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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 19)
Language
German
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MMW WBWWWWWWM 1439 Daß wir Juden trotz der Ln beinah ununterbrochener Folge wider uns einstürmenden Verhältnisse stets dynastisch gesinnt waren und noch sind, ist ja eine unleugbare Thatsache, die sich auch bei den unmittelbar nach den Festtagen in allen Synagogen des Reiches abgehaltenen Trauerandachten dokumentirtc, allein es ist nicht Leicht verständlich, daß speziell in Wien der Cultusvorswnd sich mit aller Macht dagegen sträubte, zu diesen Andachten die Behörden, die Minister, den Statthalter re. zu laden, da die Ceremonien sich in des Wortes vollster Bedeutung geradezu großartig gestalteten. Die Herren, die noch immer von dem Wahne nicht geheilt sind, daß diese Feierlichkeiten nur für die Judenschaft bestimmt sind, sollten doch einmal von diesen schon antiguirtcn Bedenken abgehen, denn unsere Feinde, die Antisemiten, werden schon ihre Meinungen bei allerhöchster Stelle ausgetauscht haben, die sich gewöhnlich aus das nichtpatriotische Gefühl der Israeliten beziehen und ist die Frage eigentlich vollauf gerechtfertigt; wie soll denn der Kaiser oder seine Räthe wissen, daß auch wir einen Gedenkgottesdienst für die Kaiserin abhalten, wenn die Arrangeure es unterlassen, sie zu benachrichtigen! Diese Zurückhaltung. dieses Zaudern ist leider von schlimmen Folgen begleitet, denn schon rüsten sich die modernen Hamans zu einem Schritte, der für die Zukunft von ungeheurer Tragweite werden wird: der Einführung der confessionellen Schule. Diese Umänderung involvirt einen Verfassungsbruch, da nach dem Skaatsgrundgesetz die Schulen für alle Confessionen bestehen und kein Unterschied gemacht werden darf. Bei dem jetzt herrschenden Regime ist alles möglich, und trotz aller Bedenken sind die Behörden von der patriotischen Trauerfeier nicht unterrichtet worden. Es geht ein fatalistischer Zug durch die Welt, darunter zu leiden haben aber nur wir Juden und zwar in täglich verschärfterem Maße. Als weiteres Beispiel hierfür diene die im Laufe der vorigen Woche erfolgte Wahl in der Gastwirthegenossenschaft. Derselben gehören wenige Juden an, aber sie war in ihrem Vorstände bisher immer liberal, bis zum vorigen Dienstag, an welchem die antisemitischen Kandidaten einen vollen Erfolg errangen. So sieht es am Beginne des Jahres 5659 aus; was wird dasselbe im Gefolge haben? Um aber den ersten Bericht nicht mit einem schwarz in schwarz gemalten Bilde zu schließen, sei hier der Stiftung erwähnt, die der Vorstand der Cultusgemeinde Wien zur Erinnerung an die verschiedene Kaiserin in seiner letzten Sitzung beschlossen hat. Die Repräsentanz der Wiener Judenschaft gründet ein „jüdisches Krankenpfleqerinnenheim", das > für immerwährende Zeiten den Namen der Monarchie tragen soll. Die dortselbst ausgebildeten Damen haben in erster Reihe den Dienst in den der Gemeinde unterstehenden Kranken- und Siechenanftalten zu versehen, dann aber müssen sie den Armen und überhaupt denjenigen Kranken ihre Hilfe leisten, die deren bedürfen. Es ist die Creirung dieser Institution eine wahre Wohlthat, und so hat die Ermordung und das Hinscheiden die eine Thatsache geschaffen, die in allen Kreisen mit Sympathie ausgenommen werden wird! E. J. (Man vergleiche auch den Gericht des Herrn Freudmann in der ersten Beilage. Red.) .Gr. Tapolcsany, nH-v un. Der heurige rutp.-, war ein Doppelfest für die hiesige jüdische Gemeinde, denn die feierliche Einweihung des neuen Tempels, eines Prachtbaues seiner Art, der ca. 70,000 Gulden kostete, welche die hiesige Gemeinde ohne jede fremde Mithilfe bestritt, fand an diesem Tage statt. Am mvn twn niy, nach der Verrichtung des jto U27, nahm der Oberrabbiner, Herr F. Schlsfsinger % feierlichen Abschied von dem alten Tempel, in welchem nahezu 100 Jahre so viele heiße Gebete verrichtet wurden, beklagte dabei den Tod unserer geliebten Königin Elisabeth, weßhalb auch Bankette u. dgl. unterblieben. Redner hob auch die Verdienste deS Herrn Vorstehers M. Bernfeld um den Tempelbau hervor. Am Abend vor dem Mincha-Gebete begab sich die ganze Gemeinde in den neuen Tempel, worauf der Oberrabbiner, der Vorstand und die Dajanim die nun nca von dem alten in den neuen Tempel brachten, wobei Obercantor A. W. Abrahamsohn r'J mit seinem wohlorganisirten Chore snyt? E anstimmte, welches wunderhübsch vorgetragen wurde. Auch Herr Abrahamsohn, wie der Herr Vorstandsvertreter Jacob Schw artz haben sich um das heilige Werk verdient gemacht. Dann folgte nach einer feierlichen Ansprache an die Gemeinde seitens des Herrn Oberrabbiners der nmB- und B'^B-Gottesdienst. Reiner Samuel. Rußland.? St. Petersburg. Mit großer Verspätung ist der Bericht für das Jahr 1894 und 1895, welchen der Prokurator des heiligen Synods dem Kaiser vorlegt, im Druck erschienen. Derselbe enthält viele Angriffe auf die Juden, die von den griechisch-orthodoxen Bischöfen herrühren, auf deren Rapporten der Bericht beruht. Die folgende Stelle ist besonders charakteristisch für die ganze Tonart des Berichts: Die schlauen, betrügerischen Juden haben alle Zweige

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