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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 34

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 34)
Language
German
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1454 an welchem Landesgerichtsrath Dr. Büngener, sowie der k. k. Bezirkshauptmann Büngener, ReichsrathSabgeordneter Dr. Götz, der Direktor des hiesigen k. k. Gymnasiums, die Direktoren der hiesigen Volks¬ und Bürgerschulen, die Cultus- und Gemeindevertretung, der OrtSschulrath, der Lehrkörper der hiesigen Jsraelitengemeinde, sowie alle ausgedienten und in der Reserve befindlichen isr. Soldaten, geführt von isr. Reserveoffiziren, sowie ein zahlreiches Publikum theilnahmen. Aus den erwähnten Namen ist zu ersehen, daß auch Andersgläubige sich nicht scheuen einen Tempel mit konservativen Einrichtungen zu besuchen, ferner kann man hierbei die erfreuliche Wahrnehmung machen, daß bei uns gottlob der Antisemitismus noch nicht seinen Einzug gehalten hat. Dr. Feuchtwang hielt eine tiesinnige patriotische Rede, welche auf die Anwesenden einen liefen Eindruck machte. Nach Absingen einiger Trauerpsalmen schloß diese erhebende Trauerfeier. Prag, 22. September. Das erschütternde, in der Weltgeschichte völlig beispiellose Verbrechen, der ruchlose Mord einer der edelsten Frauen, die je einen Kaiserlhron geschmückt, das so weit der Erdball von Menschen bewohnt ist, Entsetzen, Grauen, tiefes Leid und innigste, aufrichtigste Theilnahme hervorgerufen, hat ganz besonders in der österreichischen Judenheit, die stets mit unverbrüchlicher Treue und innigster, tiefster Verehrung an dem angestammten Herrscherhause hängt, eine geradezu unschilderbare Aufregung, bei jedem Einzelnen einen tiefen Schmerz, wie um den Verlust eines nahen Verwandten hervorgerusen. Die verewigte, hohe Frau besaß unter ihren zahllosen Tugenden auch jene, daß ihr Heller Geist, ihr edles Herz in ihrer alles und alle umfasiende Menschenliebe, in echter, wahrer Religiosität, wie dies auch ihre Religion vorschreibt, jene, ihre Menschenliebe, — den Bekennern aller Confessionen, wenn sie würdig waren, in gleichem Maße zuwandte. Die auch geistig überreich begabte hohe Frau war auch eine Freundin des jüdischen Schriftthums und brachte auch der herrlichen, hebräischen Poesie einer längst vergangenen Zeit Verständniß und Liebe entgegen. Auch in Prag und in ganz Böhmen hat der pötzliche, gewaltthätige Tod der allgeliebten hohen Frau bei den jüdischen Glaubensgenosien eine geradezu beispiellose, noch nie dagewesene, tiefschmerzliche Bewegung hervorgerufen, in jeder auch in der kleinsten Judengemeinde wurde für die allgeliebte, allbeweinte Fürstin ein Trauergottesdienst abgehalten. In Prag veranstaltete die Israelitische Gemeinde- Repräsentanz am vrm» Vormittag in der Klausfynagoge eine solenne Trauerfeierlichkeit, bei welcher Dr. Ehrenfeld die Gedenkrede hielt, die sich durch Gedankentiefe und mächtige Wirksamkeit auszeichnete. Am 19. September wurde eine gleiche Feier in den Tempeln der Vororte Carolinenthal und Weinberge und zwar wurde im Ersteren vom Rabbiner Dr. Hirsch eine — nebenbei bemerkt — treffliche Rede abgehalten, während sich im Weinberger Tempel, die beiden Rabbiner Stark und Dr. Weiner in die Funktionen derart theilten, daß Ersterer eine gehaltvolle Gedenkrede, der Letztere ein passendes, ergreifendes hebräisches Gebet sprach. In beiden Tempeln hatten sich die Spitzen der Behörden und zahlreiche Andächtige eingefunden. Am 20. September veranstaltete die hiesige Tempelgemeinde eine Trauerandacht. Der Tempelprediger Dr. Fischer, der sich schon während seiner kurzen Anwesenheit in Prag große Beliebtheit und Anerkennung errungen, hielt eine ebenso geistals gemüthvolle Trauerrede, welche auf das Auditorium einen überwältigenden Eindruck üble. Bei diesen beiden Feierlichkeiten waren die hohen und höchsten Behörden des Landes vertreten. Bei einer oder der andern waren erschienen: der Statthalterei-Vizepräsident Dorsel in Vertretung des Statthalters,der Polizei-Direktor Jawota-Forster, Hofrath Wolf, Statthaltereiräthe, Vertreter der Militärbehörde, Polizeibezirksleiter, Vertreter des Stadtverordneten-Kollegiums, des Magistrates, sämmtliche Rabbinen, die gesammte CultuS-Gemeinde-Repräsentanz, Hofrath Zucker, Landtags-Abgeordnete Dr. Z a l u d, Obmann der Landes-Judenschaft Dr. Lichten stern, Universitäts-Professor Weil u. A. Auch die Professoren der Isr. Religion veranstalteten für ihre Schüler entsprechende Trauerfeierlichkeilen. Der k. k. Feld- und Meisel-Synagoge Prediger Dr. Kisch wird heute in Vertretung des leider erkrankten Bezirks- und Gemeinde-Rabbiners von Smichow Dr. Back bei dem dort abzuhaltenden Trauergottesvienst die Rede halten. Budapest, 23. Sept. Ein interessanter Fall von antisemitischem Verfolgungswahn beschäftigte gestern den ganzen Tag bis heute früh um vier Uhr das Gericht. Der bekannte ehemalige Abg. Vikt. Jstoczy, der sich rühmt, der Vater des europäischen Antisemitismus zu sein, stand der Ehrenbeleidigung und Verleumdung angeklagt vor den Schranken. Er hatte das Unglück, im Vorjahre einen neunzehnjährigen Sohn an der Lungenschwindsucht zu verlieren, aber dieses Unglück erschien ihm nicht natürlich genug. Er suchte auch dahinter seine Feinde, die Juden, die ihn angeblich in den „Cherern," den Bann, gethan hätten. Da nun aber nicht die Juden die Tuberkulose erfunden haben, beschuldigte er sie wenigstens der Bestechung oder Einschüchterung seines Hausarztes, der dann erstens den Sohn falsch behandelt habe, sodaß er unbedingt habe sterben müssen, zweitens die wahre Natur der Krankheit der Familie verheimlicht habe, damit auch sie infizirt und ausgerottet

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