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Der Israelit · 1898-09-01 · Heft 69 (1.9.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 69 (1.9.1898)
Date
1898-09-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1277 Merkwürdig nannte ich diese Subskription. Merkwürdig und einzig in ihrer Art. Denn das dürfte nach nicht vorgekommen sein, daß eine Bank obnc Prospekte, ohne Statuten, ohne Weiteres 4 Millionen Zeichnungen bekommen hat. Merkwürdig ist diese Subskription auch dadurch, daß sie eine Volkssub;kription ist, deren Einheiten aber in allen Weltheilcn aufgebracht wu den. Aus allen Welltheilen, überall, ivo Juden rvohncn, sind Zeichnungen ausgenommen worden. Weit über tausend Zuschriften hat das Komitee erhalten, die alle durchweg pon eurer Begeisterung getragen sind, wie sie wohl ein geschäftliches Unternehmen niemals erlebt haben dürste. (Beifall) Aus allen Ländern der Welt wurde dem Projekt begeisterte Zustimmung zu thcil. Hunderte Briefe von Vereinen und Körperschaften, denen inan ja glauben kann, besagen, daß weitere Zeichnungen zu erwarten sind, sobald eine regelrechte Subskription eingcleitct wird- Biele von Ihnen, die sich mit der «Lubskription beschäftigen, werden es bezeugen können, daß die Subskription, die erst inr Juli in Fluß gekommen ist, rroch lange nicht beendet ist. Täglich laufen Unterschriften rin und während der (5ongreß hier tagt, sind 10 000 Zeichnungen mit insgesanriirt Million Franken cingelaufeir. Der beste Beweis für das Gelingen eines Unternehmen dürste wohl seine Popularität fein Die große Popularität, die unser Prost kt gefunden, ist kaum denkbar im Verhältniß zur Bcvölkernngszahl der Juden in beit verschiedenen Ländern. Es haben bis jetzt drei und zwanzig Tausend Personen gezeichnet (Beifall), von dem genannten Betrage ftnb 95 °/0 in einzelnen Shares gezeichnet worden. ((Großer Beifall) Diese Betheiligung der kleinen Leute bedeutet zugleich die beste Garantie für die Sicherheit der Bank. Aber wir nehinen die höchste Verantwortung auf uns und wir müssen mit der größten Vorsicht und Umsicht zu Werke gehen. Es ist für unsrre Bcivegnng bezeichnend, daß wir mit Sturmes, schritt Vorgehen und das ist gut. Bei diesem Punkte haben wir aber die Meinung, daß wir uns die größte Reserve auslegen. Es ist unbedingt nothwendig, daß zuerst ein Komitee geschaffen wird, welches die nöthigcn Schritte einleitet, um die Gründung der Bank definitiv machen zu können. Die Bankkonferenz, die hier seit dein 25. August tagt und eben erst ihre Arbeiten becnd'gt hat, schlägt Ihnen dieses vor und es wird Ihnen Herr Bodenheimer über ihre Beschlüsse berichten. Zwecklos wäie es schon hie-, über die Einrichtungen der Bank zu dlsvnttten, oder Beschlüsse zu st ssen. Sie soll ein Hauptfaktor des Zionismus werden, nicht ein Geldinstitut im gewöhnlichen Sinne, sondern vielmehr das Gesammtinteresse des jüdischen Volkes ivohrnehnren Was Sie hier beschließen können, ist die definitive Gründung, alles übrige müssen Lie dein Komitee überlassen. Was ist nun gegen unsere Bank eingewendet worden ' t. Daß sich der Antisemitismus dcr Sache bemächtigen und von uns sogen werde, daß wir eine internationale Geldmacht gründen woll n 2. Daß ärmliche koiste schnelle Unternehmungen zn Grunde gegangen sind. Beide Einwändc find leicht zu wiederlegen. Wenn cs eine gefährliche internationale Gtldinackit gibt so kann und wird es nie die unsere sein, denn wir wollen das Gegenth il, nämlich eine rastonale bilten. (Bravo!) DaS hat sckon die Form unserer Subseriptionen bewiesen, die sich zueist an unsere Parkest Piesse und an unic e Gesinnungsgenossen wandte. Es ist auch hier anderes im Werk, als was bisl er war und rvas dent Judenthum nicht immer zum Ruhme gereichte. Vinn denken wir nicht ein Raubzug gegen die Volk r zu führen, sondern einzig an eine Gründting zum Wohle unseres Volkes lBeifall), Ztim Gebrauch unseres Volkes und darum schreiben wir öffentlich den jüdischen Flamen aus unsere Firma (Beifall), wohlbewußt der Verantwortung, die wir gegen alle unsere Volksgenossen übernehmen. Von dieser Bank wird nicht der Pesthauch gewisser Unternehmungen ausgehen, die man dem Judenthum auf's Kerbholz zu schreiben pflegt und an denen es in seiner Gesammtheit sicher unschuldig war. Auch der zweite Einwand ist nicht stichhaltig. Die Beispiele, die angeführt werden, sind auf un'ern Fall nicht anwendbar, tveil dort die Nothwcndigkeit und die günstigen Beki gin ge i gefehlt haben. Wir können anderes anführen, das auf uns eher paßt: Nämlich England, das überall, wo es festen Fuß fassen wollte, zuerst mit Bankgründungen anfing und diese haben die Kolonisation gesichelt, mehr als die schwersten Kanonen und die größte Flotte es vermocht hätte, i Beifall.) Aber auch ohne günstige Beispiele können wir ruhig die Bank begründen. Denn beispiellos ist unsere ganze Bewegung, beispiellos ist» daß hier ein jüdischer Kongreß tagt, bestpiellos waren die Erfolge dr VolkSsubscription, und best spielloö werden die Erfolge der jüdischen Nationalbank fein. (Großer Beitall.) Nunmehr folgt die Rede deS Herrn Dr. Bodenheimer über den Entwurf eines Prospertes der Jüdischen Eoloniast bank. Die Sitzung dauert bis Mittwoch früh '/2 4 Uhr. (Fortsetzung in näcyster Montagsnummer) Zeitungsirachrichiert und Correspond euren. Deutschland. Breslau. Aus der hiesigen jüdischen Gemeinde ist zur Zeit nicht viel zu melden, was das Herz eines gesetzestreuen Juden erfreuen könnte. Zwar ist der religiöse JndifferentiSmuS entschieden im Rückgänge begriffen — die regere Inanspruchnahme des Religionsunterrichtes, die sogar die in Kürze erfolgende Eröffnung einer neuen, dritten Gemeindeunterrichtsanstalt nöthig macht, die größere Berheiligung am jüdischen Vereinsleben sind erfreuliche Zeichen dafür aber leider, muß man sagen, ist dieser religiöse Aufschwung nicht dem orthodoxen Judenthuni zu gute gekommen, vielmehr ist ein starker Zug nach links in unserer Gemeinde ganz unverkennbar. Besonders deutlich tritt diese Erscheinung zu Tage, anläßlich der Vorbereitungen zu den d'xiu mtr. Während bisher die an der Gemeindeverwaltung eingerichteten Zweiggottesdienste so gehalten wurden, daß im Allgemeinen auch wohl ein orthodoxer Jude dort Andacht und Erhebung finden konnte, hat man sich dieses Mal veranlaßt gesehen, den im großen Saale des ConcerthauseS veranstalteten Gemeindegottesdienst mit Orgelbegleiturrg und Chorgesang stattfinden zu lassen. Welche Erwägungen diese höchst überraschende Maßnahmen bei dem hiesigen Gemeindevorstand gezeitigt haben mögen, ist schwer einzusehen. Wie schmerzlich es jedes jüdische fromme Gemüth berühren muß, daß denen, die vielleicht überhaupt nur an diesen Tagen einen jüdischen Gottesdienst besuchen, derselbe in so unjüdischer Art geboten wird, davon brauchen wir hier wohl nicht erst sprechen, aber selbst von rein geschäftlichen Gesichtspunkten aus betrachtet, erscheint die Neueinrichtung als mindestens überflüssig; denn die Zweig-

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