Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1898)
- Date
- 1898-09-29
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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"werde. Beides schrieb Herr Jstoczy in einem von ihm herausgegebenen Wochenblättchen. Der angegriffene Hausarzt Dr. Kelen nahm sich die Beschuldigung so sehr zu Herzen, daß er sich mit Morphium vergiftete. Der Sohn des Verstorbenen aber strengte die Verleumdungsklage gegen den intellektuellen Mörder seines Vaters an. Die Verhandlung ergab natürlich die Grundlosigkeit sämmtlicher Behauptungen Jstoczy's. Dr. Kelen hatte seinen Sohn richtig behandelt; wenn er über die Natur der Krankheit den Eltern keine Mittheilung machte, so handelte er nur nach den Vorschriften des ärztlichen Berufes. Das erklärten sämmt liche als Sachverständige vernommene Profefforen. Freilich wurde Herrn Jstoczy die Führung des Wahrheitsbeweises einigermaßen erschwert. Er hatte nämlich auch die Vorladung des Herrn Scheicher in Wien und des Herrn Eduard Drumont in Paris zwecks Erläuterung des Begriffes „Cherem" verlangt. Der Gerichtshof hielt es für überflüssig, diese Sachverständigen zu vernehmen. Jstoczy wurde schuldig befunden und zu einer Geldstrafe verurtheilt. Man kann ihm als Miloerungsgrund seinen ehrlichen Irrsinn, vul^o Fanatismus anrechnen. Charakteristisch ist die Gleichgiltigkeit, der dieser Prozeß in den weitesten Schichten der Bevölkerung begegnete. Herr Jstoczy ist so todt, wie der Antisemitismus in Ungarn. P a l ä st i n a.? Jerusalem. In den letzten zwei Monaten war der Gesundheitszustand in unserer Stadt recht ungünstig. Außer den üblichen Fiebern und sehr viel Augenkrankheiten waren viel typhöse Erkrankungen zu behandeln, die Spitäler sind überfüllt und die Armenärzte haben alle Hände voll zu thun. Sehnsüchtig erwartet man die Eröffnung des neuen großen jüdischen Krankenhauses, die freilich noch einige Zeit auf sich warten lasten wird. — Bezüglich der Reise des deutschen Kaisers steht jetzt fest, daß er in der Nähe von Sichron Jaacod frühstücken wird; dagegen keine andere der jüdischen Kolonien zu sehen bekommt. Die jerusalemer Juden beabsichtigen für den deutschen Kaiser ebenso wie seinerzeit für den österreichischen Monarchen einen Triumphbogen zu errichten, bei dem die beiden Oberrabbiner mit den Thorarollen den Kaiser erwarten. In dem vom Pascha eingesetzten Komitee für den Empfang des deutschen Herrschers sind die Juden durch die Person Nissim Behar vertreten. — Auf den Kolonien war die Weinernte vorzüglich und die riesige Kellereien in Rischon le Zion vermögen den Gottessegen kaum zu fassen.? Jaffa. Endlich ist dem Präsidenten der bulgarischen Kolonie, der Artus gehört, gelungen in Konstantinopel die nöthigen Concessionen zu erlangen, so daß man nun dort hoffen darf, weiter zu kommen. Artus hat 5000 Dunam Umfang, aber viel felsiges Terrain, so daß eigentlich noch Land zugekauft werden mußte. Sehr günstig ist die Lage dicht an der Bahn Jaffa-Jerusalem. Es befinden sich dort zwei große Gebäude, von denen das eine Wohnungen und Ställe' für 16, das andere für vier Familien enthält. Gegenwärtig wohnen auf der Kolonie neun Familien mit 28 Seelen. Transvaal.? Pretoria. Von der Einweihung unserer neuen Synagoge am 17. August ist zu berichten, daß dieselbe mit großem Pompe siaaltfand und an der Feier auch Vizepräsident General Joubert, Oberster Richter Gregorowsky, Staatssekretär Reitz rc. theilnahmen, sowie viele hervorragende christliche Geistliche. Der Reo. Harris aus Johannisburg leitete die Feier, au der ein Chor von 30 Personen mit Musikbegleitung hervorragenden Antheil hatte. Vermischtes. Cassel, 22. September. Dieser Tage feierten in völliger körperlicher und geistiger Rüstigkeit Herr Manns Katzenst e i n und Frau das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Von allen Seiten kamen dem hochbetagten Jubelpaare die herzlichsten Glückwünsche und schönsten Geschenke zu Nachdem des Morgens dieselben enlgegengenommen waren, wurde des Mittags im Familien- und Freundeskreise bei Hotel Meier gespeist. Durch stetes Vortragen von Theaterstücken und Couplets blieben die Hochzeitögäste bis Rachts 2 Uhr gemächlich zusammen. Möge dem goldenen Ehepaare ein goldener Abend beschiedeu sein! Cassel. Anläßlich der am hiesigen Platze der Vollendung sich nahenden Synagoge strengerer Richtung ließ Herr Callmann Plant ein Leser schreiben und wurde dasselbe heute in seiner mit Blumen und Guirlanden reich geschmückren Wohnung fertig geschrieben. Die h'erzu cingelavenen Gäste erschienen zahlreich und hielt Herr Landrabbiner Dr. Prager eine wohlgelungene Rede Rachdem man alsdann Minchah und Maarif gebetet hatte, blieb die Gesellschaft noch bei Wein und Speise gemächlich zusammen. Weimar. Cs freut mich, Ihnen die MittheUung machen zu können, daß an den verflossenen hohen Feiertagen zum e» sten Male wieder nach wohl nahezu 50 Jahren ans Veranlassung einiger gesetzestreuen Glaubensbräder ein Privatgottesdienst am hiesigen Orte abgehalten worden ist. Briefkasten der Redaetion. L. in GundershosenDavid Bauer in Frankfurt a.M. A. S. in L.: 29. Ador 5040 gleich 0. März INNO. Da dieses Jahr der 29. Ador Samstag ist, so leint das Kind die Sidra dieses Tages ’7ip5 ^np’i falls es am Tage geboren wurde. Wurde eS aber am Atend geboren, so ist die Lidra fOP’i. Briefkasten der Expedition. Rümmer 93 vom Jahrgange 1895 wird. 20 Pfg. per Eremplar, von der Geschäftsstelle zurüagekauft.