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Der Israelit · 1898-09-22 · Heft 75-76 (22.9.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 75-76 (22.9.1898)
Date
1898-09-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1401 durch besondere Gottesdienste gefeiert. In größeren Gemeinden sind bei dieser Gelegenheit die Armen reichlich beschenkt worden. Der Vorstand der Petersburger Gemeinde hat beschlossen in der sogenannten Alexanderhalle der Synagoge die Büste des Kaisers Alexander des II. aufzustellen. — Aus Sibirien werden jetzt fortgesetzt Juden ausgewiesen, selbst solche, die wie Söhne der Reservisten das absolute Wohnrecht auch in Sibirien haben. In einzelnen Fällen, wenn die von den Ausweisungen Betroffenen den Muth und die Ausdauer haben, bis an die höchste Instanz zu gehen, hebt der Senat die Ausweisungsverfügung auf, aber in den meisten Fällen sind die Betroffenen nicht in der Lage ihr gutes Recht mit solcher Ausdauer zu verfechten. — Die Beschränkung der Aufnahme jüd. Schüler an Universitäten und Gymnasien macht sich wieder recht fühlbar. So wurden von 94 Abiturienten, von denen 10 die höchste Auszeichnung, eine goldene Medaille besitzen, nur vier zugelassen, ebenso auf der Marineschule in Odeffa von sieben Bewerbern nur einer. — Wie groß der Eifer der jüdischen Knaben ist, ein Handwerk, und wäre es auch das Schwerste, zu erlernen, beweist die Thatsache, daß in Odeffa sich zur Aufnahme in die jüdische Handwerkerschule mehr als 150 Knaben gemeldet haben, während nur 50 Vakanzen sind. Schweiz.? Basel. Unter den wichtigsten Aufgaben, die das zionistische Aktionskomitee übernommen hat, gehört sicher die Eroberung der Gemeinderepräsentanz. Mit dem Wiener Geineindevorstand soll der Anfang gemacht werden; bei den Wahlen, die im November für denselben ftattfinden, soll die zionistische Partei in Wien ihre erste Kraftprobe ablegen. Man darf gespannt sein, wie dieselbe ablaufen wird. — Der Architekt Oscar Ma rm orek, der die Pläne zu dem Kongreßhaus in Basel entworfen hat, ist bei der Kantonsregiorung um Ueberlassung eines Bauplatzes eingekommen. Es ist seltsam, daß man dem Kongreß diesen Vorschlag gar nicht ernsthaft zu machen gewagt hat und doch an seine Ausführung geht. Holland.? Haag. Von Amsterdam hat sich unsere junge Königin hierhier begeben, wo sie mit nicht geringerem Pomp empfangen worden ist. Unter anderem war eine Ehrengarde gebildet, fast nur aus den Söhnen der alten Adelsfamilien bestehend. Auch der Junker F. E. Lopez Suaffo, aus einer der ältesten fephardischen Familien Hollands stammend, nahm daran Theil, sowie der reiche Bankier I. Kann, der Mitbegründer der zionistischen Kolonialbank. Jüdische Adelsfamilien gibt es übrigens in Holland nur zwei, die Lopez Suaffo und die Texeira de Maltos, doch glaubt man, daß anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten auch T. M. C. Affer, einer der ersten Juristen Hollands, geadelt werden dürfte. Türkei.? Salonichi. Unsere Stadt zählt bekanntlich unter ihren 130,000 Einwohnern, nahezu 80,000 Juden. Dieselben leben aber in Folge ihrer Armuth in äußerst bescheidenen Wohnungen, und obwohl sie mehr als die Hälfte oer Bevölkerung ausmachen, gehört ihnen doch kaum der zehnte Theil der Häuser, und ihre Wohnungen sind fürchterlich eng und klein. Der gegenwärtige Umzug, gewohnheitSgemäß findet derselbe alljährlich zwischen dem 15. Ab und dem Ultimo Ellul statt, bietet eine gute Gelegenheit sich über die Wohnungsverhaltniffe zu informiren. Leider sind die Ergebniffe solcher Forschung sehr schlechte und die ungünstigen Wohnungsverhältniffe erklären auch zum größten Theli die schlechten sanitären Verhältniffe unter den hiesigen Israeliten. Argentinien. '< Buenos Ayres. Auch in unserer großen Handelsstadt hat sich allmählich eine namhafte jüdische Gemeinde gebildet. Israeliten aus allen Ländern der Welt sind hier zusammengeströmt und natürlich haben sich auch verschiedene Congregationen gebildet, in denen sich die Landsmannschaften zusammensinven. So besteht hier die offizielle Oon^re^ation Israelita de hi RepubHca Arg-eiitina in der die deutschen und französischen Juden vorwiegen, ferner die sephardische (.'ongreffation Israelita Latiua und dann vor allem die Gemeinden der russischen Israeliten, die eine kompakte Masse von ca. 400 Familien bilden. Die meisten von diesen sind erst in den letzten drei Jahren nach Buenos-Ayres gekommen und haben hier eine Anzahl von Industrien eingeführt, die vorher in Argentinien unbekannt waren. So ist die Fabrikation von Herrenkleidern, Hüten, Posamenten, Stickereien Seife k. erst durch diese Einwanderer ermöglicht worden. Auch eine große Anzahl von anderen Handwerkern sind unter diesen vertreten. Metallarbeiter, Schneider, Schuster re., einige haben sich mit der Weinbereitung in der Provinz Mendoza beschäftigt und dabei sehr gute Erfolge erzielt. Indessen sind auch auf der Universität in Buenos-Ayres einige russisch-jüdische Studenten, sowohl in der Medizin, als in der juristischen Fakultät, Natürlich ist die letzte große Bewegung in der Judenheit auch hier nicht spurlos vorübergegangen, mehrere zionistische Vereine sind begründet worden, so noch kürzlich ein Verein Mohilewei, der schon mehr als 200 Mitglie-

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