Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1898)
- Date
- 1898-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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■;T- —.• " - 1252 wählte ein Präsidium, welches aus Frau Professor Schavira iHeidelberg), Frau Pros. Dr. Gottheil Ou'.i.^ri), A-i/iU iSuinnm (3)raiIuN) bestand. >i &cr V-.rsammlung waren auch neben Damen anwesend, welche in sieben verschiedenen Städten zu Congreßmitgliederu gewählt worden sind und denen vom Centralcomitö gleiche Rechte mit den männlichen Delegirten eingeräumt worden sind. Anwesend waren ungefähr 60 Damen aus Rußland und ebensoviel Damen aus anderen Ländern. Den Männern wurde das Wort nicht ertheilt. Ueber die Stellung der jüdischen Frau zum Zionismus sprach Frau Professor Schapira. Sie betonte u. A.: „Daß die jüdische Frau, indem sie Zionistin geworden, ein Modell für die zukünftige Frauenemaneipation zu sein verspricht." Frl. Jmas (Nikolajew) wünscht erhohtere Pflege der hebräischen Sprache. Frau Ellmann befürwortet Gründung eines jüdischen Schwesternordens für die Kranken, Waisen, Kinder und Armen. Die Versammlung beschließt alsdann, einen allgemeinen jüdischen Damenverein zu bilden und wählt ein Comite zur Ausarbeitung eines Statutenentwurfs. Der erste Tag des Kongresses. Bereits geraume Zeit vor Eröffnung des Congresses herrscht im Congreßlokale ein reges Leben. Der große Musiksaal ist von den Delegierten dicht gefüllt, die Journalisten, die Büreautische voll besetzt, die geräumigen Tribünen überfüllt. Geschäftigkeit, Spannung und Erwartung herrscht allenthalben. Ueberall sieht man Gruppen bei einander: Delegirte aus Rußland im langen, seidenen, Kaftan mit langen Löckchen, Käppchen und langem Bart, ehrwürdige, patriarchalische Judengestalten, daneben Pariser Boulevarderscheiuungen in tadelloser Gesellschaftstoilette und elegante vornehme Damen. Im Ganzen sind 374 Delegirte anwesend. Das größte Contingent stellen naturgemäß Rußland und Oestereich. Auch Afrika (Egypten und Transvaal) Asien und Amerika sind vertreten, indeß sind die Vertreter alle geborene Russen. Kurz nach 10 Uhr besteigt Herr Dr. Herzt, stürmisch von der Versammlung acclamiert, die Tribüne und eröffnet durch Glockenzeichen den Eongreß. Er hält programmäßig die Eröffnungsrede. Das Manuscript vor sich, spricht er vornehm ruhig, ohne theatralisches Pathos, mehr herzlich, eindringlich, bei den markanten Stellen nicht ohne Schwung und Begeisterung, wiederholt durch stürmischen nachhaltenden Beifall unterbrochen, am Schluß stürmisch umjubelt. Nachdem der Redner geendet, unterbreitet er der Versammlung die Geschäftsordnung, welche nach kurzer Debatte en bloc angenommen wird. Es erfolgt hierauf die Wahl des Vorstandes und der verschiedenen Commissionen. Zum I. Vorsitzenden wird Dr. Theodor Herzl, zum I. Vicepräsidenten Dr. M a r R o r d a u, zum II. Vicepräsidenten Herr Rabb. Dr. G a st e r (London), zum III. Vicepräsidenten Herr Dr. M a n d e l b a u m gewählt, zu Beisitzern die Herrn Rabb. Dr. Rülf, Bernhard La za re (Paris), Be nt wich, Bernstein, W o l f s o h n, W i s e. Stürmische Ovationen werden dem zweiten Beisitzer gebracht, dem unerschrockenen Dreyfuskämpfer Lazare. Die Wahl des Vorstandes, sowie der Beisitzer erfolgt nahezu mit Einstimmigkeit. Auch die für die Ordnungskommission von der vorbereitenden Arbeitskommission gemachten Eandidatenvorschläge werden an bloc angenommen. Daraus widmet der Vorsitzende den verstorbenen hervorragenden Mitglieder der zionistischen Bewegung, namentlich Herrn Rabbiner Samuel Mohilewer und Pros. Schapira, tiefempfundene Worte der Erinnerung und Anerkennung, welche von den Anwesenden stehend angehört werden. Nunmehr besteigt Dr. Mar Nord au die Rednerbühne zu seinem Referate über die allgemeine Lage der Juden, von tosenden, minutenlangen Beifallskundgebungen begrüßt. Der Redner spricht frei, ruhig, etwas matt, kühl lassend, zurückhaltend sobald er aber auf die französischen Verhältnisse, namentlich den Fall Dreyfuß, zu sprechen kommt, belebt sich seine Rede, oie Sprache wird lebhaft, dramatisch schwungvoll, hinreißend, wenn er von Zola spricht, wenn er seine geistvollen Bilder entrollt, dann braust Beifall durch den Saal, Tücher werden geschwenkt, die Begeisterung will sich gar nicht legen. Wie der Redner geendet, drängt sich alles zu ihm, fast hätte man ihn durch beit Saal getragen. Mit der Rede des Herrn Nordau ist das Interesse des Vormittags so ziemlich erschöpft, der Rest der Verhandlungen wird durch Kommissionswahlen und Ge'chästsordnungsdebatten ausgesülll, die bisweilen einen umfänglicheren und lebhafteren Charakter annehmen, als die Wichtigkeit des behandelnden Gegenstandes erheischt. Gegen 11 2 Uhr wird die Sitzung unterbrochen, um 4 Uhr wieder aufgenommen. Wir lassen nunmehr den stenographischen Bericht folgen: Rede des Herrn Dr. Herzl Geehrte (5ongress Mitglieder! Der Zionismus hat einen Jahresring vollendet, seit wir zum ersten Mal bei einander ivaren. Heute sind nur abermals liier znsammengetommcn, weil wir keinen besseren Ort finden können, weil ein Band der Dankbarkeit uns mit dieser Stadt verknüpft. Als ein fremdes vielfach Unbegreifliches war die neue Bewegung anfgetauchk. Mancher hielt es für ein Gespenst vergangener Tage, wir hatten aber das dunkle Gefühl bevor es in unser Bewußtsein drang, das; es nicht wahr sei.