und den Durstigen den Trank entzieht. Dann wird man auch erkennen, daß des Betrügers Waffen gefährlich sind, denn er sinnt nach Tücke, um die Harmlosen mit falschen Worten zu verderben, während er doch das Recht der Betrogenen vertheidigen sollte. Edle Fürsten haben auch fürstliche Gedanken und führen dieselben fürstlich aus." Im Uebrigen knüpft hier der Prophet an frühere Vorstellungen über die Würde und den Adel des Königthnms an, die schon zu Zeiten Samuels im Schwange waren. Im 2. Buche Samuels 14, 17, 20, lesen wir schon: „Der König sei den Engeln Gottes gleich, er bestimme und entscheide, was gut und böse ist." Ebenso denkt auch der Pfalmist: „Er richte die Völker nach Recht und die Unterdrückten nach Billigkeit. Errichte unparteiisch die armen Geknechteten, helfe den: Unglücklichen, zermalme den Bedrücker! Dann wird er dich, o König, verehren von Geschlecht zu Geschlecht. Du bist als dann der Regen für die abgemähte Flur, wie Tropfen, welche den Boden befruchten. In dem Zeitalter blüht das Recht und überall ist Frieden." (Ps. 72, 1—7, i2—17). Schon die hier angeführten Citate beweisen die Wahrheit der Behauptung, daß bei keinem Volke des Alterthums das Königthum solch' schwärmerische Verehrung und hingebungsvolle Liebe, solch' begeisterte Lobredner, wie im jüdischen Volke, gesunden habe. Seine Dichter und Sänger überstrümen von der Verkündigung seines Ruhmes; seine Weisen und Gelehrten preffen seine Würde und Hoheit, und die literarischen Denkmäler verklären den Träger dieser Würde mit dem Glorienschein religiöser, dichterischer Weihe. Es ist hier nicht mein Zweck, die Stellung des Talmuds zum Königthum und zu den Swotsgesetzen zu kennzeichnen, da uns hier nur die Bibel beschäftigen soll, aber ich kann es nicht unerwähnt lasten, daß auch der Talmud die Verehrung für oas Staatsoberhaupt und die Obrigkeit predigt. Das weltliche Königthum ist nach der Tradition der Abglanz der göttlichen Majestät. Daher ist, wie man weiß, nach Ansicht unserer Weisen, jeder Jude verpflichtet, beim Anblick eines gekrönten Hauptes einen Segensspruch

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