Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1898)
- Date
- 1898-09-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correspondeinen Wenn die Zunge, wenn das Wort, dem nur gar zu bald die That folgt, nicht im engsten Zusammenhänge mit dem Urstosflichen bleibt, ninn rnwn K*jpj, da droht beim Zusammentreffen mit irdischen, mit materiellen Elementen Abfall und Lostrennung. Hütet Eure Zungen, mahnt die Weide, von Wort zur That ist nur ein Schritt mam u»m pB^rr "na. Wohl, so fügt die nrw hinzu, wurzle ich im Irdischen, wohl sauge ich meine Säfte aus dem Erdreiche; aber bei der Ausführung meiner hehrsten Aufgabe, als man mich würdig fand, im Heiligthum verwendet zu werden, da benützte ich die mir verliehenen Kräfte nur, um zur geistigen und sittlichen Höhe emporzuklimmen, um, an den Altar angelehnt, mich zur höchsten Höhe aufzurichten, sniu popiri nawn naß. Und als ich die Höhe erreicht hatte, da beugte ich im Bewußtsein meiner Nichtigkeit demüthig mein Haupt, nsren bv pwea fnnwn und flehte um ferneren gütigen Beistand des Himmels und um Hülfe bei meinem Vorwärtsstreben, aa nirm narr mm. Wenn mich aber mein Selbstbewußtsein von meinem eigenen Werthe in schmeichlerischer, selbstüberhebender Weise zu überzeugen suchte, und wenn ich meine bevorzugte Stellung meinen: eigenen Verdienste zuschreiben wollte, da war es hohe Zeit, mir meine Vergänglichkeit vor Augen zu führen und mir meine Winzigkeit an Thatsachen zu veranschaulichen. Und am Grunde des Altars, desien Höhe zu ersteigen sie nicht würdig waren, schlug ich alle die Triebe und Sprosien ab, die trocken und welk vom Wurme der Sinnlichkeit und des Egoismus angenagt waren, und die daher Angesichts des geweihten Bodens und in Berührung mit demselben ihren Halt verlieren mußten, raren naß ypips frw parn. Sehet mich an, Kinder Israels, flüstert die ra->v, und lernt von n:ir, wie man sich erkenntlich und dankbar zeigt. Ihr habt mir in Zeiten freudiger Festesstimmung einen Platz in Eurem Feststrauße gegönnt, habt mich zum Theilnehmer an Eurer Freude und Fröhlichkeit eingeladen. Zun: Danke dafür habe ich an Eurem Schicksale überall Theil genommen, habe Euch in den Zetten tiefster Erniedrigung nicht erlassen, B'z'iy by.aart?' au* bn rma by ■ja'rmar raun. Aber wenn die sangeskundigen Leviten den Saiten der Tempelinftrumente wieder begeisternde und erhebende Melodien entlocken, dann werde auch ich wieder zu höheren Ehren gelangen und in den heiligen Räumen des Zionsberges meinen Einzug halten, n'ßa. Deutschland. ** Ostrowo, 20. Sept. Der israelitische Frauenverein hierselbsr hat Frau Rabbiner Dr. Elias Pleßner bei ihrem Scheiden von Ostrowo zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Die Uebergabe des künstlerisch ausgestatteten Diploms erfolgte durch den Gesammtvorstand, bestehend aus den Damen Frau M. Weiß, Frau B. Callmann, Frau Oekonomierath Goldstein, Frau S. Süßmann, Frau Rechtsanwalt Voß und Frau L. Callmann. Die Vorsitzende dankte in ihrer Ansprache der Scheidenden aus vollem Herzen für ihre segensreiche Thätigkeit auf dem Gebiet der Armenpflege und für das warme Interesse und die Förderung, die dieselbe stets dem Verein zu Theil werden ließ. Gleichzeitig war der Vorstand von Seiten der israelitischen Frauen Ostrowos deputirt, der Frau Dr. Pleßner die Ehrengabe derselben, bestehend aus einem Pfandbrief in beträchtlicher Höhe sowie einem Schaukelftuhl zu überreichen. Die Gefeierte dankte in tiefbewegten Worten für diese Ehrung. Am Tage darauf entsandte der Jungfrauenvereiu eine Deputation seines Vorstandes, bestehend aus Fräulein Weiß, Fräulein Fuchs und Fräulein Gartmann, die der Scheidenden die Ehrengabe dieses Vereins überbrachten. Bei ihrer vor einigen Tagen erfolgten Abreise nach Posen hatte sich eine ungemein große Anzahl von Gemeindemitgliedern aus den Bahnhof begeben, um die letzten Abschiedsgrüße auszutauschen. Bei der großen Beliebtheit, die Frau Dr. Pleßner allseitig genossen hat, wird ihr Scheiden von hier allgemein schmerzlich empfunden. O e st e r r.- U n g a r. Monarchi e. Wiett, Ende September. Das allgemein bekannte Gutzkow'sche Wort: „Alles schon dagewesen", hat sich nun einmal nicht bewährt, denn das Rosch Haschonohfeft dieses Jahres machte eine Ausnahme sondergleichen, wie es bisher wohl noch nie der Fall gewesen. Von den Giebeln der Paläste sowohl, als auch der Hütten in allen Gauen Oesterreichs, wehten schwarze Flagge:: als Zeichen der Trauer, die sich überall kundgiebt über das unter solch tragischen Umständen erfolgte Hinscheiden Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich. Es war daher auch schwer, sich der wirklichen Feier- und Festtagsstimmung hinzugeben, die gewöhnlich diese Tage besonders auszeichnet, denn kaum setzte man den Fuß aus dem Gotteshause auf die Straße, als die Trauerfahnen das schreckliche Unglück, das eine ruchlose Mörderhand über Kaiser und Reich brachte, uns vor Augen führte und uns unwillkürlich ernst stimmte.