Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1898)
- Date
- 1898-08-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1213 ivas besonders intereffant ist, unter den Turnern aus Oesterreich, die Erfolge errungen haben, befand sich auch ein Jude, Sonnenschein aus Wien. Die antisemitischen Turnvereine aus Oesterreich, die den Turngau Ostmark bilden, mußten ohne Erfolg abziehen; sic haben freilich für das echt deutsche Turnen keine Zeit mehr übrig, sie müssen ja immerfort „Juden raus" schreien! Hagenau, ft. August. Nachdem das Eonsistvrinnt des Unter-Elsaß, das in letzterer Zeit in den Zeitungen so vielfach befehdet wurde, Dank der tapferen Haltung des Herrn Jules Klein, eine etwas eonscrvativcre Färbung annahm, mußte es erleben, daß im letzten Augenblick ein Rabbiner (!) der der Angelpunkt dieser konservativen Neigung gewesen, ihm einen dicken Strich durch seine Rechnung machte. Die Sache trug sich wie folgt zu: Bei der Versetzung des Herrn Rabbiner Levy, von Weißenburg nach Hagenau, traten die sogenannten n>mm« il kaut-Männer an den ncuinstallirten Rabbiner mit dem Ansinnen heran, er möge gestatten, daß eine Orgel, gegen deren Einführung der verstorbene Rabbiner Bloch sich gesträubt, in der Synagoge einen Platz finde. Rabbiner Levy, welcher, nebenbei bemerkt, einen Sohn all das Berliner Rabbinerseminar gegeben bat und der von der kleinen Schaar Gesetzestreuer zum kräftigen Widerstand angespornt wurde, schrieb an das Eonsistorium zu Straßbllrg, daß er die Aufnahme einer Orgel tu die Synagoge nur jeden Preis ablehncn müsse. In der Consistoriumsitzung, in welcher diese Frage berathen witrde, wollten, wie cs gewöhnlich beiden Eonsi storicn der Fall ist, die neologen Elemente dem Wunsche der Gemeinde entsprechen und den Rabbiner anweisen, daß er sich in dieser Beziehung nach dem Willen der Gemeinde zu richten habe. Erst die tapfere Haltung des Herrn Jules Klein, welcher mit Ernst und Würde auf das Reglement hinwies, nach welchem nur mit der Uebereinstimmung des Ortsrabbiners eine Orgel eingeführt werden kann, sowie der Hinweis aufdie Haltung der kaiserlichen Regierung bei der Orgclfrage in Oberehnheim, bewirkte, daß sich das Eonsistoriunt herbeiließ, der Cultusgemeinde in Hagenau zu erklärelt, daß es ohlle Einwilligutlg des Rabbiners in dieser Angelegenheit etwas zu thun, nicht befugt sei. Was that nun Rabbiner Levy? Sein Herz schlug gewaltig und bange dünkte ihm die Zukunft, weil die romme il taut-Männer, die natürlich auch die reicheren der Gemeinde sind, ihm etwas frostig cntgegentraten. Schleunigst schrieb er nach Straßburg, daß er nunmehr gegell Einführung der Orgel nichts mehr einzutvenden habe. Die Orgelklänge werden nun den Unesane Tailkef am nächsten Rosch haschono begleiten,° ob dadurch Rabbiner Levy die Gunst seiner Gemeinde durch diese kühne That sich errungen hat? Wir möchten es bezweifeln, für die Gesetzestreuen des Unter-Elsaß hat er mit diesem Augenblick zu eristiren aufgehört. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. § Krume, 10. August. Anläßlich des Heran- Nahens der hohen Feiertage ist, wie ich sehe, in einigen jüdischen Organen wieder ein Streit darüber ausgebrochen, ob man nun wieder in Korfu, wo der Antisemitismus noch immer mächtig ist, Eßrogim kaufen soll oder nicht. Meiner unmaßgebenden Meinung nach wäre es zu wünschen, daß die Eßrogimhändler den Korfuer Markt nicht meiden sollen, damit die zahlreichen dort lebenden jüdischen Agrumenmakler keinen Schaden erleiden und damit unsere übrigen dort lebenden Glaubensgenossen keine neuen Anfeindungen erleben. Uebrigens ist der Judenhaß in und auf Korfu schon bedeutend im Rückgänge, und auch auf den anderen griechischen Inseln hat der Antisemitismus, Dank den eifrigen Bemühungen des griechischen Episkopats, das wirklich und aufrichtig bestrebt ist, seine Gläubigen für andere Religions- Secten duldsam zu machen, in den letzten drei Jahren bedeutend abgenommen und selbst die jüdischen Hausirer, die in den Dörfern ihre Schnittwaaren feil bieten, werden jetzt nicht mehr so belästigt, wie früher. Rußland. bl. Petersburg, 17. August. Von hier wird der „Breslauer Zeitung" geschrieben: Bezüglich der Judenfrage hat die Petersburger Regierung sozusagen zwei Seelen in ihrer Brust. Wenn der eine Minister geneigt ist, den „russischen Unterthanen hebräischer Konfession" — wie es im Amtsstil heißt — gewisse Erleichterungen zu gewähren, so wünscht der andere gewiß, die Zügel straffer anzuziehen. Der neue Minister der Volksaufklärung, Bogoljepow, trägt ganz den Anschauungen der hohen Beamtenschaft Rechnung, welche durch und durch judenfeindlich gesinnt ist, obwohl sie offiziell nach den Weisungen des Zaren „alle getreuen Unterthanen ohne Unterschied der Konfession* mit gleicher Liebe zu behandeln hat. Herr Bogoljepow hat gefunden, daß die Verfügung, nach welcher in den russischen Gymnasien die Anzahl jüdischer Schüler 5 pCt. der gesammten Schülerzahl nicht übersteigen darf, sinngemäß auch auf die Mädchengymnasien auszudehnen ist, und seine Kanzlei ist eben dabei, die diesbezüglichen Instruktionen an den Kuratoren der Lehrbezirke fertigzustellen. Weitere Instruktionen sollen den Kuratoren einschärfen, daß die Bestimmungen über den Prozentsatz der jüdischen Schüler auf den Gymnasien, Hochschulen und technischen Lehranstalten strikt unter persönlicher Verantwortung der Kuratoren zu erfüllen sind, eine in Rußland durchaus nicht unnöthige Erinnerung, da hier, mehr wie anderswo,