Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1898)
- Date
- 1898-09-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1425 und so wurden im Jahre 1894 und 1895 insgesammt 650 Familien nach Argentinen gebracht, von welchen beiläufig vierzig in Moisesville (Provinz Santa-Fä), die übrigen an verschiedenen Punkten der Provinz Entre-Rios untergebracht wuroen. Bemerkenswerth ist, daß diese neuen Gruppen von den früheren ganz abgesondert sind, damit die Entwicklung derselben besser beobachtet und durch die Unzufriedenheit der ersten Eingewanderten nicht beeinträchtigt werde. (Fortsetzung in der ersten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 25. Sept. Der Ausschuß des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebund" versendet die folgende Notiz an die Blätter: „Am kommenden 25. Oktober werden die kostenlosen Borlesungskurse für akademisch gebildete Lehrer der jüdischen Religion an den beiden Berliner Rabbinerbildungsanstalten eröffnet werden. Sie sind bekanntlich auf eine dreijährige Dauer berechnet, doch steht der Besuch der einzelnen Vorlesungen im Belieben der Herren Teilnehmer. Die Interessenten werden noch einmal dringend auf das nachstehende endgiltige Programm der Vorlesungen aufmerksam gemacht. An der Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judenthums werden lesen im Wintersemester 1898/99 : 1. Herr Dr. Baneth: Pentateuch und hebräische Grammatik (2 Stunden wöchentlich). 2. Herr Dr. Maybaum: Bibelkunde (2 Stunden wöchentlich). 3. Herr Dr. Schreiner: Geschichte der Juden (2 Stunden wöchentlich). Am Rabbinerseminar werden lesen im Wintersemester 1898/99 und Sommersemester 1899: 1. Herr Dr. Hoffmann: Geschichte des Zeitraums von den Makkabäern bis zum Abschluß des Talmuds, verbunden mit Lektüre der Quellenschriften (2 Stunden wöchentlich). 2. Herr Dr. Barth: Ausgewählte Psalmen (1 Stunde wöchentlich). Derselbe: Hebräische Grammatik. (1 Stunde wöchentlich). 3. Herr Dr, Wohlgemuth: Uebersichtliche Darstellung aller noch heute geltenden Gesetze und Zurückführung derselben auf ihre Quellen (2 Stunden wöchentlich). Diejenigen Herren Studirenden und Kandidaten des höheren Schulamts, sowie bereits im Amte stehenden akademisch gebildeten Lehrer, welche an einer der beiden Anstalten sich an den unentgeltlich ftattfindenden Vorlesungen betheiligen wollen, werden ersucht, sich zum Zwecke der Einschreibung entweder an Herrn Rabbiner Dr. Maybaum (für die Lehranstalt), hinter der kathol. Kirche 1 (Sprechst. 11—12) oder au Herrn Dr. I. Wohlgemuth (für das Rabbinerseminar), Rosenthalerstraße 4011t, zu wenden. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Altofen. Es war am vorvergangenen Samstag, als in der dortigen großen Synagoge der Gottesdienst vor der zahlreich versammelten Gemeinde gehalten wurde. Als man die Gesetzesrolle aus dem Tabernakel nahm, um den auf die Woche entfallenden Abschnitt derselben zu lesen, ließ der Vorbeter dieselbe zu Boden fallen und die Krone aus Goldblech, mit welcher die Rolle am obern Ende geschmückt ist, rollte in weitem Bogen auf den Boden hin. Die Bestürzung war eine sehr große, allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß wenn ein solcher Vorfall eintritt, das die Vorbedeutung eines großen Unglücks bildet. In diesem Sinne legte der Rabbiner das auch der auf das Aeußerste erschrockenen Gemeinde aus. Abends kam dann die entsetzliche Nachricht von der Ermordung der Königin, und die Altofener frommgläubigen Juden betrachten nun das Herabfallen der Thora als ein Omen, welches das gräßliche Unglück verkündete. Der Rabbiner aber hat aus diesem Anlasse ein strenges Fasten ausgeschrieben, welches durch zehn Wochen an jedem Montag und Donnerstag stattzufinden hat und das von den Frommen in der Gemeinde mit großer Rigorosität gehalten wird. Frankreich. * Paris, 27. September. (Der Tag des Gerichtes.) Kapitän Dreyfus ist zwar ein Jude, aber niemals hätte den Juden in Frankreich, geschweige dem: den Juden aller Länder und Staaten die Frage, ob er ein Verräther sei oder nicht, näher ans Herz gehen müssen. Für sie stand die Affaire ganz einfach: Ein Osficier, der sein Vaterland verräth, ist verächtlich, mag er Jude oder Christ sein; das Schicksal eines unschuldig Verurteilten verdient Mitleid und fordert Genugthuung, gleichgiltig welcher Konfession er immer angehöre. So stand die Sache für die Juden. Die Antisemiten aber, die über einen unerschöpflichen Fond von Ungerechtigkeit und Gehässigkeit verfügen, machten die Sache des französischen Kapitäns Dreyfus, der zufällig ein Jude war, zu einer Sache des gesammten Judenthums. Sie sagten: Der Jude Dreyfus ist ein Verräther, folglich sind alle Juden Vaterlandsverräther. Dreyfus ist ein Jude, folglich muß er ein Verräther sein. In diesem reizenden eiroulus vitiosus bewegten sich die Antisemiten ohne Unterschied der Nationalität; sie waren alle einig darin, aus dem Falle Dreyfus Kapital gegen alle Juden zu schlagen und alle begegneten sich mit dem heißen Bemühen, die