Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1898)
- Date
- 1898-08-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1214 viele Vorschriften der Centralregierung von den Pro' vinzialdehörden sorgsam registrirt und dann — vergessen werden. Mit feinem Auftreten erfüllt Herr Bogoljepow einenHerzenSwunsch des Moskauer Generalgouverneurs, Großfürst Sergei Alexandrowitsch, dem er noch als Rektor der Moskauer Universität und dann als Kurator des Moskauer Lehrbezirks näher getreten war. Großfürst Sergei Alexandrowitsch ist in ganz Rußland als einer der ersten Gegner des Judenthums bekannt, da für ihn, der in der Zarenfamilie wohl der bigotteste Großfürst ist, nur die Unlerlhauen griechisch-orthodoxe» Bekenntnisses in Betracht kommen. Der Großfürst geräth in Folge dessen auch häufig in Tisterenzen mit dem Minister des Innern, Herrn v. Goremykin, welchem er nominell untergeordnet ist. Herr Goremykin ist im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Durnowo, des derzeitigen Präsidenten des Ministercomilss, ein sehr humaner Staatsmann, welcher wiederholt verursacht hat, die harten mittelalterlichen Ausnahmegesetze gegen die Juden auf dem Wege der „Regulative" zu mildern. So hat es z. B. Herr Goremykin eines Kulturstaates für unwürdig gefunden, daß den kranken Juden verboten ist, in den Kurorten der Schwarzenmeerküste Heilung zu suchen, und dieses Verbot neuerdings aufgehoben. Echt russisch ist es aber auch, daß die lokalen Polizeibehörden die ministerielle Verfüguug vielfach nicht kennen wollten und aus verschiedenen Kurorten die jüdischen Badegäste einfach auswiesen. Einige Kurorte, welche sich durch ein solches Vorgehen materiell schwer geschädigt sahen, wandten sich mit telegraphischen Beschwerden an den Minister des Innern, der dem auch sofort Abhilfe schaffte. Viel vermag aber Herr Goremykin auch nicht zu schaffen. Dazu schränken ihn die Gesetze viel zu sehr ein und ebenso der Widerstand, den er seitens der übrigen Minister kollegen findet. Ist doch z. B. der Minister der Landwirthschaft, Jermolow, dafür, daß in den höheren landwirtyschastlichen Lehranstalten überhaupt keine Juden zugelassen werden. Eine kleine Unterstützung in der Judenfrage findet Herr Goremykin nur zuweilen bei dem Finanzminister Witte, wenn auch nicht deßhalb, wie bei Hof behauptet wird, weil Herrn Wittes Gemahlin eine getaufte Jüdin ist, sondern weil Herr Witte bet wichtigen ausländischen Finanzgeschäften besser abzuschneiden hofft, wenn den Königen des Geldmarktes die Ueberzeugung beigebracht wird, daß Rußland auf dem Wege ist, in der Judenfrage „neue Bahnen" einzuschlagen. Briefkasten der Redaetion. $. in Deutsch-Krone und M. Sch. in G Alle Ihre Anfragen wird Ihnen Herr Alfred Geiger in Frankfurt a. M. mit Vergnügen beantworten. R: 14. 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