Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1898)
- Date
- 1898-09-29
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang Vierte Keil.;u M- 77 & 78 des „3smtit‘. Zettttngsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 27. Sept. Ein drittes Altersversorgungsheim beabsichtigt die Berliner jüdische Gemeinde zu errichten, da die bisherigen beiden Anstalten, welche im letzten Jahre 224 Insassen zählten, dem Bedürfnisse nicht mehr genügen und Hunderte versorgungsbedürftiger und würdiger alter Leute, aus Mangel an Raum, zurückgewiesen werden mußten. Die Gesammtkosten der Altersversorgungsanstalt beliefen sich in ihren beiden Abheilungen für Männer und Frauen auf 104,181 Mark, was im Durchschnitt einen Aufwand von 471,50 Mark pro Kops ergibt. Die für daS neue Altersversorgungsheim erforderlichen Summen sollen durch freiwillige Beiträge innerhalb der Gemeinde aufgebracht werden, worauf dann unverzüglich mit dem Bau begonnen wird. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien, 22. Sept. Herr Rabbinatskandidat Dr. David Spitzer aus Wien, Schüler des Rabbiners Dr. Breuer, Frankfurt a. M., welcher während der rwtyrr L'xi-Tage bei einer befreundeten Familie in Gaya (Mähren) zu Gaste war, wurde vom dortigen Gemeindevorstande mit der Einladung zur Abhaltung einer nsm beehrt, welcher Herr Dr. Spitzer Folge leistete, indem er am ersten Tage r-utrn twr. eine der hohen Bedeutung dieses Tages entsprechende, seine andächtig lauschende Zuhörerschaft tief ergreifende, allseitig mit großem Beifall aufgenommene ntm abgehalten. In der circa 120 jüd. Familie zählende Gemeinde Gaya ist sonderbarer Weise das Rabbinat seit 25 Jahren unbesetzt, und soll dasselbe baldigst, durch Berufung eines tüchtigen Rabbiners besetzt werden. Bon den zahlreichen Bewerbern um diesen Rabbinerposten dürste, wie wir hören, Herr Dr. David Spitzer die besten Aussichten zur Erlangung dieser Stelle haben. L-r. S. Wien, 27. Sepr. Die Majorität des Gemeinderathes beschloß in der heutigen Sitzung, den Erlaß des Bezirksschulrathes, wonach bei der Bertheilung der Schulkinder in Volks- und Bürgerschulen darauf Rücksicht zu nehmen fei, ob die Kinder Christen oder Juden sind, mit lebhafter Freude zu begrüßen. Nikolsburg, 25. September. Am 5. Tage des Monates Tischri fand die feierliche Einweihung der hiesigen Leichenhalle statt. Nach dem n^-Gebete begaben sich die Mitglieder der Chewra- Kadischa, der Cultusvertretung, sowie ein zahlreiches Publikum auf das uralte rrapn rps und nachdem sie einen Rundgang durch dasselbe gemacht hatten, betraten sie die neuerbaute Leichenhalle, allwo Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang eine der Weihe des Tages entsprechende Rede hielt. An der Hand des Schriftverses ystwri rrmxi aw“ unxn ns» psn erörterte er die Nichtigkeit des irdischen nach materiellen Gütern hinzielenden Strebens und die Ersprießlichkeit des geistigen, idealen Zwecken gewidmeten Denkens und Trachtens und führte in dieser Beziehung unseren Lehrer und Meister Moses als Muster vor, dessen ganzes Leben ein gottgeweihtes, desien ganzes Sinnen dahin gerichtet war, das Volk zu gehorsamen, auf dem Boden des Religionsgesetzes stehenden Bürgern zu erziehen. Bei dieser Gelegenheit ermahnte er auch die Versammelten nach dem Vorbilde jener großen Todten zu leben, die hier in kühler Erde ruhen, unentwegt treu dem echten Judenthum anzuhängen, damit stets der Geist dieser berühmten Männer über unserer Gemeinde schwebe. Mit einem Dank an alle jene, welche sich^um den Aufbau bestrebt und bemüht haben, schloß Dr. Feuchtwang seine tief empfundene Rede. . . . Die Leichenhalle, welche mit einem Kostenausmande von 28,000 Kronen erbaut wurde, besteht aus der Haupthalle, aus der L':nr-Halle, einem separaten Raum für anwesende Frauen, einem Zimmer für ein rzf welches aus der Fremde gebracht wird und einem anstoßenden Zimmer für den Lerner, da es hier Gepflogenheit ist, auch schon vor der nrz;% so lange noch der Todte liegt, n;trD zu lernen. Diese allen siegeln des Ritus entsprechenden Einrichtungen der Leichenhalle erfolgten nach den Weisungen des hiesigen Rabbiners Dr. David Feuchtwang ''der wohl als einer der konservativesten Rabbinen unseres Kronlandes angesehen werden kann. Daß seine 6jährige Wirksamkeit in unserer uralten Gemeinde nicht ohne Spur geblieben ist, beweisen alle Einrichtungen unserer Anstalten, welche ganz streng konservativ sind. Einen wohlthuenden Anblick gewährte es für das Auge t irres gesetzestreuen Juden den regen Besuch unserer rre;s tz am verflossenen n-'BTftrx* zu sehen, anwelchen Tagen jedes Plätzchen besetzl war; aber selbst an einem gewöhnlichen rzv sind die Räume des Tempels dicht besetzt, so daß man ganz gut sagen kann, daß die Religiosität in unserer Gemeinde nicht nur nicht abgenommen, sondern zugenommen hat, — eine wohlthuende Erscheinung für unser an Irreligiosität krankendes Mähren. Für die unter so tragischen Umständen ums Leben gekommene Herrscherin von Oesterreich wurde in der hiesigen Altschul ein Trauergottesdienst abgehalten.