Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1898)
- Date
- 1898-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1399 waren gebracht. Sein Geschäft im Allerheiligsten war jetzt nur, die Pfanne des Kohlenfcuers herauszutragen, damit sie für künftigen Dienst bereit sei. So, o Sterblicher! trittst auch Du, nachdem in den drei ersten denk- und arbeitsfähigeren Lebensperioden als treuer Priester Du Deinem himmlischen Vater in seinem Erdenheiligthume gedient und Deine Opfer gebracht hast, wenn die Sonne Deines Lebens gegen Abend sich neigt, in das geistes- und körperschwächere Greisenalter, wo Deine Tugenden, Deines Namens Nuhm, wie Weihrauch Dlch lieblich umduften. Nicht um eine Rauchwolke zu entzünden, trittst Du jetzt in dieses Heiligthum; Du vermöchtest dieses nicht, denn Dein Geiftesfeuer ist verglimmt; Du bedürftest dieses nicht, denn das Heiligthum ist erfüllt vom Weihrauchduft Deines Jugendlebens. Auch nicht um zu opfern trittst Du jetzt ein; Deine geschwundene Kraft vermag keine neue Opfer zu bringen. Eine Aufgabe ist Dir aber noch gebtieben, die Du vor der Bundeslade des Herrn, die Du für seine heilige Religion zu lösen hast, die Aufgabe nämlich, den künftigen Dienst des Allgütigen vorzubereiten, die Jugend zu belehren, sie anzutreiben zum Dieuste des Herrn und zur Beschäftigung mit seiner Lehre, ihr Leben zu überwachen und durch weisen Rath zu lenken — dieses ist der große Nutzen, welchen das erfahrene Alter mit seinem ehrfurchtgebietenden Ansehen noch im Heiligthume des Herrn zu schaffen vermag. Alsdann aber, Erdenpriester! verläffest Du den heiligen Tempel und legst Deine Prieftergewänder, wie der Oberpriester einst, für immer ab. Nicht als dienender Priester, sondern als geliebter Sohn kehrst Du vom Erdentempel nach dem väterlichen Hause der himmlischen Heimath zurück; dahin wo Unschuld nicht als Zierde gilt, weil man dort die Schuld nicht kennt; dahin, wo es keine Sünde giebt, gegen die Schamgefühl zu schützen hätte; wo Unrecht und Thorheit nicht Eingang finden, und darum auch Recht und Weisheit nicht als Schmuck gelten. Des Herrn Majestät ist dort der höhere Schmuck, der seine Frommen überstrahlt. So, o Erdenkinder! Sei Euer ganzes Dasein eine Nachbildung des ehemaligen Dienstes am Versöhnungstage im Tempel des Herrn, und was von diesem Tage heißt, daß sein Schluß Versöhnung spendet und von Sünden reinigt, wird dann auch an Euch erfüllt. Die sinkende Sonne Euers Daseins, der Tod, sühnt jelbst diejenigen Schulden gegen Gott, welche des Allvaters Barmherzigkeit nicht schon im Leben, ihrer Größe wegen, getilgt. Lieblich, wie die Rose, glänzend wie der Vollmond, strahlend wie die Sonne, heißt es, war die Erscheinung des Hohenpriesters, wenn er aus dem Heiligthume trat. So auch, Beseeligte! die Euere, wenn Ihr, nach vollbrachtem Priesterdienste aus dem Erdenheiligthume zurückkehret, eiten ksmp wn vnmi6 ntw rvr\ nie erc ü'-pn je, ein Freudenfest feierte der Hohepriester in der Mitte seiner Lieben, wenn er glücklich aus dem Heiligthume gekommen. Wonneerfüllt feiert auch Ihr in der Mitte Eurer Theuern eine Ewigkeit, wenn glücklich Ihr aus dem Erdentempel herausgetreten, und rein vor dem Antlitze Eures himmlischen Vaters erscheinet. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Breslau. Wie Ihnen in einer früheren Correspondenz bereits gemeldet worden war, beabsichtigte die hiesige Gemeindeverwaltung den im großen Saale des ConcerthauseS ftattsindenden Zweiggottesdienst an den nwi; unter Begleitung der großen Concertorgel abzuhalten. Es wird Ihnen eine Genugthunng und innere Befriedigung gewähren, wenn Sie erfahren, daß man von dieser höchst überflüssigen Einrichtung keinen Gebrauch machen konnte, weil bei den „Vorpcoben" (.sic!) zum!i'»-Gottesdienste sich herausstellte, daß zwischen dem Begleitinstrument und dem Kantor absolut keine Verständigung ermöglicht werden konnte, mithin der musikalische Gennß ein sehr fraglicher geworden wäre. Und so ging denn der Gottesdienst ohne Orgel in würdevoller, erhebender Weise vor sich. Und die Moral von der Geschicht-'. Wreschen, 16. September. Herr Hauptlehrer N e u f e l d, welcher über r>0 Jahre ununterbrochen an der israelitischen Schule in Schrimm segensreich gewirkt hat und am 1. Juli d. I. in den Ruhestand getreten, hat vom Königlichem Ministerium in Anerkennung seiner Tüchtigkeit im Amte die Dienstauszeichnung erhalten. — Die freiwillige Feuerwehr in Schrimm, deren übliches Vorstandsmitglied Herr Neufelv gewesen, bereirete ihm bei seiner Uebersiededelung nach Berlin eine Ehrung besonderer Art und ernannte ihn zum Ehrenmitgliede, unter diesbezüglicher Ueberreichung eines Prachtvoll ausgestatteten Diploms. In Gostyli (Provinz Posen) fand am 12. September die Einweihung der neugebauten Synagoge statt. Die Herren Rabbiner Dr.Dr. Bombe r g e r aus Schildberg und Bäck aus Liffa hielten gedankentiefe und stimmungsvolle Weihereden, während Herr Oberkantor Cerini aus Breslau den gesanglichen Theil der Feier glanzvoll ausführte. An der erhebenden Feier hatte eine große Anzahl angesehener christlicher Mitbürger theilgenommen, auch hatten sich viele Glaubensgenossen aus der Umgegend zu diesem nL'n trrp eingefunden.