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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1431 und Rädelsführer sind entdeckt und harren nun ihrer Strafe. Die anrainenden Grundstücke sind trotzdem nicht zu erkaufen, denn die geforderten Preise sind unverhältnißmäßig hoch. Abgesehen von allen bisher angeführten Gründen sind auch viele Fehler geschehen, welche der Direktion zur Last fallen. So sind schon im Vorhergehenden die ersten fehlerhaften Kolonisationen erwähnt worden. Diesen folgten viele Direktoren, die einander ablösten und von welchen jeder experimentirte, neue Richtungen versuchte, von der Sache selbst aber zumeist wenig verstand. Während man organisirte, vergaß man die Kolonisten zu unterrichten, ihnen zu zeigen, wie sie den Pflug zu führen, die Erntemaschine einzustellen, die Triften zu bauen und zu dreschen haben. Cs fehlten fachkundige Administratoren, praktische Landwirthe, um diese Neulinge in der Landwirthschast zu unterweisen. Man brauchte in Argentinien — wo der Boden so fruchtbar ist — nicht viel zu verstehen, aber selbst dieses Minimum fehlte im Anfänge diesen an Handel gewöhnten Leuten. Allen diesen ungünstigen Verhältnissen gesellte sich die allgemeine landwirthschaftliche Krise der letzten Jahre hinzu, welche auch in Argentinien große Verheerungen anrichtete. Die Weizenpreise sanken in einer Weise, daß die Kolonisten kaum auf ihre Kosten kamen. Ueberdies aber kamen die schrecklichen Feinde, die Heuschrecken und richteten alles zugrunde. Es wurde Tag und Nacht gekämpft, Prämien wurden gezahlt — vergeblich! So ergab die Ernte im Jahre 189(j kaum so viel, daß der Bedarf in Anbausamen gedeckt wurde. Erst in diesem Jahre hatten die Kolonisten eine schwache Mittelernte, so daß der vorjährige Anbausamen zurückgezahlt werden kann. Läßt sich nun gegen die Elementarplagen auch schwer ankämpfen, so hat die Direktion doch Alles aufgeboten, um die Kolonien zu heben und den Erfolg der schwierigen Arbeit zu sichern. Man trachtet den Kolonisten zu ermöglichen, daß sie durch Obstkulturen, Gemüseanbau, Milch- und Käsewirthschaften, sowie durch Viehzucht ihren Lebensunterhalt erwerben, den Reinertrag der Weizen- und Leiickultur hingegen zur Tilgung der ziemlich hohen Schuldenlast verwenden. All dies nimmt viel Zeit in Anspruch und ist theilweise dem Programm der Gesellschaft nicht entsprechend, welche aus den russischen Juden pur excellence Landwirthe bilden und erziehen will. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Kontraktsbedingungen streng und ist unter Anderem auch die interessante Bedingung aufgestellt, daß die Kolonisten keine Knechte zur Aushilfe!aufnehmen dürfen. Auch die sonstigen Bedingungen sind zur Erziehung dieser Kolonisten gut geeignet. Auf diese Erziehung und Ausbildung der Jugend wird großes Gewicht gelegt. In 18 Schulen erhalten 600 Kinder Unterricht von 18 Lehrern. Es wird auch Hebräisch unterrichtet, außerdem werden sie in Gartenarbeiten unterwiesen. Die Kosten betragen jährlich 35 000 Mark. Besonderer Mangel besteht an solchen Lehrern, die auch die spanische Staatssprache wissen, was unbedingt nothwendig ist. Für landwirtyschaftlichen Unterricht ist bisher nicht gesorgt, was jedenfalls von großem Nachtheile ist. Die Schulen sind schön, groß und gut eingerichtet. Die Gemeinden haben ihre mehr-wenigen hübschen Bethäuser, welche fleißig besucht werden. Erfreulich ist, daß die Stirnlöckchen und die Kaftane nach und nach verschwinden und den landesüblichen Kleidungsstücken den Platz einräumen. Jetzt werden auch Lesezirkel gebildet und man plant öffentliche Vorträge. Die Frau des Administrators in Clara, med. Dr. Lapine, unterhält für die Mädchen eine Schneiderfchule und bestreitet selbst alle Kosten der Erhaltung. Für den ärztlichen Dienst ist gesorgt und existiren in Mauricio und Clara Krankenhäuser. Das letztere hat einen Fasiungsraum für zwanzig Kranke und eine gut eingerichtete Apotheke, sowie eine vollständige Sammlung von Operationswerkzeugen. Dem Chefarzt sind untergeordnet: ein Apotheker, vier Sanitäts-Offiziere und das Dienerpersonal. Die Kosten der Hospitäler betragen jährlich 35,000 Mark. Die Sanitätsverhältnisse sind zufriedenstellende und nur vor zwei Jahren war in Clara Typhus ausgebrochen, welche Krankheit zahlreiche Opfer forderte. Um den Kolonisten den Lebensunterhalt zu erleichtern, wurde in der Colonia Clara eine Dampfmühle errichtet, welche ausschließlich für den Consum arbeitet. Hier wird auch zu den Ostern das rituelle ungesäuerte Brot hergerichtet, und als ich die Kolonie besuchte, war die Mühle außer Betrieb, um die Vorbereitungen für das Ostermehl zu treffen und griindliche Reitügung vorzunehmen. Im Allgemeinen bemüht sich die Direktion, den Kolonien die möglichst weitgehende Autonomie zu verleihen, und bei den Kolonisten den Geist der Selbstständigkeit und des gemeinsamen Zusammenwirkens zu erwecken. In diesem Sinne wird auch in den Schulen vorgearbeitet und sicherlich wird sich aus dem Gemeindewesen nach und nach ein Gemeinwesen entwickeln. Um dem großen Mangel, an tüchtigen Administratoren abzuhelfen — eigentlich der größte Fehler — wurden aus der landwirthschaftlichen Schule in Jaffa sieben Jünglinge ausgewählt und behufs vollftätldiger Ausbildung nach dem Institut „Agronomique" in Paris gesendet. P Diese sollen sodann in den Kolonien verwendet und praktisch ausgebildet werden. Ob diese den Forderungen entsprechen, ist

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