Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1898)
- Date
- 1898-09-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXLX Jahrgang. Zweite KeU.;u M 77 & 78 des „Israelis. Feuilleton. ♦rcny Line Sektion aus öer jüd. Botanik. Von F. Bachmann, Altona. Am xrn rr^viTk ist die N2ix, die Bachweidk, die Herrscherin des Tages. Was befähigt sie zu dieser Ehre, und welche Mission hat sie zu vollführen? Kaum eine andere Pflanze ist so anspruchslos, wie die Bachweide, von der es heißt e’en bz by nb^str, daß sie an allen Gewässern gedeiht. Ohne menschliche Fürsorge, ohne jegliche Pflege verbreitet und vermehrt sie sich, grünt und blüht sie und gewährt dem Erdreich Halt gegen die austürmenden Wellen der bewegten Gewässer. Aber einsam steht sie am Rande des Wassers und spiegelt sich in der Wasserfläche wieder. Keine farbenreiche Blüthe bringt sie hervor, und ihre Forienlwickelung, ihre Neubildung gehört zu der Ausnahme in dem großen Reiche der Flora. Soll uns die Bachweide nicht eine ernste Mahnung am ernsten sn geben? Soll sie, die wir an diesen! Tage getrennt von den anderen Pflanzen ihres Bundes in die Hand nehmen, nicht eine besondere Idee zum Ausdruck bringen? Gewiß! Sie ipricht in ihrer stummen Sprache zugleich eine allgemein verständliche. Betrachtet mich, so ruft sie uns zu, in Verbindung mit den übrigen Repräsentanten des vegetabilischen Wachsthums und Fortschritts, und sehet mich an, losgetrennt von aller Gemeinschaft mit meinesgleichen. Ich bin auch zu verwenden, so spricht sie, wenn ich mich der Thätigkeil und den! Streben Anderer anschließe, wenn ich mich willig der Hand des Menschen füge und mich mit meinen schwachen Kräften bestrebe, zuin allgemeinen Wohle beizutragen. Aber wehe mir, wenn ich den Spruch, fs rncha “ni*~, sich von seiner Lebensgemeinschaft nicht abzusondern, außer Acht laste. Einsam stehe ich, fern von der blühenden Au, bewegt von der anftürmenden Umgebung, ohne Anziehung für das kunstliebende Auge, nicht imstande, ohne fremde Hülfe für mein Fortkommen, für meine Weiterentwicklung, für mein eigenes Geschlecht zu sorgen. Bewegt von dem nimmer ruhenden Elemente, ohne genügende Fähigkeit, um mein Haupt in Selbstvertrauen emporzuheben, in der Jugendzeit und im Alter wie in der Vollkraft meines Erdenseins gebeugt und gebückt. Und das Gegenbild! Welche Stellung nehme ich neben dem Zweig der fruchtreichen Palme, neben der aromatischen Myrthe ein! Zwar muß ich mich mit dem bescheidensten Platz in Gesellschaft mit bie sen Geschöpfen begnügen, muß den Lulow, dem Geehrresteu, den Platz in der Mitte einräumen, muß der Mprthe, oer Zweitgeehrtesten in unserem Dreibunde, den Platz zur Rechten einnehmen lasten, und mich an der Unke Seite placiren. Aber dennoch, welche Lust, in dem anregenden Verkehr solcher Genossen, im engen Anschlüsse an Hochstrebende sein Leben zu verbringen. Welch hehres Bewußtsein, von aller Welt mit solcher Aufmerksamkeit behandelt zu werden! Welch ein Ansporn, es den Verbündeten gleich zu thun und in erhöotem Maße fürs Gemeinwohl sich nützlich zu erweisen. Der Umgang, der stete Verkehr, der enge Anschluß an solch ätherische Naturen überträgt auch auf Gewöhnliche eine Dosis des Wohlgeruchs, der das edle Geschlecht kennzeichnet, und es sollte mich nicht in Verwunderung setzen, wenn man mit der Zeit auch bei meinem Herannahen den Segenspruch wv cw: sprechen zu müssen glaubt. Und dann, wie fest stehe ich in dieser Verbindung, wie sicher fühle ich mich! Kein Schütteln bringt mich außer Fassung, keine Bewegung stört mich in meiner Situation. Ich fühle mich stark in dieser Geineinschaft, rcß'i' '-.x 'w ~'nz. Und welche erfreuliche Abwechslung kommt in mein sonst so eintöniges Leben! Ich werde mit anderen erhoben, fühle mich gehoben, und in solch gehobenen Momenten, in solch gehobener Stimmung kommen die guten Vorsätze, denen die lobenswerthen Thaten folgen. Zwar verhindert ruich mein angeborenes Naturell, so viel Gutes und Angenehmes wie meine Gefährten zu bieten, die mit ihrer wohlsch!ueckenden Feucht und ihrem vorzüglichen Aroma beglücken. Aber der Gedanke gewährt mir Befriedigung, daß ich mit Freuden alles biete, was in meiner Macht steht, daß nur der Grad der Aufopferungsfähigkeit und der Pflichttreue einen Maßstab für das wirkliche Verdienst bilden kann und daß nur der gute Wille in Anrechnung zu bringen ist. ca?’? 12b nx prty zyzz- -nx: nzncrt intt Betrachtet mich, so predigt die Bachweide am X2^ s:ysrn, acfytet auf meine zungenähntiche Blätter, von denen beim Abschlagen Diejenigen abfallen, die keinen festen Halt mehr haben, Nur was sich die urwüchsige Lebenskraft bewahrt ^hat,"lwaS lim Zufanunentreffen mit Irdischem keine Schwächen an den Tag legt, das hat Bestand.