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Der Israelit · 1898-08-25 · Heft 67 (25.8.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 67 (25.8.1898)
Date
1898-08-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1230 einige Tage interessante Vorträge hören wollen, die vielmehr der Wille beseelt, gründliche Kenntnisse und Fertigkeiten sich anzueignen, um sie zu verwerthen. Dementsprechend mußte tüchtig mit Spaten und Hacke gearbeitet werden. Und wenn auch buchstäblich von von der Stirne heiß, rann der Schweiß — die Herren haben gern und mit Eifer den an sie gestellten Anforderungen entsprochen und treu ausgehalten. Das sei um so freudiger anerkannt, als sie ihre Ferienzeit hierzu opferten. Ausnahmslos waren sie von der hervorragenden Bedeutung des Werkes, dem sie sich widmen wollen, durchdrungen; sie waren auch eingedenk des Dichterwortes : „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis." Unter solchen Umständen wird man es auch begreiflich fiudcn, daß ini Bericht den Kursiften folgendes Zeugniß ausgestellt wird: „Es ist in jeder Beziehung genugsam geleistet, daß behauptet werden darf: die Teilnehmer seien befähigt, Gartenbau selbst erfolgreich zu betreiben und in Gartenkunde wie in der Handfertigkeit wirksam zu unterrichten, um den Kindern diejenigen Kenntnisse und das Maß manueller Geschicklichkeit beizubringen, das genügen könnte, einen Einfluß auf die Berufswahl zu üben oder auch sonst im Leben nicht ohne Werth zu sein." Diese Worte der Anerkennung haben sich die Theilnehmer auch verdient, denn es wurde täglich 8—9 Stunden, theils theoretisch, theils praktisch gearbeitet und mußten sie beispielsweise in der Handfertigkeit außer den Uebungsmuftern noch zwei Gegenstände selbständig anfertigen. Es wurde wie folgt gearbeitet: Montag, den 25. Juli: Theorie zu 1. und 2. Dienstag, 26. Juli: Praxis zu 3. Einrichtung eines Gartenstückes der Anstalt zum Hausgartcn, der Lehrer- Muftergarten bleiben sollrigolen, graben, eintheilen, Beete ziehen, rechen, säen, pflanzen. Mittwoch 27. Juli, Vormittag: Theorie zu 4. und 5. Uebung zu 6. und 7. im Walde. Nachmittag: Praxis zu 4. bis 7. in der Anstaltsbaumschule. 7. bis lo. in Pragers Garten. Donnerstag, 28. Juli, Vormittags: Fortsetzung zu 7., Weinsch.itt und 11. in Bender's Garten. Nachmittag: Theorie über 8. u. 9., danach in Gtaetzers Fabrik. Freitag, 29. Juli: Theorie zu I I. Collogium. Sonntag, '31. Juli bis Mittwoch, 3. August, einschließlich 12. Zur Erläuterung obigen Pensenplanes lasse ich den Lehrplan folgen: 1. Allgemeines über die wichtigsten Kulturpflanzen zum Betriebe des Ackerbaues. 2. Die Bodenbearbeitung im Allgemeinen. 3. Die Einrichtung eines Hausgartens. 4. Die Anlegung einer Baumschule und deren Bearbeitung. 5. Die Einrichtung eines Obstgartens im Besonderen. 6. Die wichtigsten Veredlungsarten und ihre praktische Anwendung. 7. Die Pflege der Obstbäume. 8. Beerenobstcultur. 9. Grnndzüge der Obstverwerthung. 10. Blumenzucht. 11. Bienenzucht. 12. Kerbschnitt. Zur Demonstration von Punkt 7 u. 10 gestattete Herr Rathsherr Prager bereitwilligst die Benutzung seines Gartens und Gewächshauses; zu 9. war Herr Fabrikbesitzer Glaetzer so liebenswürdig, die Fabrikation und den Prozeß bei der Obstweinbereitung zu erläutern und einen Einblick in das Fabrikwesen nehmen zu lassen; zu 11. stellte Herr Fabrikbesitzer Bender seinen Bienenstand zur Verfügung. Dem Berichte beigegeben ist ein Dankschreiben an diejenigen Körperschaften, die den Kursus subventionirten, sowie ein Aufruf an die Synagogenvorstände und Vereine zur Hebung des Ackerbaues und Handwerks unter den Juden zur Unterstützung der guten Sache. Bevor ich mein Referat über den Bericht schließe, will ich noch bemerken, daß beabsichtigt wird, den Kursus im nächsten Jahre auszudehncn, so daß im Laufe der Zeit allen jüd. Lehrern Ostdeutschlands die Theilnahme daran gestattet werden kann. Zn jeder gewünschten Auskunft ist der Berichterstatter gern bereit. S. Rosenbaum. W. Wrefchen, 21. Angust. Herr Gemeinde- Rabbiner Dr. M. Lew in hat seit Beginn seines Amtsantritts Hierselbst einen Jugendgottesdienst eingeführt, der an den Samstag-Nachmittagen stattfindet und mit einer Ansprache verbunden ist. Da die Kinder durch den Besuch der Schule abgehalten sind, dem öffentlichen Gottesdienst in der Synagoge beizuwohnen, so wird die Einführung des Kindergottesdienstes als zweckmäßig bei allen Gemeindemitgliedern anerkannt. — In der Filialgemeinde Stralkowo haben die jüdischen Kinder bisher keinen geordneten Religionsunterricht erhalten, weil am Orte keine selbstständige jüdische Schute existirt. Den Bemühnngen unseres Rabbiners ist es gelungen, den fraglichen Unterricht daselbst einzuführen und wird dieser zweimal wöchentlich von den Lehrern unserer Religionsschule abwechselnd vertheilt. — Der vor einiger Zeit hier verstorbene Privatier Simon Radziejewski hat u. A. auch für die hiesige jüdische Gemeinde ein Legat vermacht, mit der Maßgabe, nach dem Tode des Letzilebenden, Mann oder Frau, die Zinsen von 4000 Mark, an dem Todestage eines Jeden je 15 Mark an die jüdischen Armen zu vertheilen; der Rest der Zinsen ist jedoch zu 2/3 dem OrtSrabbiner oder dessen Stellvertreter nnd zu hg dem Kantor der Gemeinde zu zahlen. Hierfür haben Rabbiner und Kantor die üblichen Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen während des Trauerjahres und an den Jahrzeitstagen zu verrichten. Für die Verwaltung des bezeichneten Legates und für die Aufsicht über die Ausführung der genannten Bestimmungen erhält noch die Gemeinde 1000 Mark zur Umfriedung des neuen Friedhofes. Für das Waisenhaus

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