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Der Israelit · 1898-08-22 · Heft 66 (22.8.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 66 (22.8.1898)
Date
1898-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1206 ist in wenig Worten überhaupt nicht auszudrücken. Schreiber dieses möchte oie Führer der Rheydter isr. Gemeinde auf den nach Hof ergangenen Erlaß der kgl. bayerischen Ministerialentschließung vom 14. Juni d. I. (Siehe Nr. 59 des Israelit) aufaufmerksam machen. Zweifellos ist das darin Gesagte auch für Rheydt anwendbar. Ueberhaupt wäre es sehr zu wünschen, daß die jüdische Gemeinde in R. selbstständig, einen von ihr besoldeten arrt»» aiiftellen würde. Es dürste dies auch bei der kgl. Regierung einen günstigen Eindruck Hervorrufen. Die Gemeinde könnte ja die Schächtgebühren für sich erheben. Gewiß würden auch die meisten Gemeindemilglieder dafür stimmen, da Viele eingesehen haben, daß es bester werden muß und wer stch der Befferungsarbeit t'ctr n»S unterzieht, wird es auch «an ws» zum Guten fertig bringen. Hielt da jüngst ein junger Mann, gelegentlich feines Hierseins, einen jüdischen Vortrag, der recht gut zeigte, was Worte fertig bringen können. Zwar sprach der Vortragende nur kurz, aber es waren Worte nbn f» twaw, so daß später Bemerkungen gehört werden: „Wenn immer dahier so gelernt würde, so wäre Vieler Anders" und allseitig wurde das Verlangen laut, doch öfters solche .-nw-Worte zu hören. Vortragender war weder RabbinatSnoch Lehramtskandidat, sondern ein schlichter Kaufmann. Allein, er wußte in einfacher Rede die Zuhörer zu überzeugen, daß nur das Festhalten an unserer heiligen Thora, unsere nrsox zu Ehren bringen kann und daß: mn 8n;n 'vn paii oan dp nur anwendbar ist, wenn wir auch das kleinste Gebot unserer 'n n«n halten. Aber nicht von allen Seiten wurde dem Vortragenden Beifall gezollt, von einer Seite, von welcher man es am Wenigsten oermuthen sollte, wurde der Vortrag tumultarisch unterbrochen, nämlich von Herrn Lehrer M. Dieser, dem der Vortrag augenscheinlich höchst unangenehm war, suchte erst im Vorzimmer des Lokales, den Eindruck durch Witzchen abzuschwächen und als ihm dieses nicht gelang, stürmte er ins Zimmer und rief in lärmerregender Weise, er könne nicht dulden, daß hier falsch (?) gelernt würde. In ruhiger Weise aufgesordert, die eitirten Stellen doch selbst einzusehen, that Herr M. den sonderbaren Ausspruch: „nur die fünf Bücher hätte Gott am Sinai gegeben und was die a'm geschrieben, das gehe ihn Nichts an." Vielleicht gibt Herr M. Aufschluß, wo eigentlich in der n-im die Vorschriften über msri? enthalten sind, oder, warum er, wenn vni auf rat? fällt, nicht icip bläst u. s. w. Als nun anwesende einstige Schüler des genannten Herrn Lehrer proteftirten und erklärten : „Sie selbst Herr Lehrer haben cs uns in demselben Sinne, wie der Vortragende gelehrt," schleuderte Herr M. dem Vortragenden und anwesenden Gemeindemitgliedern eine beleidigende Bemerkung hin und-- ward nicht mehr gesehen. Ueber das Vorgehen des Herrn Lehrers herrscht große Entrüstung. Nachdem nun genannter Herr, der es wie bekannt mit ts« nav u. s. w. nicht genau nimmt, seine Gesinnung so klar an den Tag gelegt hat, ist es an uns, unsere Jugend und spätere Generationen den heiligen Satzungen unserer Religion wieder zuzuführen. Noch ist es nicht zu spät, noch glimmt in den Herzen Vieler das jüdische Herz, aber nun gilt es die angefachte Gluth zu erhalten. Ein großes Verdienst würde sich Derjenige erwerben, der nun, um den Rest vor weiterem Verfall zu retten, bestrebt wäre, es dahin zu bringen, daß mindestens alle 14 Tage ein berufener hi,t (vielleicht vom nahen Köln) öffentlich lernen und die Gemeindemitglieder über Pflicht und Gebote belehren würde. Vielleicht bewegen diese Zeilen und der in diesen Tagen beginnende Schofarruf das Herz eines Einzigen, sich der Sache Gottes anzunehmen und sie zum Ziele zu führen. Wir hoffen recht bald in diesen Blättern geeignete Schritte oder Vorschläge hiezu zu finden, damit bald in Erfüllung gehe 'n 7» bai. Mülhausen i. E., 19. Aug. In einer der jüngsten Nummern, der in Berlin erscheinenden „Israelit. Wochenschrift" werden die Consiftorien und Oberrabbiner vom Unter- Elsaß und von Lothringen, heftig angegriffen, während im gleichen Artikel das Eonsistorium und der Oberrabb. des „O be r- Elfaß" über die Maßen gelobt wird. Wir haben absolut keinen Grund und keine Veranlassung für Erstgenannte eine Lanze zu brechen, möchten aber den so sehr in den Himmel gehobenen bezeichneten jüdischen Behörden des Ober-Elsaß folgendes Circulair vor Augen halten: S t r a ß b u r g, den t. Juli 1898. Mrcular Um das Wissen der mangelhaft ansgebildetcn Vorsänger zu heben, damit Letztere im Stand seien, in Gemeinden, wo feine israelitischen Elementarschulen bestehen, den Religionsunterricht gehörig zu ertheilcn, würden wir sehr gerne sehen, das; unsere Rabbiner jeden Monat zweimal die Vorsänger zu fick kommen ließen mtb dieselben zu diesem Zwecke vorbereitete», Andererseits, in der Hoffnung, eine Verbesserung herbcizuführen, soll in der Zukunft jeder Vorsänger-Zögling, nach seinem Austritt aus der Elementarschule, mindestens ein volles Jahr Religionsstunden bei einem Rabbiner nehmen, damit der junge Vorsänger sich die Uebcrsctzuiig des Peniatcuchs mit Raschis-Kommentar und die Anfangs gründe der hebräischen Grammatik, aneigne. Ein Attest soll dem zum Vorsängerdienste heranznbildenden Zöglinge überreicht werden. Jeden! Vorsänger ist untersagt, Vorsänger-Aspiranten anzunchmen und heranzubilden, die nicht vorgeschriebenes Ältest norzuzeigcn im Staudt sind. Bei dem Schluß-Eramen prüft der Herr Ober-Rabbiner den Kandidaten in oben erwähnten jüdischen Unterrichtsstoffen, sowie in den Fachkenntnissen über die NV'NV- Herr Ober- Rabbiner hält auch seine frühere Verordnung aufrecht, wo-

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