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Der Israelit · 1898-08-29 · Heft 68 (29.8.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 68 (29.8.1898)
Date
1898-08-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1255 V. Frankfurt a. M., 25. August. Endo vorigen und Anfang dieses Jahres wurden verschiedenen hiesigen Einwohnern anonyme antisemitische Schmähschriften geschickt, die den Adressaten beleidigten und bedrohten. Auch mit gefälschten Bestellkarten wurde Unfug getrieben, so daß einzelnen Mitbürgern Mengen an Getränken aufgehalst wurden. Ferner wurden Briefe aus den Kasten der Privatpost entnommen, mit antisemitischen Drohungen versehen und und in die Brieskasten zurückgelegt, und außerdem wurden etwa tausend Bürgermeisterämtern des Deutschen Reichs unfrankirte Briefe mii antisemitischen Drohungen zugeschickt. Die Thatumstäiide aller dieser Handlungen deuteten ans einen und denselben Urheber hin, ohne daß sie jedoch zunächst zu dessen Ermittelung führten. Erst Mitte dieses Jahres ging dann einem hiesigen Pfarrer eine Schmähkarte der gedachten Art aus einem kleinen sächsischen Orte in der Nähe von Pirna zu. Diese Karte ermöglichte die Festnahme des Thaters. Ob der geständige Verhaftete, der ein geborener Frankfurter ist und bis zu diesem Frühjahre mit seiner Familie hier gewohnt hat, geistig völlig normal ist, muß die eingeleitete Uuterfuuchung ergeben. Der Polizeibericht, dein diese Angaben entnommen sind, nennt den Namen nicht. F. Hamburg, 25. August. (Gründung eines i s r a el iti fch en Kra n kenhe i m s in Bad Neuenahr.) Von jeher wurde als eine der höchsten und schönsten Pflichten innerhalb unserer jüdischen Glaubensgemeinschaft betrachtet, überall da, wo sich der Begüterte vermöge seines Besitz, s das Leben angenehm zu gestalten in der Lage war, auch des Minderbegüterten zu gedenken und sein redlich Theil dazu beitragen, oiesem den Kampf um's Dasein möglichst zu erleichtern. Wir freuen uns, daß die derart geübte Humanität immer weitere Fortschritte macht und daß in neuerer Zeit immer mehr Institutionen gegründet werden, welche sich die Fürsorge für Arme und Gebrechliche, die Wiederherstellung Kranker und Schwacher angelegen sein lassen. Der stattlichen Anzahl segensreich wirkender isr. Heimstätten in deutschen Bädern soll eine neue angereiht werden: ein israelitisches Krankenheim für unbemittelte Glaubensgenossen in Bad Neuenahr. Im Anfang des Juli d. I. befanden sich in genanntem Badeort einige unserer Glaubensgenossen, um sich von den Strapazen des täglichen geschäftlichen Lebens zu erholen; wie oftmals im Leben, brachte eine gemeinsame Idee auch diese Herren einander näher, sie nahm greifbare Gestalt an und in Besprechungen und eingehenden Berathungen wurde die Ausführung des geplanten Unternehmens beschlossen. Am 11. Juli a. e. traten in Meyer's Hotel in Bad Neuenahr die Herren Raphael Ettlinger aus Frankfurt a. M., Albert Krämer aus Mannheim, Bernhard Beermann ans Wörrstadt bei Mainz, Benj. Marrheimcr aus Wiesbaden und Leopold Fries aus Hamburg zu einem provisorischen Komitee zusammen. Aus eigener Anschauung sowohl, wie auch auf Grund an sich selbst erfahrener günstiger Resultate, bezeichneten die Herren die Heilquellen von Bad Neuenahr als vorzüglich geeignet zur Heilung von Zucker- und damit verwandten Krankheiten und beschlossen in Anbetracht besten, daß dem Bedürftigen unter unseren Glaubensgenossen der Gebrauch dieser Quellen bislang versagt ist, sofort an's Werk zu gehen und Mittel herbeizuschaffen zur Gründung eines Krankenheims. Eine unter den in Neuenahr anwesenden Glaubensgenossen vorgenommene Sammlung ergab den ansehnlichen Betrag von Mk. 1168. Am 18. Juli veranstaltete das Comitü ein Concert. Die von allen Seiten dem edlen Unternehmen gewährte Unterstützung ermöglichte es, daß die ansehnliche Einnahme von Mk. 44o erzielt wurde. In liebenswürdigster Weise hatte die Badedirection den Cursaal gratis zur Verfügung gestellt, während namhafte Künstler und Künstlerinnen ihre Mitwirkung bei dem zu humanem Zwecke veranstalteten Concert nicht versagten. Wir nennen nur die großherzogl. sächs. Hofschauspielerin Frau Groß-Nühmkorf aus Weimar, die Herzog!, auhalt. Hcffopernsängerin Frl. Elsa Schweizer aus Frankfurt a. M., Frl. Toni Albert aus NewQ)ork, sowie den großherzgl. badischen Hoftheater-Registeur Herm. Jacobi aus Mannheim, den Regisseur der vereinigten Stadtthcater in Frankfurt a. M., Ant. Noll, sowie Herrn Dr. V. Wendriner aus Bad Neuenahr. In einer am darauffolgenden Tage, den Juli, stattgefundenen Sitzung wurde alsdann der „Verein zur Gründung eines israelitischen Krankenheims in Bad Neuenahr für unbemittctte Glaubensgenosten" ins Leben gerufen und in den Vorstand folgende Herren gewählt: Raphael Ettlinger—Frankfurt a. M., Moritz David Bonn, Dr. S. Weidenbaum—Neuenahr, Bernh. Beermann - Mörstadt bei Mainz, Leovold Fries Hamburg, Benj. Marrheimcr Wiesbaden, Albert Krämer Mannheim, Moritz Friede jr.—Köln, A. Bähr—Ahrweiler. Inzwischen sind die Mittel des Vereins durch weitere Sammlungen auf mehr als Mk. 2<>«>0 angewachsen. Soll aber der Verein seine hohe Aufgabe in nicht allzu ferner Zeit erfüllen, wozu nicht unerhebliche Beträge erforderlich sind, so muß an die Opfer- Willigkeit weiterer Kreise appellirt werden. Wir unsererseits hoffen, durch diese Zeilen dazu beitragen zu können, daß aus unserem geschätzten Leserkreise dem Verein zahlreiche Beiträge zufließen, zu deren Entgegennahme, sowie zur Auskuuftsertheilung jeder der obengenannten Herren gern bereit ist.

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