Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1898)
- Date
- 1898-09-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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11415 talmudischen Wissens und streng orth. Richtung, doch voll und ganz der modernen Zeit entspricht. Italien. 8 Rom, Anfangs Sept. nnp-tt enw ot Wer die Synagogen Roms vor 1870 besucht hat, und dieselben heute wieder aufsucht, der wird gewiß erstaunt sein darüber, welche Veränderungen das Rad der Zeit auch an diesen Gotteshäusern vollzogen hat. Damals waren die Synagogen am Sabbat, von den hohen Feiertagen gar nicht zu sprechen, überfüllt von Andächtigen, die aus allen Gassen und Gäßchen des Ghetto herbeigeeilt waren, um hier ihre Seele vor Gott auszuschütten, und von ihm bessere Zeiten zu erflehen. Nun sind diese besseren Zeiten gekommen, Rom wurde die Hauptstadt des Königreiches Italien, das Ghetto wurde aufgehoben und die römischen Juden emancipirt. Mit dem Drucke hat aber auch die Frömmigkeit der Juden Roms, deren Stadt bisher allgemein «an mpnp nvnp genannt wurde, aufgehört und zugleich auch der eifrige Synagogenbesuch. Betritt man heute eine römische Synagoge am Sabbat, so ist man erstaunt über die Leere, die daselbst herrscht. Nun haben sich aber zahlreiche Frauen hier entschlossen, am Sabbatabend mit ihren Kindern die Synagoge zu besuchen und dort das Minchagebet zu verrichten. Mancher Ehegatte wird so gezwungen sein, wenn er seine Frau nicht allein wird ausgehen lassen wollen, sie in die Synagoge begleiten, um dort ebenfalls seine Andacht zu verrichten. Türkei.? Konstantinopel. Herr Leon P i p e r n o, der Ehrensekretär der italienischen Gemeinde in Konftantinopel, hat von dem Sultan den Osmanieorden erhalten. Diese Ordensverleihung hat große Freude hervorgerufen, einmal wegen der allgemeinen Popularität des Ausgezeichneten, dann weil man diesen Gnadenakt des Sultans auf dessen eigenste Initiative zurückführt. Afrika.? Algier, Anfang September. (M i d j a n und M o a b.) Aus Temet el Haad kommt die Nachricht, daß die Eingeborenen, nachdem sie erst einander bekriegt hatten, sich plötzlich vereinigt haben, die Juden zu plündern. Sie haben mehrere jüdische Läden geplündert und die Besitzer, die sich zur Wehr setzten, mehr oder weniger schwer verletzt. Ebenso kam es in Medea zu heftigen Konflikten zwischen Juden und Antisemiten, bei denen zwei Juden für tobt auf dem Platze blieben. Der Zusammenstoß war so heftig, oaß das Militär aufgeboten werden mußte, das dann die ganze Nacht auf den Beinen blieb. Diese neuen Krawalle sind ein böses Omen für die Amtsführung des neuen Generalgouverneurs. ' Vereine und Lüftungen. V. Höchberg (Bayern). Dem Jahresbericht der Lazarus Ottensoser-Stiftung für die israelitische Präparandenschule (Talmud-Thora) Hierselbst für 1897, bezw. 1897/98 entnehmen wir: Auch den fünften Jahresbericht können wir mit dem befriedigenden Gefühle unseren Freunden und Gönnern darbieten, daß es uns mit Hülfe des Allgütigen möglich war, die zur Erfüllung des Stiftungszweckes nothwendigen Mittel aufzubringen. Es sind unserer Stiftung nicht nur die alten Freunde treu geblieben, sondern es haben sich zu denselben noch neue gesellt. Und wahrlich, sie können sich ruhig dem Bewußtsein hingeben, daß sie ihre Gaben einer guten Sache zugewendet haben; denn was giebt es wohl Höheres, als eine Anstalt zu fördern, die sich zur Heranbildung von Lehrern, den dereinftigen Bildnern unserer Jugend, zur Aufgabe macht und dabei in nicht geringem Maße die Förderung des Thorastudiums bezweckt. Daß die Schute dieser ihrer Aufgabe nachkommt, mögen die geehrten Leser aus dem Schulberichte ersehen. Die Lehrer unserer Anstalt streben die Errichtung einer Pensionskasse an. Die Berechtigung dieses Wunsches ist voll und ganz anzuerkennen, und dessen Verwirklichung würde um vieles erleichtert, wenn die zahlreichen früheren Schüler unserer Anstalt durch Zuwendung zahlreicher Spenden zur Errichtung eines Pensionsfonds für die hiesige Anstalt eine alte Dankesschuld abtragen wollten. Durch hohe und höchste Entschließungen vom 18. und 27. August vorigen Jahres wurde verfügt, daß in der Folge — mit dem laufenden Schuljahre beginnend eine Schlußprüfung an der Anstalt eingeführt wird. Deren Bestehen berechtigt zum Uebertritt in die isr. Lehrerbildungsanstalt Würzburg, nach bei höchster Stelle erwirkter Dispens auch zitnl Eintritt in ein Kgl. Schullehrerseminar. Die Schülerzahl betrug 35. Unsere dürftigen Schüler wurden auch in diesem Jahre in hochherziger Weise unterstützt. So wurde unsere Schule wie seit Jahren von höchster Stelle, dem Königlichen Staats- Ministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten, durch die hohe Kgl. Regierung eine staatliche Unterstützung von 250 Mark für die würdigsten und dürftigsten in Bayern beheimatheten Präparanden gnädigst überwiesen. Dieselben sind an sechs Schüler vertheilt worden; die entsprechende Mittheilung ward vor versammelten Zöglingen gemacht. Solche wurden hierbei aufaefordert, dieser hohen Gnade stets eingedenk zu bleiben und dereinst dadurch ihren Dank zum Ausdruck zu bringen, daß sie sich jederzeit als treue Unterthanen und Staatsbürger erweisen, in inniger Liebe und unverbrüch-