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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1448 aber es finden sich auch viele Erzählungen, in die jüdische Geldwechsler eingreifen, ohne daß ihnen irgendwelche betrügerische Manipulationen zugeschrieben werden, wie dies ja aus der bekannten Geschichte von Nureddin-Ali bervorgeht. Als Begründung für den zuerst angeführten Fall erinnere ich nur an die Geschichte von Kodjah Hassan Alhabbal, wo ein jüdischer Juwelier und seine Frau bei dem Handel um den Auslös eines Diamanten erst lange Verhandlungen pflogen, und den Stein für eine Bagatelle zu erwerben suchen, indem sie ihn für Glas ausgaben, bis sie schließlich einen annehmbaren Kaufschilling zahlen. Dann greift mehrmals ein jüdischer Arzt in den Gang der Verhandlungen ein, den man, wie ja aus der Geschichte des kleinen Buckligen bekannt, unschuldig in eine ganz schlimme Lage gebracht hat, aus der er aber sich selbst zu befreien weiß. Was nun die Satzungen der jüdischen Religion anbelangt, so wird ihrer nie in verächtlichem Sinne Erwähnung gethan. Im Gegentheil überall, wo Gestalten aus der Bibel auftauchen, wird ihr Name nie ohne die Segensformel: „über den Heil und Segen komme" genannt. Namentlich die jüdische Prophetin wird in die Ausgestaltung der arabischen Erzählungen vielfach hereingezogen und theilweise mit der denkbar größten Phantasie erweitert. Die Mohammedaner nehmen 184 000 Propheten an, von denen außer Mohammed — Moses, David und der Stifter der christlichen Religion die vornehmsten sind. Diese vier sind die großen Propheten und Gesetzgeber. Hieraus allein schon läßt sich auf eine gewisse Analogie mit der jüdischen Lehre schließen und wenn bei den Juden der Prophet unter drei Gesichtspunkten, nämlich 1) als Lehrer und Vermittler des göttlichen Willens, 2) als Verkünder der Zunkunft und 3) als Wunderthäter seine Thätigkeit entfaltet, so ist im Islam diese Thätigkeit bis ins unendliche erweitert. Auch Fürsten Israels sind mehrfach Träger von mehr oder minder bedeutenden Rollen in der „Tausend und eine Nacht", namentlich aber David und Salomon. Was nun den letzteren anbelangt, so nimmt er in der islamitischen Litteratur eine ganz eigenthümliche Stelle ein und er ist bei den Orientalen überhaupt einer der berühmtesten Charaktere ihres Schriftthums. Jnl Arabischen lautet Salomons Name Suleyman und die ihm zu Ehren verfaßten Werke sind sehr zahlreich. Die ausgewähltesten Dichter besangen ihn in schwungvollen Poemen und zu seinem Lobe wurden viele Sammlungen geschrieben. Ich nenne von arabischen Dichtern, die den König Salomon besangen, nur Firdusi, Uskobi und Saad— eddie ben Hassan, die ihm zunr Theil eine Menge wunderbarer Thaten andichteten. Nach diesen Dichtungen war Salomon Herr der Erde und man könnte auch sagen der Luft, weil ihm der Wind zu Gebote stand, um ihn überall hinzutragen, wohin er wollte und weil seine Herrschaft sich bis auf die Vögel erstreckte, deren Sprachen er verstand und die unaufhörlich seinen Thron umkreisten. Der Koran spricht oft von David und Salomon. So steht z. B. in der 27. Sumte: „Wir haben", so spricht Gott, „dem David und Salomon die Wissenschaft verliehen; Salomon ist der Erbe Davids und er hat zu den Menschen gesagt: „Ich habe die Sprache der Vögel gelernt und alle Dinge sind mir ergeben; und Heerschaaren von Geistern, Menschen und Vögel haben sich um den Propheten versammelt, der sie hinwegführet. (Gauttier.) Salomon beherrschte die Engel und Dämonen; die Winde trugen ihn durch alle Sphären und über die Gestirne; er sprach mit den Thieren, Pflanzen und Steinen und gebot ihnen; er vernahm von diesen ihre Eigenschaften und sprach mit den Vögeln, deren er sich bediente, die Königin von Saba zum Besuche zu ihm zu bewegen. — Man sieht, daß hier Anklänge aus jüdischen Schriften und Kommentaren erweitert und nach orientalischer Manier ausgeschmückt worden sind. Das Einwirken Salomon's in der Erzählung vom F i s ch e r u n d dem G e i st e ist ja bekannt genug, aber auch in der 699. Nacht findet sich eine derartige Geschichte, nämlich die von „David und Salomon". Die tunesische Handschrift erzählt davon folgendes: „Einst wurde David, über den Frieden komme, von Ackerbesitzern gegen Hirten um Hilfe gebeten, deren Heerden bei Nachtzeit in ihre Saaten gelaufen und sie abgefressen hatten. Da befahl David, den Schaden zu schätzen und ihn zu vergüten. Gegen dieses Urtheil erhob sich Salomon, über den Frieden komnle und sprach: „Mit Nichten; sondern die Heerden müssen den Ackerbesitzern überliefert werde», welche solange ihre Milch und den Ertrag ihrer Wolle benützen können, bis sie den Werth ihrer verwüsteten Saat daraus erhalten haben, dann können die Besitzer ihre Heerden zurücknehmen." Auf diese Art behielt das Urtheil Salomon's den Vorzug über dasjenige Davids. Dieses war aber deßhalb nicht ungerecht, sondern das Urtheil Salomons war blos billiger und annehmbarer." Daß auch Citate aus dem Koran selbst an zahlreichen Stellen der „Tausend und eine Nacht" gegeben werden, ist selbstverständlich, aber merkwürdig ist, daß diese Stellen gerade als Beweise gegen die

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