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Der Israelit · 1898-08-29 · Heft 68 (29.8.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 68 (29.8.1898)
Date
1898-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1253 Der lob ist ja bas Ende aller Leiben, woher kommt es also, das; nnr leiden? Allmählich von Unbill zu Unbill nahm die Erkenntniß festere Form an, bis es in das Volksbewußtscin drang und dann weiter in das Herz ergreifend Alt und Jung. Der erste Congrcß war bereits die Kundgebung dieses ins Leben gekehrten Volksbewußtseins. (Beifall». Aber manche ernste und schwere Gedanken ivurden laut gegen eine solche Versammlung. Wurde nicht die Beschuldigung erhoben, daß bei einer internationalen Kundgebung gegen die christlichen Mitbürger sich unsere Lage noch verschlimmern würde? Demgegenüber wurde vom Anfänge an betont und stets fort erhärtet, daß wir keinen internationalen Verein bilden, sondern daß wir eine internationale Diseussion führen und das sei hier zum ewigen Gedächtniß wiederholt. Nicht Bündnisse oder geheime Intervention verlangen wir, sondern Besprechung der Gegenivart und der Zukunft unter der Eontrole der öffentlichen Meinung. (Beifall) Es muß der Ton der Wahrheit in unseren Worten gewesen sein, denn der Eongreß har Theiluahme hervorgerufeu sogar bei denen, die uns unfreundlich oder gleichgültig gegenüber standen. Jedes Volk, dem sich das nicht verbirgt, har Recht aus die Achtung der andern Völker. > Beifall). Vergessen wir nur in unseren antisemitischen Tagen nickt, daß eine grotzmüthigerc Zeit vorhergegangcn ist, die uns die Emanzipation schenkte. Der Wille war gut, aber der Erfolg war nicht genügend. Lag es an uns oder an den andern, wahrschcinlich an Beiden oder an den Umständen, die die Zeiten'schon lang vorher gereift hatten Die Gesetze waren freiheitlicher als die Gewohnheiten. Wir erlebten den Rückschlag; aber aus der Emanzipation, die nicht rückgängig gemacht werden tonnte rlnd aus Zionismus ergab sich eine Neue Forderung. Es konnte nicht im Sinne der Emanzipation sein, daß wir aufhören sollten Juden zu sein, denn wir wurden zurückge stoßen, als wir uns mit ihnen vereinen sollten. Der geschichtliche Sinn war vielmehr, daß wir dem armen befreiten Volk eine Heimstätte bereiten sollten. (Großer Beifall.) Was wir früher nicht vermochten, wir können es heute thun, wenn wir cs wollen. Es genügt nicht, daß wir uns als Volk fühlen und crteuncn; nach dem Volksbewußtscin muß auch der Volkswille kommen. «Beifall.) _ Aus diesen: Punkte gab es und giebt es noch manche Schwierigkeit. In einem langen Elend haben wir uns des eonsegucnten Wollens entwöhnt und die Eharaktercigenschaften, die ein anderes Volk incht verbirgt, sondern hegt und pflegt, wagten wir nicht zu zeigen. Jetzt, wo ivir es endlich thun, stoßen wir auf passiven Widerstand, von Leuten, die jeder Aenderung abhold sino. Der passive 'Widerstand und die Trägheit gewisser feindseliger offizieller Kreise des Judenthums erscheint in dem Protest einiger Rabbiner. Es wird immer zu den großen Merkwürdigkeiten gehören, daß die Herren gleichzeitig um Zion beten und gegen den Zionismus auftretcH (lauter frenetischer Beifall). Ter Wiederspruch ist aus ihrer anfänglichen llusicherheit zu erklären, ob die Gemeinden auch damit einverstanden seien. Indessen ist eine Bewegung, wie die unsere, nicht auf die Kultusvorstände angewiesen: die breiten Schichten sind überall für uns. Diese bilden und erhalten die Gemeinde und folglich muß auch in ihrem Sinne gehandelt weiden. Wir haben den Gegensatz bis jetzt aus brüderlicher Schonung nicht hervorgekehrt. Jetzt aber muß das ein Ende nehmen, es kann nicht mehr so bleiben, daß von stidischeu Eultusg »winden gegen den Zionismus agitirt werde. (Großer Beifall.) 'Widersinnige, unmöglicher Zustand. An allen Drten, wo der Vorstand nicht zu den Unsrigen gehört, müssen Männer, die;u uns stehen und die fähig sind, diese Ehrenämter zu bekleiden auf den Schild gehoben und in den Vorstand getragen werden, im Rainen der nationalen Ehre. Darum glaube ich in Ihrem Sinne zu sprechen, wenn ich als auf eines unserer nächsten Ziele auf die Eroberung der Gemeinde Hinweise. (Großer Beifall ) Es ist dies auch der lopale und legale Weg, den zionistischen Bestrebungen Eintritt zu verschaffen. Es genügt nicht, daß wir davon wissen, in welchem Umfang der Zion smus das ganze Judcnthum ergreife, die Thal fache muß gezeugt werden. Und der Wahlzettel ist das geeignetste Mittel, ihr Ausdruck zu verschaffen. Außerhalb de? Judenthums erfreuen sich unsere Bestrebungen vieler Sympathien, aber cs wird auck der Zweifel laut, ob wir, ein schwaches und unsicheres Häuflein, etwas ausrichten werden: Die Eroberung der Gemeindebeflrke wird beweisen, was wir vermögen. Wenn wir die Sympathien der nichtjüdischen Welt herbeiruten, so dürste Niemand etwas daran auszusctzen haben. Die protestirenden Kreise mäkeln daran, daß uns die Freundschaft christlicher Zionisten eutgegcnkommt, es ist nicht niedere Sache der Nützlichkeit. Es zeigt sich darin eine versöhnende Kraft des Zionismus. (Bravo!) Der Haß erstirbt aus diesem Boden. Wir halten unverbrüchlich au unserem Judcnthum fest (Lauter Beifall) und wir gewinnen dennoch Freunde von edelster Uneigei * nützigkeit. Ist das so schlimm? Wir bringen dadurch Millionen von Menschen einander näher. Wir wenden keine Künste an, wir geben uns so, wie wir sind, sei es auch, daß wir solche Freunde brauchen. Das Werk müssen wir aus eigener Kraft thun. Aber viel Wohlwollen muß uils dabei begegnen. Wodurch verdienen wir es? Dadurch, daß wir die ohne unierHinzuthun nicht lösbare Frage löse», die für manche Staaten eine schwere Geißel geworden ist. Bald da, bald dort springt der Judenhaß hervor. Der Pöbel rast durch die Gassen und beim Feuerschein wird die jüdische Habe zuweilen auch der Inhaber mit zerstört. Aber dies ist nicht das Acrgste. Die Beschimpfungen bleiben nicht vergessen. Diese Unruhen richten einen schweren Schaden an in der mißhandelten Seele unseres Volkes. Immer wieder das völlige Untergraben jedes Rechts mid Ehrgefühls muß die Betroffenen zu Feinden einer stiefmütterlichen Gesellschaft machen. Wundern wir uns nicht, wenn sie das verzweifelnde Proletariat unter den Proletanaten bilden. Bemühen ivir uns eine Besserung zu schaffen Von weitsichtigen Staatsmännern durste erwartet werden, daß sie die Gesellschastsgefahr erkennen. Die Juden sind ein zersetzendes Element, sagt man gewöhnlich. Da wir aus ihuen ern aufbauendes Element machen wollen, so müssen uns Alle die unterstützen, die nicht wollen, daß sie alles zersetzen. Wir sind bereit die Bauzeit des Judenthums hcrbeizuführen. Wir haben alles in Hülle und Fülle. Wir haben Menschen, Material, Pläne und nur der Bauplatz fehlt uns noch Freilich ist der, welcher für uns taugt, ein Bauplatz von besonderer Art. Kein Platz der Erde ist so begehrt. Wir g'aubcn. daß er nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft habe. (Großer Beifall.) Auf diesem Boden, aus dem so wenig wächst, sind die Ideen für die ganze Menschheit gewachsen. Darum wird Niemand leugnen können, daß unverjährbare Beziehungen zwischen unserem Volke und diesem Lande bestehen. Wenn es überhaupt legitime Ansprüche auf ein Stück der Erde gibt,^so müssen alle Völker das Recht den Juden zuerkennen. Sie können es a»ch neidlos und ohne Sorge. Denn die Juden sind keine politische Macht und werden cs auch nie mehr sein Aber auch seine geographische Lage ist von Wichtigkeit und Bedeutung, da wir in einer Zeit, die nicht mehr fern ist, eine Eultur und Handelsstraße nach Asien brauchen. Asien ist das diplomatische Problem des nächsten Jahrhunderts. Wir Zionisten können uns rühmen, daß wir diese kommende Entwicklung einige ^Znt früher erkannt haben. Man sieht dies heute schon. Sie wissen mit welcher Aufmerksamkeit jeder Schritt einer Macht von der anderen in dieser Richtung

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