Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-08-25 · Heft 67 (25.8.1898) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 67 (25.8.1898)
Date
1898-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448920--46596-2497054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1229 Menschenfreunde sowie das ernste Streben der Zöglinge und Leiter erforderlich. Der Choral „Lobet den Herrn", gesungen von den Zöglingen, leitete nun die Feier ein, die in der erhebenden Weiherede und dem Weihegebet des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Weingarten bestand. Anknüpfend an die aus frohen Kinderkehlen vernommenen Worte „Lobet den Herrn", forderte er auf, den Herrn zu loben, ob des so wohlgelungenen Werkes. Wohl gebühre Dank der Rührigkeit des Vorstandes, dem Wohlwollen der Behörden, der hochherzigen Frau Baronin v. Hirsch- Gereuth in Paris, der edlen Frau Baronin v. Rothschild in Frankfurt a. M. und Frl. Excellenz von Henrichsen aus St. Petersburg, aber nicht dürfe man vergessen, daß „Gott es ist, der Kraft verleiht, um Großes zu wirken." Unter Zugrundelegung dieses Verses aus dem Wochenabschuilte wies der Redner nun nach, daß die Gründung einer Waisenanstalt, wie das Eniser Mädchenheim, ein wahrhaft göttliches Werk wäre. Sie hätte zum Zweck, armen, verwaisten Mädchen nicht nur Unterhalt und Erziehung zu gewähren, sondern das zerstörte Elternhaus wieder neu zu bauen. Die Zöglinge würden, wenn sie die Schule verließen, nicht gleichzeitig die Anstalt verlassen, sondern erst für einen Lebensberuf vorgebildet werden; aber auch nachdem sie aus der Anstalt ins praktische Leben getreten wären, stünde diese ihnen stets rathend, helfend und segensreich zur Seite. Neben der allgemeinen Bildung sollten ihnen die Lehren des unverfälschten Judenthums, die Liebe zum Vaterland und die Dankbarkeit gegen ihre Wohlthäter eingeprägt werden. Es würde zu weit führen, wollte man all die herrlichen Gedanken der Weiherede wiedergeben, an die sich das Weihegebet anreihte, worin der göttliche Segen auf die Anstalt, auf unfern Kaiser und König, unter dessen mächtigem Scepter Werke der Wohlthätigkeit entstehen, auf die Stadt und die Behörden, auf die Grüuder, Menschenfreunde und Zöglinge herabgefleht wurde. Mit dem von den Zöglingen ausgeführtett Gesang: „Danket dem Herrn" schloß die officielle Feier, an die sich ein Rundgang durch die Räume der Anstalt anschloß, wobei alle ihre Befriedigung äußerten. Anläßlich der Einweihung der Anstalt hatte ein Ungenannter zwei Freistellen (10,000 Mark) und Herr Baron Horace de Günsberg aus St. Petersburg, der gerade zur Kur hier weilte und der Feier beiwohnte, eine Freistelle (5000 Mark), der Anstalt gestiftet. Die Zöglinge erhielten von Freunden des Hauses schöne Geschenke als Andenken an den schönen Tag und je ein Sparkassenbuch mit ansehnlichem Inhalt, der nach und nach vermehrt und nach erlangter Mündigkeit mit den Zinsen den einzelnen Zöglingen zurückgegeben werden soll. Um l1/« Uhr fand ein gemeinsames Festesten unter Betheiligung von zahlreichen Freunden der Anstalt und dem Vorstande, im Hotel de France statt, das von ernsten und heiteren Tischreden gewürzt war. Unter anderen illustren Gästen bemerkten wir auch Herrn Consul Simon aus Hannover, den Begründer der Erziehungsanstalt in Ahlem; er wünschte dem Mädchenheim zu Ems in längerer Rede ein weiteres Blühen und Gedeihen zum Segen der Menschheit. Zum Besten der Anstalt fand am 6. August, Abends 6 Uhr, in dem von der Königlichen Kurverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellten großen Theatersaal ein Concert statt. Frl. Ariovitz—Leipzig hielt durch sinnig gewählte Deklamationen das den Saal bis auf den letzten Platz füllende Publikum wiederholt in Spannung. Frl. van Bergh—Amsterdani, Frl. Dietz -Frankfurt a. M. und die rühmlichst bekannte Opernsängerin Fräulein Kolbar riefen durch ihre melodisch gesungenen Lieder und Arien einen wahren Sturm der Begeisterung hervor, während die Klaviervirtuosin Frl. King aus London und Frau Oberst Falk aus Leyden durch ihr künstlerisches Spiel entzückten. Einen Theil der Begleitung der Sängerinnen hatte Frau Balzer aus Ems sreundlichst übernommen. Aber nicht nur der ideelle, sondern auch der materielle Erfolg des Con certes war ein glänzender. Möge das Interesse aller Menschenfreunde für das „Israel. Central-Waisen- und Mädchenheim" immer mehr wachsen, auf daß sich dessen Räume immer weiter zur Aufnahme armer, verwaister Mädchen öffnen können. Rybirik, 10. August, nno naxtem nacp am „Der Tag hat schnellen Lauf, der Arbeit giebt's vollauf." So oder ähnlich werden mit „Kristaller" viele der geehrten Leser bei der Lektüre des Artikels über den Gartenbaukursus am hiesigen Waisenhause gedacht haben. Und wirklich mag es etwas gewagt erscheinen, einen derartigen Kursus auf eine l Otägige Dauer zu berechnen. Aber, wettn nur der eiserne Wille vorhanden ist, so kann man vieles erreichen, wie Salzmann sagt: „Was der Mensch will, das kann er, und so er sagt: ich kann nicht, so will er nicht." Und dieser Wille war vorhanden, wie aus dem soeben erschienenen Bericht über.den Gartenbaukursus hervorgeht. Nachdem der Verfasser über die Ziele „der inneren Colonisation" gesprochen, heißt es darin: „Diese Gedanken, in Verbindung mit dem Umstande, daß in unserem großen Anstaltsgarten ausreichendes Anschauungsmaterial, auch Lanv zur Bearbeitung zu Gebote steht, haben mich geleitet, die Angelegenheit auszubauen und mich zu dem Vorschläge veranlaßt, hier einen Kursus für diejenigen Lehrer einzurichten, die nicht etwa aus Liebhaberei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.