Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 69 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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n8G&R&&%&Wc!r*9?air,l<': yS’V- 1272 vergessen aber, daß sich an die Ethik des arischen Volke? nicht der gleiche Maßstab anlegen läßt, wie an die besten arischen Männer und wie an sie selbst. Diese Männer vergessen offenbar, daß im Volke noch gar zu viel Bestie steckt, die durch die Verhetzungen der Presse in gereiztem Zustande erhalten wird. daß. wie Pinskcr bemerkt, die Judopbobie bereits zur Psychose geworden und als solche vererblich und unheilbar ist. Allerdinas jzab es von Zeit zu Zeit lichte Momente, welche sie und edeldenkende Arier in Sicherheit einhüllten, die aber immer wieder schrecklich unterbrochen wird Denn wo Juden und Arier Zusammenleben, da tritt die Messaillance gar oft zu Tage. Durch Staatsraison sind die Arier gezwungen worden, mit ihnen unter einem Dache zu leben, die Ehe nach außen anständig zu führen. Aber drinnen bleiben sie dennoch von Tisch und Bett geschieden, der stärkere Theil machte von feinem Hausherrnrechtc rück sichtslos Gebrauch und wehe dem schwächeren, wenn er Anspruch auf Gerechtigkeit erhebt oder gar manchen fetten Bissen dem Hausherrn vor der Nase wegzuschnappen wagt, da giebt es häusliche Szenen widerlichster Art. Einerseits mit der Muttermilch eingesogenes religiöse Vortheil, Unduldsamkeit der Vertreter der Kirche, Dumpfheit und Stumpfheit der Masse, die physische Kraft und das Bewußsein der -physischen Ueberlcgenheit und des bei sich zu Hause Seins, andererseits die physische Ohnmacht, der harte Kampf ums Dasein, die wilde Jagd nach dem Geld, das Macht und Einfluß verschaffen soll, die Protzigkeit der Glücksritter und Parvenüs, die zu Ansehen gelangt sind, die Chuzpa in ihrer widerwärtigsten Gestalt, der Wettbewerb sind Kontraste zu einander, die die Assimilation zur Chimäre machen. Die besser situirten Juden, die Reichen, die Gelehrten, welche sich hinter ihrer Wissenschaft ängstlich ver: kriechen, entfalten denr gegenüber einen Jndifferentismus, der bewunderungswürdig wäre, wäre er den verkommenden Massen gegenüber nicht unverzeihlich. Die Hoffnung, daß mit der sozialen Frage auch die jüdische gelöst werde, hat ebensoviel Aussicht auf Erfolg, als die Erscheinung des Messias, den wir seit 2000 Jahren erwarten. (!!!) Die christliche Ethik, die im Stande wäre, radikale Abhilfe zu schaffen (???), sinkt unserer dahineilenden Kultur nach wie eine Schnecke einem Schnellläufer. Mit der bisherigen Darstellung habe ich den Beweis zu liefern gesucht, daß die Art und Weise, wie bisher versucht wurde die Judenfrage zu lösen, eine verfehlte war: es war eine Kurpfuscherei und Quacksalberei. Da scheint mir der zionistische Voischlag doch noch auf rationellerer Glvndlage zu basieren; cs ist der letzte und einzige Weg: 1) Die Juden als Nation zu retten. 2) Einen möglich st großen Theil vor dem Untergang zu retten. Für den Zionismus ist der Kosmopolitismus ein schöner Traum, dazu anarthau, Jndifferentismus unter den Juden zu züchten, nicht aber eine Lockspeise für Männer, welche sich konkrete Ziele stecken, welche HUsen wollen und helfen müssen, dank des kategorischen Imperativ, der sie dazu treibt. (Beifall.) Thatsächtich stehen wir vor einem Nctionalitäten-Kampf, der an Heftigkeit und Rücksichtslosigkeit seines gleichen sucht. Es ist möglich, daß dieser Nationalitätenstrcit ein nothwendiges Stadium, das nach einer gewissen Zeit zum Kosmopolitismus führen dürste; um so eher müssen wir uns darnach richten. (Fortsetzung folgt in der ersten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. B. Berlin, Bl. August. Eine neue Religionsschule eröffnet die Berliner jüdische Reformgemeinde mit Beginn des neuen Schuljahres, am 12. Oktober, in den Räunten des Falk-Realgymnasiums. Die beiden bisher bestehenden Religionsschulen der Gemeinde in der Johannisstraße und in der Louifenstädtischen Ober-Realschule in der Dresdenerstraße, welche viel unter der Ueberfüllung zu leiden hatten, beginnen gleichzeitig ihren Unterricht, an dem übrigens auch Kinder von Nichtmitgliedern der Gemeinde theilnehmen können. Die neue, dritte ReligionSschule theilt sich in zwei Klaffen, einen Kursus für Anfänger und einen für Vorgeschrittene. Äschaffenburg, 31. August. Der auch den Lesern Ihrer Zeitschrift durch seine trefflichen Artikel vortheilhaft bekannte Herr Dr. Gustav Wachenheimer ist heute zum Rabbiner des hiesigen Diftricts gewählt worden. Herr Dr. Wachenheimer, ein Kind unseres engeren Vaterlandes, erhielt seine Ausbildung am isr. Institut zu Pfungstadt (Herr Dr. Barnaß), sowie an der Talmudschule des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz zu Frankfurt a. M. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Stuhlweitzenvurg, 25. August. Der sehr begabte Bernart Schück' Sohn des ehrw. Herrn Bez.-Rabb. Sa l. Schück '-s aus Karczcag und angehender Eidam des ehrw. Herrn Bez.-Rabb. A b r. Singer n aus Var-Palota wurde gestern voll Enthusiasmus mit Acclamation zum Rabbiner der hiesigen aut. orthodoxen Gemeinde gewählt. Sein wahrhaft religiöser Sinn, sowie sein gediegener Charakter bürgen dafür, daß er in ftrengorth. Geiste wirken, und daß unsere Gemeinde unter seiner Leitung prosperiren wird Abai. Frankreich. R. Paris, 31. August. Wie zuverlässig verlautet, dürfte der heutige Ministerrath angesichts der Thatsache der Fälschung Henry's, eine Revision des Dreyfus-Prozeffes beschließen. Cavaignac selbst hält es zufolge der „Liberte" für unvermeidlich, daß die Regierung sofort selbst die Initiative dazu ergreife. Sprechsaal. (Kür diesen Theil übernimmt die Redaltion dem Leserlreis gegenüber nur die prrßgeseyliche Verantwortung.) Mit Bezugnahme auf die verschiedenen Angaben im Sprechsaal über Perlhuhn und Rebhuhn glaube ich feststellen zu können, daß beide die vier mnD ’JD’D besitzen — Rebhuhn wurde in unserer Gegend immer gegessen. miDDn 'v - I. Grrggerrheim, Rabbiner, Saarunion.