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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Aorthodoxe <MuderrthumÄ |-<L^/V\ O S ES \S^ 155 1 29. Sept 1898.] kNr. 8. mm ifciHiMiTSaQj TMskO nnir |;inc Acht Uli die Allklkll. Von Leo Boer, Bad Homburg. Die Ausbreitung und die Höhe der Kulturstufen eines Volkes drückt sich nicht nur in seiner Geschichte, dem Stande seiner Künste und Wissenschaften und seinen Beziehungen zu anderen Nationen aus. Sie drückt sich hauptsächlich auch in der Entwickelung und Ausbildung jenes Lckeraturzweiges aus, vernicht über Geschehenes berichtet oder von Thatsachen und Vorkommniffen aus dem Werden und der Entwickelung der Völker zu uns spricht, sondern der uns in freier, ungezwungener Darstellung Schöpfungen überliefert, die lediglich als Gebilde des ungehemmten, voll entfalteten, dichterischen Gestaltungsvermögens und der ungezügelten, lebhaften Fantasie daftehen. Sie geben als solche zugleich die besten Prüfsteine für die Produktivität und die Leistungsfähigkeit eines Volkes ab, das in vielen Fällen durch diese Begabung und Veranlagung einen umso höheren Rang einzunehmen pflegt, je reicher und mannigfaltiger seine poetische und sagenhafte Literatur ausgestaltet ist. Vielfach ist hierbei natürlich der historische Hintergrund nur ein willkommner Vorwand für die Erreichung oder vielmehr Erweckung des Anscheines der größeren Glaubwürdigkeit in der Darstellung, die indessen selbst auch da noch ihre Berechtigung hat, wo längst die Grenzen des Möglichen und Wahrscheinlichen überschritten sind, aber auch der klare Verstand und die kluge Berechnung beugen sich willig vor den erhabenen Schönheiten, die uns in \ glühender Farbenpracht strahlende Bilder der bezaubernften Fantasie vor Augen führen. Es ist nun eine der merkwürdigsten Beobachtungen, daß überall die ersten Denkmäler der aussprossenden Literatur-Werke derselben Art sind, denen nur der Stempel der Eigenthümlichkeit des Volkes und des Himmelsstriches, unter dem sie verfaßt sind, aufgedrückt ist. So haben im Norden alle Schöpfungen der Einbildungskraft etwas Finsteres und Wildes; Die Barden kennen keine anderen Geister, als die Seelen der Krieger, die auf den Wolken schweben und im Nebel durch die Nacht gleiten, um den einen ihren nahen Tod zu verkündigen und die anderen zu Kampf und Sieg zu ermuthigen. Griechenland gründete seine bewundernswürdige Mythologie auf die Trümmer der Mythologie mehrerer Völker de- Morgenlandes. Aber im Morgenlande selbst, sagt Gauttier, zeigt sich die Kindheit des Menschengeschlechts in all ihrer Anmuth und Ursprünglichkeit. Man würde hier vergebens die schwermüthigen Farben des Nordens suchen oder die ernsten und tiefen Anklänge, die bei den Griechen oft aus den reizenden Gemälden hervorspringen. Da sieht man, daß die Einbildungskraft sich nur in Thätigkeit gesetzt hat, um sich selber ein Vergnügen zu verschaffen und es ist nur zufällig, wenn sie manchmal auch Lehren gibt. Diese Peris, diese Geister,

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