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Der Israelit · 1898-09-22 · Heft 75-76 (22.9.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 75-76 (22.9.1898)
Date
1898-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1398 vom Feuereifer, der in ihnen flammt, zun: Duft aufgelöst werde. Mit andrem Opfer, mit andrem Dienste, tritt der Erdensohn in feiner zweiten Lebensperiode, im Jugendalter, vor Gott in seinen heiligen Tempel. Hier ist schon sein Geist geweckt, sind schon seine Fähigkeiten gebildet; er vermag schon das Höhere zu schauen, zu beurtheilen; ihm ist Zurechnungsfähigkeit gegeben, und er vermag daher zu sündigen. Aber noch hat sein Leben nur eine Seite; noch ist, oder soll wenigstens sein Leben nur dem Heiligen zugewendet sein. Die Beschäftigung mit der heiligen Gotteslehre fällt, nach der weisen Anordnung unserer alten Lehrer der Mischna, in diese Jugendperiode; und selbst wenn, wie nach dieser Anordnung er es soll, gegen Ende dieser Jugendperiode er den Bund der Ehe geschlossen, so beginnt doch für ihn noch nicht jetzt, vielmehr mit dem Mannesalter erst das Leben der Sorgen, welches von dieser ausschließlichen heiligen Beschäftigung ihn abhält. In dieser Jugendperiode hat der Erdensohn zwar schon Sünden, doch nur Sünden gegen das Heiligthum zu sühnen; Sünden gegen Gott und seine Lehre, Sünden gegen die, gegen welche er auch schon jetzt, bevor er noch ins thätige Weltleben eingetreten, heilige Verpflichtungen hat. Es sind dies die sieben Verwandte, die ihm im Leben am nächsten gestellt sind, und bei deren Tod daher selbst der Priester sich verunreinigen durfte. Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Sohn und Tochter und die Gattin dem Gatten. Einmal gegen die Oberfläche des Deckels ward mit dem Opferblut gesprengt. — So soll Qejüfynt werden, was man gegen Gott begangen, dessen Herrlichkeit hier thronte, und siebenmal ward nach unten gesprengt mit dem Blute, dem Bilde des Lebens, zu dienen und zu versöhnen, was begangen worden gegen die Sieben, die unten im Heiligthume des Dasein uns als heilig am nächsten gestellt sind. Wie aber, o Jugend! wenn schon in dieser Periode, die nur dem Heiligen gewidmet sein sollte, du dich von demselben theilweise oder gar ganz abzieheft, wenn nur irdischen Beschäftigungen du dich zuwendest, irdischen Genüssen du nachjagst? Du bist ohne das gehörige Opfer ins Heiligthum des Herrn getreten, und dieses Vergehen kann nur mit dem Tode gesühnt werden. Du stirbst geistig ab und frühzeitig schon ist Dein Lebensfaden als Mensch, als Erdenpriester abgeschnitten. So dienend tritt der Sterbliche in das Mannesalter. Hier hört sein Leben auf, ein einseitiges, nur geistiger Beschäftigung geweihetes zu sein. Es entstehen Pflichten zur Ernährung der Familie, Pflichten zur Erhaltung der Gesellschaft, Pflichten gegen den Staat, die er zu erfüllen hat. Darum muß hier in dieser Mannesperiode sein Leben ein getheiltes, zwischen: Himmlischem und Irdischem sein. Er hat einen Theil seines Lebens, seiner Mühen und Sorgen dem Göttlichen, den andern dem Menschlichen zuzuwenden. Wir sehen dieses versinnlicht in den zwei Ziegenböcken dargestellt, wovon der eine als Opfer Gott geweiht, der andere aber der Wüstenei des Lebens geopfert wird. Und darnach stehen beide vor Gott in seinem Heiligthume. Im Menschen sind Himmel und Erde vermählt, so hat die Weisheit des Schöpfers es gefügt. Er verachtet daher auch den Körper und seine Bedürfnisse nicht, und läßt dieselben unter gleichen Ansprüchen aus die Lebensthätigkeit des Sterblichen, neben denen der Seele bestehen, welche nur der Ehre des Herrn gewidmet sind. Aber nur so lange stehen auch die körperlichen Beschäftigungen vor Gott in seinem Heiligthume, als sie nicht sündenbelastet erscheinen, sowie auch das andere Ziegenböcklein, bis es zum Träger der Sünden geworden, im heiligen Tempel stand. Sobald jedoch durch des Priesters Bekenntniß Israels Schuld an ihm haftete, ward aus dem Heiligthume er entfernt, und auf rauhem Felsenberge, im wüstem Lande, dem wrw, dem Verderben prcisgegeben. So darf auch das Schuld- und Sündhafte körperlicher Lüste und Thätigkeit in menschlicher Gesellschaft nicht weilen, muß hinweggetragen werden nach verwünschten: Lande, muß vertilgt werden in der Wüstenei des Lebens, damit es die friedlichen Söhne der Erde nicht in ihren Wohnungen beunruhige. Merkt es, Verehrte! Nur getheilt zwischen Himmlischem und Irdischem, ganz aber Gott in seinem Heiligthume geweiht soll Euer Leben sein. Wie aber, o Männer Israels! Wenn ihr eurer Lebensbeschäftigungen wegen, Gott und seiner heiligen Lehre den Rücken kehrtet, wenn ihr Euren Weg nach Erwerb über das Saatfeld Eurer Glückseligkeit, über das heilige Gebiet der Religion nehmet, solches mit Füßen zertretend; oder, ihr Frauen! Wenn Ihr unbekümmert um die Erfüllung Eurer besonderen heiligen Verpflichtungen, der Gefallsucht, den: Piltztische und den Prunkgemächern nur Eure Zeit und Aufmerksamkeit widmen würdet — wahrlich! Ihr hättet Euer Leben nicht Gott in seinem Heiligthume geweiht, Ihr hättet den: in den Wildnissen des Daseins es geopfert; Ihr wäret nicht dienende Priester dem Herrn in: heiligen Tempel der Natur, Ihr wäret Götzendiener, denn Ihr dientet nur Euch, und Euer Ich wäre der Götze, vor dem in den Staub Ihr Euch erniedrigt. Wenn schon die Sonne am Himmel sank und gegen Abend sich neigte, und der Priester des Herrn nach vollbrachter Opferung und ermattet von der: Tagcsmühen bald nach Ruhe sich sehnte, trat er zum vierten und letztenmale in das Allerheiligste, welches der von ihm geräucherte Weihrauchduft erfüllte, vor die Bundeslade hin. Nicht um zu räuchern, nicht um zu opfern; das Feuer war erloschen, die Opfer

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