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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1447 tunesischen Originalhandschrift ins Französische durch Galland und von da ins Deutsche von Mar Habicht übersetzt also: „Einer meiner Freunde, ebenfalls Vorsteher, begegnete einst einem Juden, der einen Korb trug, worin fünftausend Goldstücke waren. Da sagte dieser Freund von mir zu einem seiner Sklaven: „Könntest Du wohl diesem Juden das Geld aus dem Korbe nehmen?" — „Ich will es wohl versuchen," erwiederte dieser. Auch brachte er ihm wirklich am anderen Tag den Korb. „Gehe jetzt," sagte nun der Aufseher zu ihm, „und vergrabe ihn an dem und dem Ort." Nachdem jener dies gethan hatte, benachrichtigte er seinen Herrn davon den andern Tag, als große Sitzung ttt dem Polizeiamte war, kam der Jude mit einigen seiner Freunde, beklagte sich über sein Unglück und sagte, ihm sei Geld gestohlen worden, welches dem Sultan gehöre, daß er indeß überzeugt sei, wir würden ihm zu seinem verlorenen Gelde wieder verhelfen. Wir vertrösteten ihn, wie gewöhnlich aus drei Tage. Der Vorsteher befahl hierauf seinem Sklaven, der das Geld genommen hatte, alles anzuwenden, um in das Haus des Juden etwas zu bringen, was ihn verdächtig und für sein Leben besorgt machte. Das that er denn auch, und zwar bediente er sich folgender List: Er schnitt nämlich einer todten Frau die Hand ab, an deren Finger ein goldener Ring steckte, legte sie in einen Korb und vergrub sie unter eine Diele des Hanfes des Juden. Wir begaben uns nun fort, durchsuchten einige Hänser und kamen dann auch zu dem Inden, wo wir den bewußten Korb fanden. Wir legten nun sogleich den Juden als Mörder in Ketten. Als der bestimmte Tag herangekommen war und wir bereits den Präfekten von der Sachc^ unterrichtet hatten, kam ein Mann vonseiten des L-ultans, welcher befahl den Juden anzunageln und sodann die 5000 Goldstücke zu bringen; denn es sei nicht möglich, daß eine solche Summe so leicht verloren gehen könne, wofern nicht böser Wille dabei inr Spiele wäre. — Da merkte der Vorsteher, daß die List nicht gelungen war. Er ging nun sofort aus und begegnete unterwegs einem Jungen, den er angriff, durchvrügelte und ihn auf das Polizeiamt brachte. Dort schlug er ihn nochmals und sagte: „Das ist der Dieb." Er wollte ihn durch Prügel zum Geständniß bringen; allein er gestand nichts. Doch wie er das vierte mal gepeinigt worden war, sagte er: „Ich will Euch das Geld bringen." Man band ihn los und er mußte die Polizeibeamten dahin leiten. Ich war mit bei ihnen und zu allgemeinem Erstaunen führte er uns au den Ort, wo der Sklave des Vorstehers das Geld hin vergraben hatte. Als der Präfekt diesen Fund sah, freute er nch außerordentlich, gab dem Vorsteher große Belohnungen, bekleidete ihn mit Ehrcnpelzcn und brachte das Geld zum Sultan zurück; den Jungen aber hielten wir noch fest. Jetzt sagte ich zu meinem Freunde, der das Geld eigentlich genommen hatte: „Wahrscheinlich hat der Junge den Mann gesehen, der das Geld vergraben mußte." — „Bei Gott, das ist nicht möglich," erwiederte dieser. Voll Begier zu wissen, wie der Junge dieses hatte erfahren können, begab ich mich zu ihm und pflegte seiner, bis er wieder zu Kräften kam. Dann sagte ich zu ihm: „Run entdecke mir, wie Du das Geld gestohlen hast?" — „Ach," sagte er, „ich versichere Euch bei Gott, ich habe das Geld nicht gestohlen; auch habe ich es nicht eher gesehen, bis ich es aus der Erde hervorzog." „Wie ist denn das möglich?" unterbrach ich ihn. „Ach," sagte er, „ich weiß sehr wohl die Ursache, weshalb ich in Eure Hände gefallen bin. Die Nacht vorher hatte ich nämlich meine Mutter mißhandelt und sie geschlagen: da verfluchte sie mich uud sagte: „Gott wird Dich in die Hände eines Bösewichts bringen." Da sie nun eine sehr fromme Frau ist, so fürchtete ich bei einem längeren Verweilen bei ihr, einen noch härteren Fluch von ihr zu empfangen und ging daher schnell weg. Da traft Ihr mich dann in der Straße, und behandeltet mich so wie Ihr wißt. Als ich vor Schmerz über Eure Schläge meines Verstandes schon ganz beraubt war, glaubte ich einen inneren Ruf zu vernehmen, der mir befahl, die Sache zu gestehen und Euch auf's Geradewohl irgendwohin zu führen. Dieses innere unbeschreibliche Gefühl leitete mich dann an den Ort, wo Ihr das Gesuchte fandet." Ueber diese Erzählang wunderte ich mich, suchte ihn aus dem Gefängniß zu befreien und pflegte ihn, da ich sah, daß er noch ein frommer Mensch werden würde." Soweit diese seltsame Betrugsgeschichte, in der der Jude unschuldig für spitzbübische Aufseher den Tod erleiden muß, während dieie, die eigentlichen Missethäter mit Ehren bestehen. Aber trotz dieser erbärmlichen Art, mit denen man da mit den Juden umgeht, ist das wohl doch schon aus dem Grunde nicht eigentliche Judeufeindschaft, keine wirkliche Gegnerschaft, sondern es ist nur die Sucht den Andersgläubigen bei Gelegenheit etwas am Zeuge zu sticken, deßhalb werden nicht nur den Juden solche Rollen zngetheilt, sondern auch häufig Christen, Persern, Indern :c. Da nun im ganzen Orient damals die Finanzgeschäfte fast ausschließlich von Juden betrieben wurden, so ist es ganz selbstverständlich, daß wir einer Reihe von jüdischen Geldwechslern, Unterhändlern und Agenten begegnen, denen zum Theil nichts Schlimmes nachgesagt wird mit der Ausnahme, daß sie fast stets allzusehr auf ihren eigenen Vortheil zu llngunsten ihrer Klienten bedacht dargestellt werden,

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