Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1898)
- Date
- 1898-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1400 Aus Ostrowo hören wir, daß Herr Rabbiner Dr. Freund aus Czarnikau einstimmig als Nachfolger des so früh verstorbenen Herrn Rabbiner Dr. Pl eßner gewählt worden ist. Ob Herrr Dr. Freund die Wahl schon angenommen hat, können wir nicht in Erfahrung bringen. — Der „Breslauer Zeitung" entnehmen wir, daß in StaniSlau (Galizien) am Sonnabend, also dem ersten Tage m, unter der jüdischen Einwohnerschaft eine große Panik entstand infolge des Gerüchtes, Anarchisten beabsichtigten die Synagoge in die Luft zu sprengen. Angesehene Männer der Gemeinde wurden sofort bei der Stadtverwaltung vorstellig und setzten es durch, daß die Bethäuser mit Sicherheitswachen umgeben wurden, welchen den zum Gottesdienste sich Begebenden den Eintritt nur gegen Vorweisung von Einlaßkarten gestatteten. Der Gottesdienst verlief indeß ohne Zwischenfall. Kleittheubach a. M., 19. Sept. Schon seit Jahren war es unser sehnlichster Wunsch, unserer Synagoge, vor 90 Jahren erbaut, ein besseres und schöneres Gewand zu geben. Um die Mittel hierzu zu erlangen, haben einige Gemeindemitglieder vor 2 Jahren einen Verein zur Verschönerung der Synagoge gegründet. Durch Spenden von edelgesinnten Mitgliedern und Nichtmitgliedern wurden wir in den Stand gesetzt, das Gotteshaus schön und zweckmäßig Herstellen zu lassen. Am “j'ri D'axa 'ß nn» konnten wir wieder den Gottesdienst in der neuhergerichteten Synagoge abhalten. Unser Lehrer, Herr Schonunger, welcher bereits 30 Jahre zur größten Zufriedenheit hier fungirt, hielt bei dieser Feier, einen gediegenen Vortrag, welcher allgemeinen Beifall fand. Derselbe sprach zuerst Tr’ztm Dank aus, unter Zugrundlegung der Worte der '7! nSrr, tsik ■-! ron : moEr:, dann sagte er Dank den edlen Spendern der Geldgaben und denen, welche zur Ausstattung der Synagoge beigetragen. Der Frauenverein spendete ein prachtvolles kic, andere Frauen spendeten schöne Decken und Verzierungen; auch denjenigen, welche sich der Mühe unterzogen, dies alles zu veranlaßen *?»atr7 cy cpwrr tai, wurde Dank gezollt. Dann ermahnte der Vortragende die Gemeinde, daß im n'2 Eintracht und Friede, Ruhe, Ordnung und Andacht herrsche und machte aufmerksam auf die Heiligkeit des Gotteshauses und die Wichtigkeit des Gebetes. Hiebei wurden folgende Fragen erörtert: Wann sollen wir im Gotteshaus erscheinen und wie sollen wir erscheinen, warum sollen wir ins Gotteshaus kommen, wie sollen mir beten, und zu welchem Zwecke sollen wir die Kinder mitbringen. Letzterwähnte Frage wurde unter Hinweis auf den Vers: i-cbv wcer «6 *>b\x n rs beantwortet. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. § Serajewo. Der hiesigen deutsch-jüdischen Gemeinde steht ein großer Verlust bevor. Ihr vor zwei Jahren aufgenommener Rabbiner, Dr. Samuel Funk, Schüler des Hildesheimer'schen Seminars, wurde von der israelitischen Religionsgemeinde in Preßburg zu ihrem Prediger ernannt. Diese Gemeinde hat bekanntlich vor einigen Wochen ihren Prediger Dr. Julius David auf eine sonderbare Weise verloren. Dr. Funk wird nun in Preßburg nebst deutsch auch ungarisch predigen. § Pancsova. Die Angelegenheit unseres bisherigen Rabbiners Dr. K e l e m e n ist nun geordnet und definitiv beigelegt. Derselbe erhält 2000 fl. als Abfertigungssumme unter der Verpflichtung, daß er unsere Gemeinde, wo er nicht besonders rühmlich gewirkt, unverzüglich verläßt. Ob Dr. Kelemen sich baldigst wieder um einen Rabbinerposten bewerben wird, das wisien wir nicht; wir wünschen ihm indeß, er möge baldigst ein Brod finden. Italien.? Rom. Unser Glaubensgenosie, der Unterstaatssekretär der Finanzen, Leone Wollemberg hat am 30. August vom Könige das Kommandeurkreuz des Ordens der Italienischen Krone erhalten. Sein Vorgesetzter der Finanzminister Caro an o begleitete diese Verleihung mit einem höchst schmeichelhaften Briefe für den verbältnißig noch sehr jungen Beamten. Frankreich. X. Poris, 16. Sept. Die Untersuchung gegen die drei Antisemiten Rinder, Guichard und Rotout, die gegen den Chefredakteur der energisch für die Revision des Dreyfußprozesses eintretenden „Grande Bataille" Herrn Philibert Roger und dessen Gattin einen Mordversuch begingen, hat ergeben, daß dieselben von bisher noch nicht bekannten chauvinistischen Hetzern gedungen waren. Es scheint da eine wohlorganisirte Bande von Messerhelden im SDienfte einer geheimnißvollen antisemitischen Verbindung zu bestehen, die alle Kämpfer für Dreyfuß bei Seite schaffen will. Jedenfalls ist bereits ermittelt worden, daß gegen Clemenceau ein ähnlicher Versuch, wie gegen Roger, angezettelt war, aber mißglückte. Rinder, der Führer der Bande, war schon bei den Judenhetzen in Algier betheiligt gewesen; man hat bei ihm einen genauen Bericht über ben Ueberfall Roger's und seiner Frau gefunden. Rußland. v Petersburg. Am 28. August haben die russischen Juden im ganzen Reiche mit großem Enthusiasmus das Andenken des Kaisers Alexander II.