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Der Israelit · 1898-09-05 · Heft 70 (5.9.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 70 (5.9.1898)
Date
1898-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1291 Zähren 1670—75 ein neues Gotteshaus errichtet, dessen imposante Größe, verbunden mit edel einfacher Bauart und reicher Ornamentik, damals von jüdischen und christlichen Zeitgenossen besungen wurde und das noch heute von fast jedem Besucher Amsterdams in Augenschein genommen wird. In derselben Synagoge wird seitdem nach altherkömmlichem Gebrauch täglich ein dreimaliger Gottesdienst abgehalten, der in seinen Melodien an die merkwürdige Entstehung der Sunagoge und Gemeinde erinnert. Später kamen auch deutsche Juden nach Holland, die sich ebenso der Gleichberechtigung wie ihre portugiesischen Brüder erfreuten. Amsterdam mag heute wohl die viertgrößte Gemeinde Europas sein. Mit tiefer Wehmuth sahen die Holländer das Geschlecht ihrer General-Statthalter und Könige aus dem Hause Oranien in Wilhelm III. zu Grabe gehen. Seine Söhne starben vor ihm, und das große Fürstenhaus sollte mit dem alternden Könige verlöschen. Da entschloß sich Wilhelm III. im Alter von 62 Jahren zu einer zweiten Ehe mit der Prinzessin Emma von Waldcck, welcher am 31. August 18d0 eine Prinzessin, die gegenwärtige Königin Wtlhelmine, entsproß. Nun ist der Tag ihrer Thronbesteigung gekommen, und am 31. August, wo sie das 18. Jahr vollendet und volljährig wurde, wurde das Ereigniß mit einer Reihe von Festlichkeiten eingeleitet. Festgottesdienste in allen Kirchen und Synagogen, die charakteristisch genug, in Holland auch Kirchen heißen, machen ven Beginn, dann folgen die Feste, mit deren Vorbereitung in den Niederlanden man seit Wochen beschäftigt ist. In unzähligen Vervielfältigungen erscheint das Bild der jugendlichen Königin. Die Holländer rühmen die Anmuth ihrer Erscheinung, preisen die Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit ihrer Königin, der sie alle Vorzüge des Geistes, und des Leibes zuschreiben. In den beiden Hauptstädten Amsterdam und Haag werden sich die großen Ceremonialfeste, der osficiellen Welt im Beisein der fürstlichen und diplomatischen Gäste, der Staatsbehörden und Körperschaften abspielen. Amsterdam wird der Schauplatz der Krönungsfeier in der Neuen Kirche und eines historischen Festzuges sein; im Haag wird die Königin feierlichen Einzug halten und etliche interessante Ausstellungen eröffnen. Die Krönungsseier wird sich innerhalb der Neuen Kirche in Amsterdam vollziehen; die Feierlichkeiten werden einige Tage dauern. Von einer wirklichen Königskrönung kann nach der niederländischen Verfassung nicht die Rede sein; geistliche oder weltliche Functionen dieser Art sind ausgeschlossen. Aus der Thatsache, daß die officielle Einführung der Königin in die Regierung in einer Kirche stattfindet, darf man keine Schlüsse ziehen; die neue Kirche, in Wirklichkeit sehr alt, wird keinen religiösen Act sehen, sie ist gewählt, weil sie den größten Raum bietet; die Gleichberechtigung der Confessionen verbietet einen Act durch den vrotestantischen Geistlichen. Neben den protestantischen Pastoren erscheinen auch die katholischen Bischöfe und die Rabbiner aller großen holländischen Gemeinden in der Kirche, die bei dieser Gelegenheit, ebenso wie ihre nichtjüdischen Kollegen, reichlich mit Orden bedacht wurden. Aber auch die indischen Fürsten von Holländisch-Jndien, die Sultane von Solo und Siak (Sumatra) und andere botmäßige Vasallen, sowie Mohammedaner werden nicht fehlen und den Glanz der Krönungsfeierlichkeiten erhöhen. Bald wird man auch Hochzeit feiern. Der dem oranischen Hause nahverwandte Prinz von Sachsen- Weimar, dessen Mutter die kürzlich verstorbene Großherzogin Sophie, die Schöpferin des Goethe-Archivs, eine niederländische Prinzessin gewesen, soll der erkorene König-Gemahl sein. Was jedoch dem Feste seinen eigentlichen Glanz und seinen inneren Werth verleiht, das ist der innere Friede, die allgemeine gleiche Antheilnahme des Volkes in allen Grafschaften des Königsreiches, der aufrichtige Patriotismus, das lebendige Staatsbewußtsein, die Treue, mit welcher das ganze Volk an seinen historischen Staatstraditionen hängt, an der Staatseinheit, welche Oranien geschaffen. Die junge Königin genießt heute schon eine Popularität, wie sie wenige Fürsten bei ihrer Thronbesteigung besaßen. Die Volksthümlichkeit der Königin wird sich zur Vergötterung steigern, wenn sie wirklich, wie es ihr Ziel sein soll, den großen Schweigsamen zum Vorbiloe wählt. In einer Zeit, wo des judenfeindlichen Spanien Stern sinkt, mag der Stern der judenfreundlichen Niederlande emporsteigen; die Juden des ganzen Erdballs vereinigen sich mit dem Volke der Holländer in dem Wunsche: Oranje bove Zweiter Zionisten-Songreß. Stenogr. Original-Bericht f. d. „Israelit". B. u. F. Basel, 4. Sept. Rede des Herrn Dr. Bodenheinrer. Hochverehrte Versammlung! Meine Damen und Herren! Im Aufträge der Bankkonferenz will ich Ihnen in kurzen, leitenden Sätzen die Ideen vortragen, tvelche nns bei der Gründling der Bank geleitet haben. Ich werde nicht viel Worte machen. Denn es handell sich um eine streng geschäftliche Angelegenheit, deren Hauptpunkt Ihnen von Herrn Dr. Wolfsohn in genügender Weise beleuchtet tvorden ist. Die leitenden Ideen sind in dem Schriftchen, welches Ihnen gleich vertheilt werden wird, als Profpert bezeichnet Ich bitte aber, diese kleine Schrift nicht als Geschüftsprosvekt zu betrachten, sondern als eine kleine Denkschrift zur Aufklärung der breiten Masten, zur Aufklärung über Dasjenige, was ivir bei der Gründung intentiren. Als eins der Mittel zur Schaffung einer

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