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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 26)
Language
German
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■XXff: 1440 welche sie hervorgebracht Hai, streuen überall Goto, Perlen und Diamanten aus; sie errichten in einem Augenblicke prächtige Paläste; sie überhäufen ihre Günstlinge mit allen Freuden, ohne daß sie sich einige Mühe darum geben dürfen. Der Morgenländer verlangt ein leichtes und vollständiges Glück, er will es ohne Umwölkung, wie die Sonne, welche ihm leuchtet. Alle diese Eigenthümlichkeiten der orientalischen Anschauungsweise nun sinden sich nirgends in so prächtigem Gewände, in so vollendeter Gliederung vereinigt, wie in jener seltsam merkwürdigen Sammlung arabisch-indisch-persischer Fatasiegeb'rlde, die man unter dem Namen „Tausend und eine Nacht" kennt, oder wie der Titel in dem arabischen Original heißt : ..A1 « f 16i l e t ue le’i 1 0 t" („Tausend und eine N a ch t.") Ich will nur kurz bemerken, daß die „Tausend und eine Nacht" nicht durchweg arabischen Ursprunges ist, sondern vielmehr aus dem Indischen und Persischen ins Arabische übertragen wurde. Es wäre natürlich thöricht die ganze große Anzahl der vielen Geschichten dieses wunderbaren Werkes einem Verfasser zuschreiben zu wollen. Es ist wohl, wie dies bei den Griechen, auch den dem Homer zugeschriebenen Schöpfungen sein mag, eine Zusammenstellung von Produkten vieler volksthümlicher Dichter und Erzähler der verschiedensten Zeiten, die dann nach und nach sich durch den Volksmund weiter verbreiteten und schließlich gesammelt und gruppirt wurden. Es besteht nun eine gewisse Aehnlichkeit zwischen diesen arabischen Erzählungen und den Werken ähnlicher Art anderer Völker, namentlich mit dem nordischen Ossian und dem Griechen Homer. Man kann Sindbad's Reisen der „Tausend und eine Nacht" sehr wohl eine arabische Odyssee nennen und so sind der Aehnlichkeiten sehr viele. Wir kommen jetzt aber zu der Kardinalsrage: Was haben nun eigentlich die Juden mit „Tausend und eine Nacht" zu thun? Denn das ist doch schließlich die Hauptsache, um die es sich hier handeln soll. Auf diese Frage läßt sich eine Antwort nach drei verschiedenen Richtungen hin erlheilen. Zunächst spielen die Juden in diesen arabischen Märchen eine immerhin ziemlich bedeutende Rolle, indem Juden an zahlreichen Stellen in den Gang der Handlung aktiv oder passiv eingreifen. Sodann finden sich einige Erzählungen, in denen Juden als Träger der Hauptparthieen thätig sind und drittens endlich begegnen wir dort vielen Anklängen an jüdisches Schristthum und jüdische Poesie, die sich vereinzelt eingestreut finden. Die Sache ist also zumindest einiger Beachtung werth und es ist auch nicht ganz uninteressant einmal ein paar Streistichter aus jene orientalischen Phantastegebilde zu werfen. Früher mar schon einmal die „Tausend und eine Nacht" Gegenstand einiger Besprechungen in jüdischen Organen und es wurde manches Gute, aber auch viel Unnützes darüber geschrieben. Die einen behaupteten, es wehe durchweg ein antisemitischer Geist in jenen Märchen, andere suchten genau das Gegentheil zu beweisen, aber den eigentlichen Kern traf selten einer, denn die Wahrheit liegt etwa in der Mitte. Von reiner Judenseindschast ist indessen meines Erachtens nichts zu entdecken, weil die Tendenz schließlich keine direkt feindliche, sondern bei jenen Gelegenheiten nur gleichgültige, in einigen Fällen allerdings auch verächtliche sein mag, aber in den überwiegenden Fällen sind den Juden weiter keine großen Schwierigkeiten bereitet, wenn auch aus der anderen Seite von überschwenglicher Freundschaft nicht viel zu merken ist. Immerhin sinden sich einige wohlthätige reiche Juden, von denen allei RühmenLnnrthes berichtet wird, oder sie sind Träger edler, guter Thaten, oder bedeutende Künstler, aber im Großen und Ganzen sind es nur jüdische Makler, Händler und Kleinkräiner, denen unbedeutende Aufgaben zngetheilt sind. Allerdings kommen auch Sachen vor, wo den Juden Aeußerungcn in den Mund gelegt werden, oder wo sie gar als Uebelthäter fungieren, wie man sie sich nicht gut viel schlimmer denken kann und die heutzutage noch mancher antisemitischen Erfinduugssucht Ehre bereiten würde, obwohl, ich betone es nochmals, eigentliche feindliche Absichten nicht vorliegen. Dennoch sind die gebrachten Erzählungen von den jüdischen Missethätern um deßwillen zu verurteilen,' weil ganz spezifisch jüdische Eigenthümlichkeiten und Eigenarten dem schändlichen Zwecke ausgebeutet werden, während die Thaten an sich ebenso gilt auch ohne besondere Charakterisirung unb ohne besonderes Ziel sich hätten, wenn es nun einmal sein mußte solche Sachen zu verwerthen, darstellen lassen. Ich will mich aus diese unerfreulichsten und glücklicherweise auch nur ganz selten auftauchcnden Spezies der arabischen Erzählungen nicht weiter einlassen imb nur an die eine erinnern, wo von einem Rabbi erzählt wird, der fromme Muselmänner und Christen an sich lockt, um ihnen dann allerhand Böses zuzufügen. Das ist so ziemlich die schlimmste den Jude« nachgesagte Geschichte, denen indessen einige entgegenftehen, wo man selbst mit Hülfe der Polizeimacht Juden betrügt und sie nachher als Betrüger stempelt. Auch hiervon ein Beispiel. In der si38. Nacht erzählen eine Anzahl von Polizeiaufsehern ihre Abenteuer. Es kommt die Reihe an den zehnten Vorsteher, der Folgendes berichtet: Die Stelle tautet nach der Uebertragung aus der

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