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Der Israelit · 1898-09-01 · Heft 69 (1.9.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 69 (1.9.1898)
Date
1898-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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'"SS?? -^,,r .... -x--^-■ 7^--—-■• -•'7~>w%rsr.r.Y~- "V *' 1270 habe, für manches, was in zionistischen Blättern gestanden, die Verantwortung nicht habe übernehmen zu können. Dr Herzl. Das Agitations-Komitee hat nicht die Verantwortung Ztl übernehmen für Nachrichten in Blättern, die dem Zionismus etwa feindlich gesinnt feien. ES sei viel Nachsicht geübt worden, wenn man auf Polemik verschiedener Blätter kingegangen ist. Das Komitee bade ein Drgan für sich, das die öffentlichen Gelder nicht belastet. Die Blätter, die dem Komitee Opposition machen, den Zionisten zu empfehlen, wäre eine Milde und Duldsamkeit, zu der wir uns noch nicht haben ausrasfen können. Herausgabe eines Jargonblattes fei für die nächste Zeit geplant. Betreffs der Bemerkung Landaus über statistifche Eomm ssion bemerkt Herzl: Aus die Aufforderung, sich au den Arbeiten zu betheiligen, habe Dr Landau sich zurückgezogen- ES gehört zu den heitersten Interpellationen, sich über daS 'Nichtzustandekommen einer Sachzu ereifern, die zu vereiteln man sich die größte Mühe gegeben habe- In Erwiderung auf Bambus bemerkt Herzl: Um innere Angelegenheiten der Länder können wir uns nicht kümmern. Auf die Anregung Bambus, Vertrauensmänner zu wählen zu weiteren Mittheilungen, habe er bereits befriedigende Antwort gegeben. Bambus. Annähernde Vorabschätzung solle bekannt gegeben werden. Dr. Herzl. Das sei bei den kolossalen Fortschritten der Bewegung nicht leicht. Er tosst, daß man in einigen Jahren in der Lage sein werde, Voranschläge zu machen. Er schlägt vor. auch für das folgende Jahr bei dem jetzigen System zu verharren, das bis jetzt noch allein möglich fei. Der Vorwurf, daß wir zu wenig agitiert hätten, in uns bis jetzt nicht gemacht Es kommt darauf an, was dabei das Nichtige feu Flugblätter feien vielleicht nicht immer das Nichtige. Wir waren der Ansicht, nicht zn viel Makulatur anzuhäusen- Der Erfolg sei doch am meisten maßgebend, daraus könne man auf die Arbeit der Coulmission schließen. Kokesch habe das Bedürfnis gehabt, Decharge zu erhalten Ec habe dem Ausschuß genaue Einsicht gewährt- Genaue Einsicht für die Verfautmlung fei nicht möglich gewesen. Er bittet die Ansicht des Finanzausschusses zu theilen- Bernstein wünscht, es solle der zionistischen Bewegung die ganze Zeit nicht nur ein Theil zur Verfügung gestellt werden, wofür dann für die Herren eine Entschädigung ausgesetzt werden solle. Dr. Herzl. Darauf könne man nicht eingehen. Wir arbeiten gern für unsere Sache. Sie bezahlen uns reichsich mit der Ehre, die Sie uns erteilen. Darunr bitte ich Lrie aber, auch nicht eine Sekunde daran zu denken, daß wir in eine Herabminderuttg dieses GchalleS willigen werden (Rauschender Beifall » Antrag dem Aktionskomitee Dank zu votieren. Gegen 11 Uhr wird die Sitzung geschlossen. Zweiter Tag. Tie Sitzung beginnt gegen 10 Uhr Vormittags. Tie Vbvfignomic des Hanfes ist weniger offiziell-feierlich, fönst aber wenig von der des Eröffnungstages verschieden. Kurz vor Eröffnung der Verhandlung erschienen die einzelnen Eommissionen, die bereits seitdem frühen Morgen gesondert beriethen, gruppenweis im Saale- Die Gallerien sind wiederum von einem zahlreichen, aufmerksamen und ausdauernden Publikum gefüllt Die Journalistenlifche von den Vertretern der Presse, etwa 60 an der Zahl, besetzt. Im Saale stehen allenthalben Deligirtengruppen beieinander, lehhaft debattierend und gestikulierend, Deutsch, Französisch; Russisch, Englisch, Polnisch, Hebräisch und Jargon, Alles schwirrt bunt durcheinander. Gegen 10 Uhr erscheint der Präsident. Bureau und Präsidium nehmen ihre Plätze ein. Die imponierende Gestalt Dr- Herzls in der Mitte, zn beiden Seiten die Vicepräsidenlen Dr. Nordau und Rev. Dr- Gatter. Tie Sitzung wird eröffnet mit der Mittheilung, daß 235 Sympathietelegramme eingelaulen seien, außerdem 130 Briefe. Tie 'Nachricht, daß unter den Kundgebungen auch 40 von orthodoren Rabbinern sich befinden, welche den Zionismus als nicht int Widerspruch mit der jüdischen Religion stehend bezeichnen, wurde mit lebhaftem Beifall an'gcnommen. Auch viele Nnltnsgemcinden haben Begrüßungsschreiben gesandt, eine christliche Tame aus Warschau ein Begrüßungsgedicht. Es folgen nunmehr eine Reihe Anträge auf Führung der Verhandlungen auch in nichtdeutscher Sprache. Herr Bernhard Lazare, voit dem Eongreß. der jede Gelegenheit benutzt, seine Lieblinge zu feiern, stürmisch akklamiect, eröffnet den Reigen und beantragt, die französische Sprache in allen Publikationen gle ch der den scheu zu verwenden. Herr Ventw ich beantragt dasselbe für die englische, Herr Lnrie für die russische, Dr. S. R. Landau für die Jargon-, Herr Rabbi u o w ktz-Pnltawa für die hebräische Sprache. Der Eongreß beschließt diese Vorschläge als Anregungen dem Aktions- Komitee zu überweisen; bei den ferneren Verhandlungen tvird die Uebersetzung der Publikationen in der Regel vorgenoinmen. Zu einer wichtigen Mittheilung bittet Herr Aschkenasi um das Wort und bringt das inzwischen allgemein bekannte Telegramm, welches den Avrüstungö-Vorschlag des Ezaren an die Mächte bekannt gicbt, zur Verlesung, indem er damit den Wunsch verbindet, daß der Eongreß seine Freude über die hochherzige Initiative des Ezaren zum Ausdruck bringen ntöge. Die französisch gehaltene Ansprache des Herrn Aschkenasi scheint einigen Mißverständnissen begegnet zu sein, welche jedoch durch Herrn Dr. Bodenheim er behoben wurden, tvelcher die Worte des Vorredners folgendermaßen klarstellt.' In Viesen Saale, der bestimmt ist, die Geschichte für die Zukunft festzulegen, dringt heute eine Fluthwelle, welche d. 'Neuzeit der europäischen Völkerwelt anzukündigen scheint. Meine verehrte Versammlung! Vorläufig wissen wir nichts über die Intentionen der europäischen Regierungen. WaS uns vorlicgt, ist eine Zeitungsnotiz, über deren Bedeutung. Gründe und Tragweite wir in der Kürze der Zeit kein Urtheil fällen können Das ist selbstverständlich eine Zfyatfadje von eminenter Be. entnng, welche den Frieden für die'Welt bringen will und welche nicht ohne Widerhall in unseren Reihen bleiben kann, die wir friedliche Bewegung zu schassen beabsichtigen Aber, meine Herren, wir sind hier zusammengekommen zn ernster Arbeit, mit bestimmter Tagesordnung (Sehr richtig ') unsere Zeit ist beschränkt und hochwichtige Tinge sind zu erörtern Wir können heute nicht in das Rad der Geschichte eingreffeu durch eine Kundgebung, die ans einer momentanen Empfindung erwachsen ist. Aber, meine verehrte Versammlung, wir können dennoch der Freude hier Ausdruck geben, daß diese Aera in der Geschichte der europäische Völker beginnen soll. Wir können der Freude Aufdruck geben, daß hochherzige Männer dem Zuge der Zeit Folge leisten und entsprechend den Aussagen jüdischer Propheten die Mordwaffen zu Rebmessern und Pflugscharen umschmieden wollen. Ich glaube, daß wir keine Gefühle verletzen, wenn wir, nachdem wir unserer Freude Ausdruck gegeben, ohne wettere Debatte zur Tagesordnung schreiten. «Lebhasic Akklamation.) Ter Antrag Tr. Bodenheimer tvird unter lebhaften Beifall angenommen und Herr Prof. Mandel stam, ergreift das Wort zu seinem Referate über das Programm der zionistischen Bewegung. Er spricht mit großer Wärme und in meisterhaf.er Stilistik, meinem Inhalt nach ist daS Programm sehr gemäßigt. Kein Wort vom „Judcnstaat" berauch sonst im Verlaus des Eongreffes nicht erwähnt wird, kein Wort von Politik; lauter Fragen der Eultur. der Socialhygiene, der allgemeinen Besserung socialer Verhältnisse, Auseinandersetzung mit den Chowewe Zion

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