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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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WWWWWWW XXXIX. Jahrgang. Erste Keil. M M 77 & 78 4«a Leitender Artikel. Die Kolonien des Aarons Hirsch. Von Friedrich B a l a s s a. (Schluß aus dem Hauptblatt.» Während im Jahre 1895 insgesammt 1355 Familien mit 7420 Personen angesiedelt waren, schmolz diese Zahl auf 910 Familien mit 6757 Seelen zusammen, unter welchen sich 1282 Männer, 1292 Frauen, 2298 Knaben und 1885 Mädchen befanden. Seit dem Jahre 1895 finden keine neuen Ansiedlungen statt, nachdem man erst die Resultate der letzten Kolonisationen abwarten will. Die Grundkomplexe der Gesellschaft sind in der Provinz Buenos Aures 25 000 Qdtav „ „ „ Santa-F6 . . 21 786 „ „ „ Entre-Rios . 154 883 ,, daher insgesammt 201 019 Hektar, wovon beiläufig die Hälfte kolonisirt und 30.(>oo Hektar bearbeitet sind. Bis Juli 1896 wurden für Gründe 250.ooo Pfund und für Kolonisation 615.0<»0 Pfund Sterling ausgegeben, welche Summen einst durch die Angesiedelten zurückgezahlt werden sollen. Betrachten wir nun die bisher erreichten Resultate und vergleichen diese mit den Kosten, so wird es sofort klar, daß der im Vorhergehenden berührte Plan einer massenhaften Auswanderung aus Rußland ganz unmöglich, ja vollständig ausgeschlossen erscheint. Es war dies ein Traum des Gründers, welcher auf ganz irrige Angaben baute und bald sah, daß sowohl die Kosten, als auch die zur Erhaltung einer Familie nothwcndige Grundfläche bedeutend größer seien, als dies von vornherein angenommen wurde. Im Anfänge hatte man für jede einzelne Familie eine kleine Grundfläche angenommen und die Kolonien hauptsächlich auf Weizen- und Leinkultur berechnet. Es zeigte sich jedoch, daß die extensive Kultur, welche in Argentinien allgemein ist, bedeutend größere Flächen erfordert, und obzwar heute die kleinste ParzRe 50 Hektar beträgt, ist es nicht die letzte Frage: wenn in Folge der ungünstigen wirthschaftlichen Verhältnisse in den Kolonien die Viehzucht eingesührt wird, wo werden die hiezu nothwendigen großen Flächen in der Nähe der Ansiedlungen getroffen werden? Es muß diesbezüglich hervorgehoben werden, daß unmittelbar vor den Ansiedlungen langwierige Studien und Debatteti darüber geführt wurden, ob das Farmsystem — einzelnstehende Häuser mit um- I liegendem Land - oder das Dorfsyftem einzuführen wäre. Zu Gunsten der Farm sprach die extensive Kultur des Landes und jedenfalls der nicht zufällige Umstand, daß in Argentinien allgemein Farmwirthschaften bestehen. Das Dorfsyftem hingegen wurde auf Bitten der Einwanderer angenommen, die nach russischer Art beisammen bleiben wollten, umsomehr, als die Furcht vor Raub und Ueberfall nicht ganz unbegründet erschien. Anfänglich wurden daher Dörfer verschiedener Größe angelegt, 12, 24 bis 50 Häuser in einer Reihe angeordnet, doch zeigte sich bald, daß man das Unrichtige getroffen hatte. Ueberfälle der wilden Tagediebe, die sich im Campo umhertreiben, blieben trotzdem nicht aus und obwohl man die Ansiedler mit Waffen versah, konnten oder wollten diese ihre Waffen nicht benützen. Wohl war es den Leuten angenehm, ein Gemeindewesen mit allerlei Ehrenstellen zu besitzen, aber die Felder sind zu weit entfernt, die Bearbeitung erfordert mehr Zeit und Mühe, ist in Folge dessen auch theurer. Nicht zu unterschätzen ist auch der moralische Gesichtspunkt, denn diese Gemeinden werden sich viel schwerer akktimatisiren, den deutsch-russisch-jüdischen Jargon nur sehr langsam ablegen und die vielen Fehler, welche in der mehrhunderljährigen Knechtschaft und Unterdrückung erworben wurden, nur mit großer Mühe abstreifen. Dieses Dorfsystem . tritt nun auch der Einführung der Viehzucht als Hinderniß entgegen, denn die gemeinsamen Weiden, welche zu jedem Dorfe gehören, sind viel zu klein, und von den Wohnstätten weit entfernte Weiden anzulegen, ist nicht gut möglich. Bevor die zwei letzten Transporte der Einwanderer ankamen, entschloß man sich die Farmen zu gründen und bildete diese in der Weise, daß in einer geraden Linie Gruppen von je zwei, beziehungsweise vier Häusern angelegt wurden, die rechts und links von der breiten, guten Fahrstraße liegen. Neben jedem einzelnen Hause liegt die Chaera, so daß der Landwirth seiner Besitzung fortwährend die größte Sorgfalt zuwenden kann und sowohl Wagen, als Pferde nicht in Anspruch nehmen muß. Für die ersten Kolonisten wurden die Häuser aus Lehmziegeln gebaut, ein Fehler, welcher sich bald rächte, indem die großen Stürme, Gewitter und Regengüsse den Bau von neuen Häusern nothwendig machten. Nichtsdestoweniger stehen neben den netten, rohen Ziegelhäusern die alten, verfallenen Lehmhütten, denn für die großen und sich stark vermehrenden Familien sind alle diese Wohnstätten viel zu klein. Die Farmer sind daher gezwungen, sich allerlei Zubauten zu machen, was dem Bilde der Kolonie nicht sehr

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