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Der Israelit · 1898-09-05 · Heft 70 (5.9.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 70 (5.9.1898)
Date
1898-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1292 öffentlich rechtlich gesicherten Heimställe für da>> jüdische Volk in Palästina und Slirien sollte eine Bank mit einem noch näher auszuführenden Statut begründet werden- Diese Bank sollte nicht, wie es den Anschein haben konnte, eine philantropische Gründung sein, vielmehr ein rein kommerzielles Unternehmen auf solider, streng geschäftlicher Grundlage. Den Bielen der Zionisten dient die Bank durch Konzentration und wirtschaftliche Vereinigung jüdischen Kapitals und jüdischer Arbeitskraft in einem bestimmten Land nrit dein Kolonisatiorröbereich als Mittelpunkt. Innerhalb gewisser durch den Zweck gezogenen Grenzen, ist diese in ihrer Thätigkeit und Verwaltung völlig frei und ungehindert. Obwohl sie einem Ideale dient, ist sie in ihrer Verwaltung lediglich durch Geschäftsrücksichten bestimmt. Es soll ein Unternehmen nach Art der deutschen Kolonialgeiellschasten sein, welche thätig sind, in den überseeischen Län» dern Eonzessionen, Privilegien, Besitztitel und Hoheitsrechte zu erwerben, Plantagen anzulegen und Eisenbahnen zu bauen Daß die Thätigkeit der Bank innerhalb des gezogenen Kreises rentabel sein wird, folgt nicht nur aus den englischen , französischen und italienischen Unternehmen, die innerhalb der ihnen gesetzten Thätigkeit mit Erfolg gearbeitet haben, wobei wir nur auf die Eisenbahn in Anatolien Hinweisen, sondern auch aus dem natürlichen Reichthum des Landes, in dem sie zu wirken bestimmt ist. Ich komme zum ^zweiten Theile, den ich so kurz als möglich in ein paar Sätzen zusammenfassen möchte Die Bankkonferenz, welche hier getagt hat, und an welcher 40 Mitglieder theilgenommen haben, besteht zum weitaus größten Theile aus Vankicro und Geschäftmännern, zum kleinsten Theile aus Juristen und Gelehrten. Diese Konferenz hat nach vielstündiger Beratung lind Besprechung, nachdem dieselbe eine Spczialkommission zur Prüfung von Detailsragen ernannt hat und nachdem sich in dieser Spezialkommission wieder eine Subkommission, bestehend aus zwei Finanzmännern, einem englischen und deutschen Juristen gebildet hatte. Diese Konferenz hat ihre Beschlüsse gefaßt, die sie dem Kongreß zur Sanktionirung unterbreiten. Ich werde diese Sätze perlesen. Ich möchte aber zur Erklärung darauf aufmerksam machen, daß sie nach unserer fast einstimmigen Meinung, das nothwendige Instrument sind, um die jüdische Nationalbank zu gründen. Es muß der Kommission, welche zu diesem Zwecke gewählt wird, der weitestete Spielraum, die größte Vollmacht gegeben wcrinn, wenn sie in der Lage sein soll, ein Konsortium von Finanzmännern zu schaffen, welches die Gründung der Bank übernimmt. In den folgenden Leitsätzen ist das Exzerpt eines ausführlichen Statutenentwurfs enthalten, der von mir auf Wunsch des Aktionskomitees ausgcarbcitet wurde. Meine verehrte Versammlung! Ick übe die Entsagung, meinen Statutcn-Entwurf nicht zur Grundlage der Besprechungen des Kongresses zu machen, weil ich überzeugt bin, daß in einer so großen Versammlung die ferneren geschäftsinännischcn, finanziellen Erwägungen, welche bei der Schaffung eines so wichtigen Unternehmens von großer Tragweite erforderlich sind, ihren richtigen Ausdruck nicht finden können- (Sehr richtig!) Ich möchte Sie alle dringend bitten, sofern Sie von Vereinen, oder Ihren Wählern, oder aus der Mitte dieser Versammlung den Auftrag haben, besondere Wünsche vorziitragcn, diese Wünsche womöglich zurückhalten, sofern Sie cs aber für dringend notwendig halten, diese znm Ausdruck zu bringen, dies mit der Maßgabe zu thun, daß diese Wünsche von dem Bankkomitce bei den Verhandlungen über die (Gründung der Bank berücksichtigt werden sollen. Wenn ich Ihnen hier diesen Wunsch im Aufträge der Konferenz vortrage, so glaube ich damit im Interesse der Sache zu handeln. Ich bitte Sic diese Resolutionen anzunehmen und ich gebe dem Wunsche Ausdruck, daß damit die erste Ziousthat geschaffen werden wird, und daß sie unserer Bewegung zunr segensreichen Fortschritt dienen möge! (Großer Beifall.) (Während dieser Rede w'rd der gedruckte Entwurf eines Prospeetes der jüdischen Colonialban! verthcilt, aus welchem Redner öfters größere Stücke verliest ) (Schluß in Donnerstags»um incr.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ER. Berlin, 2. September. Am nächsten Sabbatlage, dem letzten im abgelausenen Jahre, begeht die israelitische Synagogen-Gemeinde Adaß Jisroel die Gedenkfeier für das 25-jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Leider wird hierbei der Mann vermißt, der, wie so oft, so auch hier einst die Initiative ergriff, um für die Gemeinde ein würdiges Gotteshaus herzustellen. Herr Gustav Hirsch war dieser Mann, und weilt er auch nicht mehr unter uns, da er vor einigen Monaten in die ewige Heimath abgcgangcn ist, so soll bei dieser Gelegenheit seiner großen Verdienste um die Gemeinde und ihrer Institutionen mit dem Gebete, daß Gott es ihm am Throne des Erbarmens gedenke, erwähnt werden. Aber auch eines gottlob noch lebenden Mannes sei nicht minder mit Dank und Lob gedacht, der mit seiner unermüdlichen Thätigkeit für die heilichsten Interessen der Gemeinde ebenfalls mit diesem Sabbat auf ein Jubiläum zurückblicken kann: Herr Dr. A. Berliner, Docent am Rabbiner-Seminar, ist vor 25 Jahren in die Verwaltung der Synagoge und der Gemeinde eingetreten. Wer das Wirken dieses Mannes kennen gelernt hat, wer, wie Schreiber dieses, oft Gelegenheit hat, einen Blick in die tägliche Geistcswerkstatt dieses Gelehrten zu werfen, nur der kann von der Bedeutung dieser vielfach und weitverzweigten Thätigkeit eine richtige Vorstellung gewinnen. Was nun dieser Mann speziell auf dem Gebiete des synagogalen Wesens geleistet hat, wissen Näherstehende seines Werthes zu würdigen. Man braucht ihn nur an den hohen Festtagen zu sehen, wie er cs versteht, seines heiligen Amtes als Synagogen-Vorsteher mit Ernst und Würde, mit Geschick und Takt zu walten. Darum wird ihm auch von allen Seiten Hochachtung und Verehrung gezollt, wenn auch nur der kleinste Theil der Besucher es wissen mag, daß gerade Herr Dr. Berliner unter den ersten und hervorragendsten Gelehrten genannt wird, welche die Geschichte und die Literatur des synagogalen Ritus kennen und ausbauen. Ein Synagogen-Vorsteher dieser Art dürfte wohl selten zu finden sein!

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