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Der Israelit · 1898-08-29 · Heft 68 (29.8.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 68 (29.8.1898)
Date
1898-08-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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T7 1251 beobachtet wird. 2Lc»ir dev rnoderriste Jsü 1 ft eine Fahrt nach diesem heiligen Lande unternimmt, so hört man aus den Eomentaren der öffentlichen Meinung eine gewisse Beklemmung. Dieses Land wird nie in den Besitz einer einzelnen (Großmacht gelangen; es wird nickt nur von dein jetzigen Eigenthümer, sondern auch non allen übrigen Mächten sorgsältig bewahrt. Wird es bis an's Ende beim gegenwärtigen Zustand verbleiben 'i Das wäre gewiß bedauerlich weil allein schon die Enltur und Bertehrsnothwendigkeit davon abräth. Das osmanische Reich hat seine unverwüstliche Lebenskraft im alten Triebe bewiesen. Die Türken sind lavier und großnrüthig, nur die für die Eoloninrung und industrielle Erschließung eines Lai'des erforderlichen Eigenschaften gehen ihnen ab. Darrun wäre die Zuführung eines freundlich gesinnten und unternehmungslustigen Elementes, das diese (Eigenschaften besitzt, eine Stärkung und Bcreichcrrrng. Unsere Aufgabe ist es die Bedingungen für eine Verständigung in dieser Hinsicht herzu stellen Wir dürfen sagen, daß der türkischen Negierung die Loyalität unserer Bestrebung n bekannt ist. (Beifall.) Wir wollen keine Ansiedler einschrrruggelrr, überhaupt feine Lhatsacken zu schaffen versuchen. ohne vorherige Abmachung Wir haben kein Interesse daran eine wirthschastlichc Kräftigung der Türkei herbeizuführen, wenn nicht ein Gegen,vertli dafür geleistet wird. Die ganze Sache soll nach dem einfachsten Rezepte der Welt bewerkstetligl werden: do ut des. Auf die Frage was weiter zu bewerkstelligen fei, war auf denr ersten Eongreß die Notbwendigkeit eines Fiuanzinstrumcnts für die Zwecke der Bewegung erkannt worden: Die jüdische Colonial-Bank. (Großer Beifall.» Unsere (Gegner trauten urrs nicht die Fähigkeit zu, ein solches Werk zu Stande zu bringen Aber in unseren Reihen sind nicht nur Künstler, Acrzte, Gelehrte und Philosophen, sondern auch eine stattliche Anzahl von Bankiers und Kaufleuten. Sinn ersten Mal wurde bezweifelt, daß Inden eine Bank gründen könnten. (Heiterkeit) Aber auch dieser Zweifel wurde beseitigt: Die indische EoloniabBarrk wird irr Kürze in's Leben treten. (Stürmischer Beifall.) (stach den Ergebnissen der Bankkorrserenz dürfen wir arrrrehrrren, daß die Bant noch im Laufe dieses Jahres ihre geschäftliche Thätigfeit beginnen wird. (Lauter Beifall.» Im Ucbrigcn will ich dem Oicserate der beauftragten Männer nicht vorgrcifcn. Oluch aus anderen Berichten werden Sie erkennen, daß dies Jahr nicht unbenutzt verstrichen ist. Außer!,alb dieses Saales rvird man cinschcn, daß »vir keine hochfahrenden Träume, nichts Thörichtes und Ungerechtes wollen, sondern einfach ehrliche Arbeit für unser armes Volt, rveil mir einzig von der Arbeit eine sittliche und körperliche Hebung erwarten. (Lauter B.isall) Es kann auch den Angehörigen der Rationen nicht mißfallen, denn in dieser freien Stadr erhielten wir den ersten Beweis. Vorgestern, am St. Iakobssest, kam 'Abends die Schaar vom Feste zurüek. Man konnte an die schöne Geschickte vom Fähnlein der sieben Aufrechten des herrlichsten Schweizer Dichters Gottfried Keller denken. Lauter Fähnlein, aufrecht einherzreherrd, im gesunden Leibe männlichen Sinn liegend, zogen sie vorbei. Ta schwenkte eure unserer verehrten Damen grüßend ihnen zu, und das gab Anlaß zu einer Kundgebung, die wir nie vergessen werden. Tic Fähnlein grüßten im Vorbeiziehen unsere Leute, die ihnen zujubelten und von der Straße her erscholl ein neuer unerwarteter Zuruf „Hoch die Juden" «brausender, nicht endcnwoüenbcv BeifallDa ist vielleicht Manchem von uns heiß in die Augen gequollen. Man kann in einem solchen Moment die Fassung verlieren. Es ist vielleicht der Anfang besserer Zeit. Wir aber ivollen uns vornehmen, solchem Zurufe würdig zu werden. Mir waren standhaft irr den schlimmsten Tagen, seren wir dankbar und demüthig, wenn bessere Tage kommen. Wie müssen wir uns die besseren Tage umstellen? Ist ihr Inhalt erschöpft in vermehrtem Besitz und ungetrübter Ruhe 0 Olein, gerade Diejenigen, die heute ihre ganze Person an die Sache setzen, rvürden cs bedauern, wenn es nur gelänge eine neue Gesellschaft zn errichten und nicht auch eine gerechtere!! (Jubelnder Beifall) Bessere Tage für uns, aber auch für die Anderen, als deren opferwillig«» Pionirc wir hinausziehen auf ungebahntem Wege. Wir brauchen keine höhere Enltur. nur benützt soll die Enltur werden und wir glauben, daß unser Volk das verstehen werde, weil es durch so viele Schulen des Leidens gegangen ist und unter so vielen Völkern gcivohnt und gelitten hat und die Leiden aller kennt. Bessere Tage der Zukunft der Menschen aller Criltrrren erstreben wir. Eine Gemeinschaft, die nicht in einer einzigen Sp ache begrenzt wird. lind unsere Anpassungsversnche, deren Mißlingen uns zrisammenführte, werden von dauernden Ruhen sein. Die Tüchtigkeit der (Germanen die Bequemlichkeit der Romanen, die Regsamkeit der Slaven werden vielleicht nicht ohne Spuren an uns vorübergegangcn sein. Jüdische Gelehrte) Philosophen, Aerztc werden denn aus einem Boden und in einer duldsamen Gesellschaft im alten Lande sein. Aber in denr alten Land wünschen wir eine neue Blüthe für den jüdischen Geist! (Tosender, minutenlanger Beifall ) (Fortsetzung folgt in der Beilage.) Zeitungsnachrichten und Corresponden;en. Deutschland. 1>. Berlin, 24. August. Das Jubiläum ihres zweihunderljährigen Bestehens als staatlich anerkannte Behörde kann die Berliner Jüdische Gemeindeverwaltung im nächsten Monat begehen. Die erste Instruction und Bestätigung von jüdischen Gemeindeältesten datirt vom 24. September 1698. Zu Ansang des genannten Jahres wurde ein gewisser Wolf Perlheffter, nachdem er sich erboten hatte, dafür hundert Thaler jährlich an die kurfürstliche Kasse abzuliefern, zum Oberältesten der Berliner Juvenschast ernannt. Derselbe kam aber seiner Verpflichtung nicht nach. Es entstand eine Spaltung in der Gemeinde, die den Hausvogt veranlaßte, bei der Negierung eine Regelung der Vorstandsmahlen zu beantragen. i'. Berlin, 27. Ang. lieber die jüngst vom französischen Ministerrathe beschlossenen Reformen für Algerien wird aus Paris geschrieben: Vier Dekrete sind Vereinbart worden. Das vierte, aus Antrag des Kultusministers erlassene Dekret ändert die Organisation der israelitischen Konsistorien Algeriens ab. Die Konsistorien werden sich in Zukunft ausschließlich ans ihre kirchlichen Vollmachten beschränken müssen und die Vertheilung der Unterstützungen an arme Juden den Armenbureaus zu überlassen haben.

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