Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1898)
- Date
- 1898-08-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1208 men. Die Ursache seines Rücktrittes mar folgende: Vor Kurzem starb hier ein Greis, Namen« G u i se p p e G a i, der von einem nop pp jährlich 8, sage acht Lire, (circa sechs Mark) bezog, um dafür für den betreffenden Todten an seinem Sterbetage das Kadifchgebet zu verrichten. Nach dem Tode Gai's bewarben sich nun zwei Personen um diese so fette Pfründe, ein Armer, der von der Gemeinde für einige kleine Dienstverrichtungen zweihundertvierzig Lire als Gehalt bezieht, und dann Einer, der in geordneten Verhältnissen lebt. Die Pfründe wurde nun Letzterem zugesprochen. Darob entstand eme große Erregung gegen den genannten Präses unserer Cultusangelegenheiten, der die Pfründe zu vergeben hatte, und zog es dieser daher vor, da die Sache auch im CultuSvorstande zur Erörterung kam, zu demifsioniren. 8 Livorno. Der im „Israelit" von einem römischen Correspondenten gemachte Vorschlag, daß das in Rom geschloffene Rabbiner-Seminar nach Livorno als einen rrrai apa, verlegt werden soll, findet nun in Italien allgemeinen Anklang, da man überzeugt ist, daß diese Stadt allein alle die nöthigen Hilfsmittel und Hilfsquellen besttzt, um sie zu einer Pflanzstätte jüdischer Lehre und jüdischen Wissens zu machen. Ein Herr, der sich blos „R. A." unterzeichnet, tritt im „Corrire Jsraelitico" besonders eifrig für diesen Vorschlag ein, indem er darauf hinweist, daß in Livorno ohnedies schon eine Art Ieschiba mit drei Klaffen besteht, in der Unterrabbiner und Hasanim ausgebildet werden. Auch gibt es mehrere jüdische Bibliotheken, wo die Rabbinats- Candidaten sich ruhig ihren Studien widmen könnten, ebenso sind dort einige Stipendien für Thorabefliffene vorhanden. Hoffen wir daher, daß die jüd. Gemeinden Italiens sich noch vor Beginn des Schuljahres aufraffen und an die Gründung eines neuen Rabbiner- Seminars gehen werden. Türkei. § Tripolis. (D i e erste Synagoge in der Sahara.) Wie arabischen Blättern aus der benachbarten Hafenstadt Benghazi geschrieben wird, besteht in der berühmten Handelsstadt Kano in der Sahara feit einigen Monaten eine kleine Ansiedelung von maghrabinischen (marokkanischen) Juden, die über die große Negerstadt Timbuktu dorthin kamen, um dort Handel zu treiben und besitzen sie auch schon ein kleines Bethaus (zalijah), das freilich blos eine Lehmhütte mit einem Strohdache ist. Die Stadt Kano gehört dem Sultan von Jakuba, der wieder ein Vasall des Sultans von Sokoto, des mächtigsten Fürsten der Sahara, ist. In der Wüste Sahara, wo es mehrere Negerreiche mit blühenden Städten gibt, lebten bis jetzt keine Juden, da die Bevölkerung dort, die theils muhamedanisch, theils heidnisch ist, noch zu wild ist. In der neuesten Zeit aber, besonders seitdem die große Stadt Timbuktu von den Franzosen besetzt wurde, haben marokkanische Juden, die bekanntlich sehr unternehmungslustig sind, fleißig Reisen nach der Sahara unternommen, um dort europäische Waaren zu verkaufen. Schließlich haben sich einige derselben in der Stadt Kano, die in der Mitte der Sahara liegt und über die Franzosen eine Bahn von Algier aus nach der Stadt Kauka am Tschadsee bauen wollen, dauernd niedergelassen. > Vermischtem. <4 Berlin Herr W. Schlesinger, Chef der gefeierten Silberwaren Fabrik H. Meyen u. Co., ist zum Hoflieferanten des Prinzen Aribert v. Anhalt ernannt worden. Lemderg. Die von den Mischen Notabilitäten eingeleitete Htlfsaction für die Opfer der Judenhetzen hat leider bis jetzt nicht jenen Erfolg gehabt, den man sich bei der Größe des vorhandenen Schadens versprechen durfte. Gewichtige Stimmen werden lautbar, die dahin gehen, daß manche unserer auswärtigen Glaubensgenossen dem Aufrufe gegenüber feiner servilen Stilisirung wegen, kühl blieben. Alles in allem betragen die bis heute bei Director LazaruS cingclaufcncn Spenden etwa 12.000 Guld n. Durch Vermittlung der zionistischen Blätter „Welt" und ..Przpszlosc,, sind etwa 3.000 fl. eingeflossen. Die Zionisten betreiben eine separate Hilssaction. Grarrdenz Herr M.Lervinsohn ist zum Abgeordneten unserer Stadt für den westpreußischen Städtetag ernannt worden. Feuilleton. verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. 2) Von Samuel B. Rosner. So kam es nun, daß von ihnen beiden, deren Ziele außerhalb der Grenzen talmudischer Berufssphäre lagen, der glänzend begabte, aber ungeschickte, stolze Rüben in die kleinlichen Verhältnisse des Gebirgsfleckens verschlagen wurde, während er selbst, der minder talentirte, aber geschmeidige und praktische MakS Felder sich zur Stellung eines Profeffors durcharbeitete.Er patte die Ferienzeit benutzt, um den Freund in seinem Heim auszusuchen und am letzten Tage ihres Beisammenseins hatten sie einen Gang in die herrlich schöne Gegend unternommen, von welchem sie vor dem sinkenden Abend heimkehrten; morgen sollte er von dem wundervollen Stück Erde wieder Abschied nehmen. Eine Gruppe Bauern kam ihnen entgegep.in der einfach schönen, weißwollenen Tracht des slavisMri Volkes. Dem Städter siel die stattliche,-fast herrisch selbstbewußte Haltung der Männer auf, welche vorübergehend höflich, aber ohne Demuth die Hüte zum