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Der Israelit · 1898-09-01 · Heft 69 (1.9.1898) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 69 (1.9.1898)
Date
1898-09-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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auch weiterhin für den Talmud-Thora-Verein" spenden zu dürfen. Der Vorstand hatte ein diesbezügliches Verbot ergehen lasten, man sollte es nun nicht für möglich halten, daß solch zum Himmel schreiendes Gebühren — auch von der Synagogenkommission gutgeheißen wird, und doch war dem so, der Präsident der Cultusgemeinde verwarf den Antrag, und wurde von der Majorität der Commission unterstützt, auch Herr Dr. Littmann — er möge es mit seinem Gewissen ausmachen, sagte: Ja und Amen. Wir gestehen es, wir möchten nicht die Verantwortung tragen, pon welcher der vor seinem Gewissen, und vor Gottesthron, Rechenschaft abzulegen hat, dem die Pflege von Thora, Emunah und Gemiluß Chesed anvertraut worden, und dann einem „Talmud-Thora- Verein", der die heiligsten Ziele erstreben will, die Unterstützung verweigert, und aus-wollen das harte Wort nicht gebrauchen — verwahrlosen und verkümmern läßt. Wir glauben jede weitere Illustration ist überflüssig. Diese Thatsache allein erzählt gar viel. Am ^5. April erhielt der Beamte der Religions-Gesellschaft vom Gemcindevorstand folgende Mittheilung: „Trotz der Ihnen unterm 18. März l. I. zugegangenen, eingeschriebenen Zuschrift des Herrn Vicepräsidenten Dr. Guggenheim fahren Sie fort, in unserem Betsaale gottesdienstliche Handlungen vorzunehmen. Wir verbieten Ihnen andurch dieses wiederholt und des bestimmlesten. Sollten Sie diesem Verbote auch in Zukunft zuwiderhandcln, s o werden wir Ihnen den Eintritt in den Betsaal und den Aufenthalt in demselben verbieten und falls Sie auch diesem Verbote zuwiderhandeln, die geeigneten Mittel und Wege finden, um unserem Verbote die gebührende Nachachtung zu verschaffen." Es möge hier constatirl werden, daß der Religionslehrer der Religions-Gesellschaft von Seiten der drei Mitglieder der Synagogenkommission, trotz des Verbotes des Gemeinde- Vorstandes, schriftlich aufgefordert wurde, weiter als Bal Koreh zu fungiren und deßhalb dies Amt auch weiter besorgte. Der Vorstand beging nun einen weiteren Gewaltakt. Samstag, den 30. April, beim Nachmittagsgottesdienst, hatten die Besucher des Betsaales den seltenen Anblick, daß der Präsident und Vicepräsident anwesend waren, zu welchem Zwecke sollte man bald genug erfahren. Bevor noch der Gottesdienst beendet, als man gerade mit dem Olenugebet begonnen hatte, ging der Vorstand zum Religionslehrer der Religions-Gesellschaft und machte ihm die Mittheilung: „Sie haben die Synagoge zu verlassen — das fernere Betreten des Betsaales wird Ihnen hiermit untersagt", worauf dann der Beamte der Religions-Gesellschaft in geziemender Weise antwortete: „Den Vorstand der Kultusgemeinde kenne er nicht —(Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Breslau. Der köstliche Leitartikel in Nr. 64 Ihres geschätzten Blattes, in welchem Sie so gründlich Abrechnung Hallen mit dem „Jüdischen Volksblatt", hat hier in den Kreisen der gesammten gebildeten jüdischen Welt ungetheilte Zustimmung und wärmste Anerkennung gefunden. Es giebt ja hier ohnehin kaum noch vernünftige Leute, die das allwöchentliche Elaborat oder — sagen wir lieber richtiger — Conglomerat des Herrn Dr. Louis Neustadt ernst nehmen, ja, es iss sogar bei einem nicht geringen Theil der hiesigen jüdischen akademischen Jugend gewissermaßen Modesache geworden, das „Jüdische Volksblatt" als ein sehr willkommenes Witzblatt anzusehen, dessen Stilblüthen man in Bekantenkreisen mit großem Behagen verbreitet, so etwa wie man die neuesten Witze aus den „Fliegenden Blättern" kolportiert (Die Redaktion des Münchener Blattes sei feierlichst um Entschuldigung gebeten für den Vergleich!) Und doch ist das Jüdische Volksblatt durchaus nicht nur von humoristischen Gesichtspunkten aus zu betrachten; sein berufsmäßiges Krakchlen über alle Maßnahmen und Einrichtungen der hiesigen Gemeindeverwaltung, die systematisch betriebene Verhetzung des einen Theils der Gcmeindemitgliedcr gegen den andern, die taktlose, sensationslüsterne Art, mit der es selbst intimste Vorgänge, die auf das Allgemeininteresse absolut keinen Anspruch machen können, an die Oeffentlichkcit zerrt — all dieses erscheint gar manchem einsichtigen und urtheilsfähigcn Manne doch bisweilen höchst bedenklich und ernsthaft, und zwar hauptsächlich deshalb, weil alle . . . Thaten des Herrn Dr. Louis Neustadt unter der Firma seines Orthodoxismus in die Welt zu treten pflegen. Gerade das, was die deutsche Orthodoxie und mit ihr ihr führendes Organ groß gemacht hat, die weise Mäßigung in geringfügigen Dingen und das kraftvolle Auftreten bei ausschlaggebenden Anlässen, dies gerade läßt der Herr Doktor so sehr vermissen. Mochte dagegen der Herr thun, was er nur immer wollte, die Flagge „Orthodoxie" deckte Alles, ja, unter dieser Flagge konnte er ungestraft manch Freibeuterstückchen wagen, das sonst wohl kaum ungefahndct geblieben wäre. Und nun muß dem Herrn Chefredakeur das Malheur passieren, daß ein Vertreter wahrer Orthodoxie, ein sturmerprobter wohllegitimierter Kämpe für rechtes Judenthum auf den Plan tritt und ihm nicht nur ein geradezu klassisches ^Kolleg über die Gepflogenheiten anständiger Journalistik liest, sondern auch den Deckmantel etwas lüftet, der, so fadenscheinig

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