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Der Israelit · 1898-09-22 · Heft 75-76 (22.9.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 75-76 (22.9.1898)
Date
1898-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1402 der zählt. Im Ganzen besteht die hiesige Gemeinde aus arbeitsamen, guten Elementen, wenngleich nicht geleugnet werden kann, daß sich lewer auch eine Anzahl Gesindel, Mäochenhändler rc. eingeschlichen hat. Demnächst werden hier auch zwei Zeitungen im Jargon erscheinen. Palästina. 8 Jericho. (Ein Dampfschisschen auf dem Jordan.) Auf der unteren Strecke des Jordans und zwar von der hölzernen Brücke an, die von unserem Städtchen ins Moabiterland führt, bis zu besten Einmündung ins Todte Meer verkehrt jetzt ein kleines Dampfschiffchen, das circa zwanzig bis dreißig Personen fasten kann. Das Schiffchen bewegt sich sehr langsam vorwärts, da sich in diesem Theile des Flusses, besonders bei dessen Eintritt ins genannte Meer mehrere Sandbänke befinden, über die das Wasser hinwegströmt. Auf Verlangen der Passagiere fährt das Schiffchen manchmal auch eine weire Strecke ins Todte Meer hinein. DasDampfichiffchen heißt „ProdromuS" und gehört dem hiesigen griechischen Kloster, besten Abt, P. Pachonius, sich um die Gartenkultur hier sehr verdient gemacht hat. Für den Handel und Verkehr kann das Schiffchen nichts Liften, da es nur eine geringe Tragfähigkeit besitzt. Afrika.? Algier. Es wird immer klarer, daß der neue Gouverneur Laserrerre den Frieden der Kolonie dadurch herzustellen gedenkt, daß cr den Antffemiten ein weites Stück entgegenkommt und von den Rechten der Juden ein gut Theil opfert. Er hat dem antisemitischen Deputirten Morinaud erklärt, daß er keinerlei Initiative ergreifen würde, aber zu einem Gutachten von der Regierung ausgesordert, sich für die Aufhebung des Ediktes Cremieux, also für die Entziehung des Bürgerrechtes, das die algerischen Juden seit 1870 besitzen, aussprechen werde. Gleichzeitig hat er den Maire von Medeah öffentlich scharf getadelt, weil er „den Angriffen der Juden" nicht energisch genug entgegengetreten sei. Also jetzt sind schon die Juden die Angreifer! Vermischtes. Frankfurt a. M. Der Verein zur Pflege und Unterstüpung israelitischer Kranker (Bikkur Cholin, gegründet von Tr. Markus Hirsch, versendet seinen fünften Bericht, umfassend den Zeitraum vom 2 Mär,; 1897 bis 2. März 1898. Der Verein, der eö sich zur Aufgabe gemacht hat, solche israelitische Kranke, die in den hiesigen Svitälern keine Aufnahme finden» durch Gewährung von Nahrungs- und Stärkungsmitteln zu unterstützen, verausgabte in dieser Zeit Mk. NGl 9 und lieferte dafür IG,989 Liter Milch, 38,026 Eier, -1717 Pfund Fleisch n. s. w. Seit Gründung des Vereins wurden im Laufe von neun Jahren bis jetzt im Ganzen Mk. 46,414 verausgabt. Er bittet um lveitere Unterstützung durch Beitritt und gelegentliche Zuwendungen. Feuilleton. verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn, ii) Bon Samuel B. Rosner. Vor diesem Häuschen, welches Mirjam, die Schameswittwe, bewohnte, machte der Rabbiner Halt und klopfte am Fenster. Es dauerte eine Weile, bis im Innern eine harte verdrossene Stimrne laut wurde: „Wer ist da?" „Machet auf, Mirjam," sprach der Rabbiner. Schwere, schleppende Schritte ließen sich vernehmen und bald drehte sich die Thüre knarrend in den Angeln. Die alte Mirjam, die im dunklen Rahmen der Thüre erschien, hatte ein wenig einladendes Aeußere. Sie war von übermittelhoher Gestalt, ihr Nacken von der Last der Jahre und mannigfacher Prüfungen gebeugt. Ihr großes, dunkles Gesicht von zahllosen Runzeln durchzogen, mit den buschische», unwirsch blickenden Augen, machten geradezu einen unheimlichen Eindruck. Jedoch, wie in so vielen anderen Fällen, trügte der Schein auch hier, denn dieses im steten Kanrpf mit Armuth und Entbehrungen alt gewordene Weib barg hinter dem abstoßenden Aeußern ein Herz voll milden, menschenfreundlichen Erbarmens. — Mirjam schien von dem nächtlichen Besuch nicht sonderlich überrascht zu sein. Es war nicht das erste Mal, daß sie in ähnlicher Angelegenheit aufgesucht wurde unb sie erkannte sofort um was es sich handle. Die Männer traten ein und Mirjam geleitete sie wortlos in die rückwärtige Kammer. Rüben und Mirjam blieben am Tische stehen, während der Rabbiner von ihnen abgewandt, das Gesicht nach Osten gerichtet, ein leises Gebet murmelte. Seine Augen waren dabei geschlossen; manchmal erhob er die Stinlme und diese bebte in einer tiefen Ergriffenheit. Endlich wendete der Greis sich den andern zu und unterbrach das im Zimmer herrschende, erwartungsvolle Schwelgen. „Mirjam, baß*) Lea," hob er mit feierlicher Stimme an, „es steht geschrieben: Wenn man einen Erschlagenen findet, der auf dem Felde liegt und man weiß nicht, wer ihn erschlagen hat, da sollen die Aeltesten hintreten zu dem Erschlagenen und sollen also sprechen gegen einander: unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen uild unsere Allgen es nicht gesehen. Vergib, o Ewiger, dem Volke Israel, das Du erlöst hast, und rechne es ihm nicht als unschuldig vergostenes Bült an und das Blut sei ihnen versöhnt. Ich frage Euch nun; ivottt Ihr abwenden *) Tochter Leahs.

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