Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 69 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1269 Zweiter Zionisten-Longreß. Stenogr. Origina l-B e ri ch t f. d. „Is ra el L t" 8. u. F. Basel, 31. August. (Fortsetzung aus dem Montagblatt.) Erster Lag des CongresteS. (Fortsetzung.) Gegen 4 Uhr Nachmittags wird die Sitzung unter dem Präsidium Dr Ga st er wieder ausgenommen Dr. Mar Schnirer erstattet den Bericht des Aktionskomitee's über das abgelausene Fahr. Er hebt hervor, daß die Mitglieder des Komitees mit großer Begeisterung an die Arbeit gegangen sind. Ihre Thätigkeit hätte sich darauf geschränkt, in Wort und Schrift für die Schaffung einer öffentlichrechtlichen Heimstätte zu wirken. Es seien sechs Aktionsbroschüren zur Ausgabe gelangt und der Erfolg sei ein, großartiger gewesen. Im Laufe des letzten Jahres seien 796 zionistische Vereine neu gegründet worden, sodaß deren Hahl aus 913 gestiegen sei und zwar: in Rußland 373, Frankreich 3, Schweiz 6, Dänemark 1, Belgien 2, Türkei 2, Aegypten 2, Transvaal 6, Bulgarien 16, Serbien 1, Griechenland 1, Deutschland 23, Italien 12, Amerika 60, Oesterreich 218, Ungarn 32, Rumänien 127, England 26. Tie Gliederung der Schekelgeldsammlung sei nach einheitlichen Grundsätzen geschehen. Die Geloablieferung an das Aktionskomitee sei glatt verlaufen und nicht die geringste Unregelmäßigkeit zu verzeichnen Die organisatorische Arbeit sei s.-hr zeitraubend und das Aktionskomitee habe die ihm übertragene Aufgabe nach besten Kräften erfüllt Dies wurde von den folgenden Rednern nur theilweife zugegeben Manche hatten mehr Agitation erwartet. Namens 5000 galizischer Bergarbeiter ersucht Dr. Herzl den Kongreß, deren Nothlage in Berücksichtigung zu ziehen und Mittel und Wege zur Abhilfe ausfindig zu machen, was auf verschiedenen Seiten Widerspruch erweckt, da man keine Debatte über soziale Zustände wünscht. Der Präsident läßt nunmehr eine Pause eintreten. Abends acht Uhr wird die Sitzung wieder ausgenommen. Den Vorsitz führt Herr Dr. Ga st er. Das Wort erhält der Referent des Finanzausschusses, Herr D. Moritz Moses, Kattowitz, welcher ungefähr folgendes ausführte: Der Finanzausschuß habe die Bücher geprüft und die Buchführung musterhaft gefunden: es seien nicht nur die Verwaltungskosten gedeckt, sondern sogar noch ein Aktioüberschuß von 61 251,8g Frs. «zielt worden Das Ergcbniß sei in Anbetracht der erheblichen Unkosten, rvelche die Lebendigerhaltung einer solchen Bewegung erfordern, als ein befriedigendeanzuerkennen. Man möge der Eommission Decharge ertheilen. Herr Dr. Loewe wünscht nähere Details. Herr Dr. S. R- Landau wendet sich gegen die mangelhafte Durchführung einiger Beschlüsse, welche der vorjährige Eongreß in betreff der Organisation und Agitation gefaßt habe Er wünscht ferner eine Erklärung über die Arbeit der statistischen Eommission; auch er hätte größere Ausführlichkeit des Finanzberichtes gewünscht. Bambus wünscht, bezüglich der Kritik nicht zu weit zu gehen und hielt es für besser, derRevisions-Kommission unbedingt Vertrauen zu schenken. Vorlegung eines Budgets, wie es in jedem Staate üblich, sei jetzt noch nickt möglich Er bitte um Angabe einer ungefähren Summe. In Oesterreichs Angelegenheiten (Galizien) habe das Aktionskomitee nichts gethan, um das Loos der galizischen Juden zu verbessern Durch eine politische Aktion (Intervention) u. a. da müsse vor allem, wenn Aehnliches rvie in Galizien vor» komme, die politische Aktion berücksichtigt werden. (Redner spricht sich gelegentlich darüber aus, daß die Zionisten noch nicht das ganze Volk vorstellen, wie behauptet worden.) Jedenfalls müsse man dem Aktions-Komitee vollen Dank abftatten, wenn auch vieles von seiner Arbeit anderen Kommissionen zugefallen sei. Ein russischer Delegirter: Alle Dclegirten hätten genaue Angaben erwartet, wie viel für Agitation rc. verwendet worden, er wundere sich, daß nur Ueberschuß genannt worden. Er glaube, daß das Komitee gearbeitet habe, aber dieser Bericht genüge nicht Das Volk fei immer auf Seiten des Komitee's; wenn Geld fehle, würde das Volk es aufbringen. Es verlange aber genauen Bericht. Dr. Heus wünscht b ä Resultat, daS mit Schekel erzielt werde, zu wissen (und was diese Institution ist.) (Zur Geschäftsordnung: Dr. Sileuzki bittet Kundgebungen auf der Gallarie zu verbieten Der Vorsitzende findet dazu keinen Anlaß j Borkowski. Die Juden wüßten nicht, was mit der Einrichtung einer rechtlich gesicherten Heimstätte bezweckt werde und was es sei. sie wüßten, daß der Zionismus eine gute Sacke, aber nicht woran sie seien. S chärf—Köln a. Rh. Mau hätte keine Ursache, gegen das Komitee zu nörgeln. Jeder thäte seine Pflicht, es sei natürlich nicht unfehlbar. Der Be icht über die Finanzen sei nur Formmche, jeder habe Vertrauen, daß daS Geld richtig verwendet sei. Die Agitation sei das Wesen des Zionismus, daraus müsse der Hauptwerth gelegt werden. Darauf sei vom Aktionskomitee nicht genug Werth gelegt worden „Judennoth" sei kein gutes Flugblatt. Beweis der geringe Absatz im Verhältniß zu anderen Schriften. Die Landsmannschaften müßten vom Komitee immer Anregung erhalten, während sie in Wirklichkeit von dem, was dort vorgehe, nichts wußten. Er hält es für richtig alle 6 Wochen an die Landsmannschaften Bericht zu erstatten. Was die Proteste der Rabbiner betresse, so handelten diese zunächst nicht in gutem Glauben, wenn sie behaupten, der Zionismus stehe im Gegensatz zum Judenthum, dem Härte man begegnen können, wenn es gute Schriften gegeben hätte. Rückkehr zum Judenthum sei nur durch Agitation möglich, Wohlthätigkeit durch Bälle re. verachte er. P r ä si d e n t Dr. G a st e r. Ein Flugblatt für seinen Kollegen (Rabbiner) sei nicht nötig, es gebe etwas besseres, die Bibel- Bernstein Fortsetzung seiner früheren Rede). Auch ohne Anhörung des Berichts könne man sich auf die Ordnung in der Finanzführung verlassen. Das Komitee hätte nickt mehr leisten können, das Aktions-Komitee müsse feine Thätigkeit vermehren. Die Idee habe in der V.lksmasse noch nicht überall genug Wurzel gefaßt. Dr. Kokesch. Die Tabelle der Einnahmen und Ausgaben solle genau vorgelegt werden- Die Finanztommission habe beschlossen, die Einzelangaben vor der Versammlung nicht zu machen lind beharre bei ihrem Beschluß. Dr. Herzl. Die Kritik über den Rechenschaftsbericht sei ja im Ganzen glimpsiich gewesen, nur einzelne Fragen seien zu beantworten- (Dr. Herzl Erwiederung auf Rapvoport): Garantie sind diejenigen öffentlichen rechtlichen Sicherheiten, ohne die wir eine dauernde Sicherheit unS nicht vorftellen können. Es bandelt sich nur darum, einen dauernden Zustand zu schaffen, daran werde gearbeitet. Wann man das Greifbare sehen werde, könne nicht angegeben werden. Es sei jetzt zunächst nur Sacke, die einzelnen Fäden zu sammeln. Wer geglaubt, daß wir eine traumartige Arbeit in kurzer Zeit machen werden, hat unS nicht verstanden. Da wir eine große Arbeit machen, können wir nicht jedes Jahr Garanlieen geben. Wenn man aber einst dazu im Stande sein wird, dann wird man die Jahresfrist nicht so nachtragen. Bis dahin müsse man etwas Geduld haben. In Erwiderung gegen Dr. Landau bittet Dr- Herzl um Aufschluß über Landaus Ausführungen bezüglich der Agitationsblätter. Dr. Landau. Es sei vorgekommen, daß man erklärt