Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 64-65 (17.8.1898)
- Date
- 1898-08-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1198 Herzen aller Söhne und Töchter unseres Volkes gewonnen und es ist mit großer Freude zu begrüßen, daß die rührige Hofmann'sche Buchhandlung für die Popularisirung dieser Bilder Sorge trägt. Wie wir erfahren, soll auch ein elegantes Postkarten-Album, eigens für die Oppenheim'schen Bilder, hergestellt werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Glagau. Ein in Berlin wohnhafter Maler — ein Christ — heirathete vor 15 Jahren eine Jüdin. Am ersten Kinde wurde die vollzogen, bet den folgenden drei Söhnen ließ der Vater es nicht zu. Vor vier Wochen starb der Mann. Seiner Bahre folgte die Frau, ihre Kinder, etwa 80 andere Juden und der evangelische Pastor. Seine Grabrede gipfelte in der Mahnung, daß die Hinterbliebenen nur darin Trost fänden, wenn sie sich durch die Taufe der christlichen Gemeinschaft anschließen würden. In diesem Moment und vielleicht auch aus Reue über den begangenen Fehltritt reifte in der Frau der Entschluß, ihre Söhnen dem dh-ok ma zuzuführen. Dem Zureden der Großmutter gelang es, die Enkelsöhne hierfür zu gewinnen. So fand denn am Sonntag nach i&ru -p die nb'v statt. Die Knaben standen im Alter von 12, 10 und 8 Jahren. Bei dem ältesten wurde Narkose, bei den zwei anderen Kokain angewandt. Der schon hochbetagte, aber mit seltener Kraft und Frische begnadete Nabbi S ch l o m o h Danziger n waltete seines Amtes als brnv mit großer Geschicklichkeit. M. Schweitzer. England.? London. Das „Jewish Chronicle" berichtet über eine kleine 1893 gegründete Stadt „Zangwill." Der kleine Ort liegt in dem Territorium Oklahoma und wurde 1893 von einem gewissen Frank W. Andersen in das Leben gerufen. „Zangwill" ist 310 engl. Meilen südwestlich von Kansas City und 14 engl. Meilen von dem Hauptort der Grafschaft „Enid" entfernt. Rußland. R. Petersburg. Es ist bekannt, daß es in Rußland nichts gibt, das an eine Nationalvertretung erinnert. Man findet dort keine Kammer, die das Recht besäße, die Wünsche der Volkes vorzubringen. Durch die Macht der Verhältnisse find es die Provinzial- und städtischen Versammlungen, die die allgemeinen Bedürfnisse der Gegend zur Sprache bringen; sie machen die Regierung, wenn auch in sehr devoter Weise, auf die dringlichsten Reformen aufmerksam. In dieser Weise gelangen die Bedürfnisse der Bevölkerung zur Kenntniß der Regierung. Von diesem Standpunkt aus ist die Lage der Israeliten eine doppelt niedrige. Einerseits sind sie in einer großen Anzahl von Städten von jedem Antheil an der städtischen Verwaltung ausgeschlossen; sogar im Territorium, wo oft fast die gesammte Bevölkerung aus Juden besteht, ist die Vertretung ihrer Interessen sehr ungenügend organisirt und sehr eingeschränkt; andererseits haben die russischen Israeliten — durch Ausnahmegesetze — ganz besondere Steuern zu tragen; so zahlen sie Abgaben, von welchen die anderen Mitbürger befreit sind. Die Israeliten besitzen kein einziges gesetzmäßiges Mittel, ihre Wünsche bezüglich dieser Gewaltmaßregeln bekannt zu geben. Es ergeben sich dadurch oft Folgen, von denen der „Woskhod" ein auffallendes Beispiel gibt: „Die jüdische Bevölkerung, welche in den Provinzen außerhalb des Territoriums wohnt, empfindet immer mehr die Folgen des neuen Städtegesetzes von 1892, welches die Israeliten aus den Sitzungen des Stadtralhes weist. Dieser hingegen macht sich kein Gewissen daraus darüber zu verhandeln, ob den Israeliten eine neue Steuer auferlegt werden soll. Eine Thalsache unter anderen beweist, welchen Gebrauch die Verwaltungen von dieser Befugniß machen. Nach dem bis 1858 in Kraft stehenden Gesetz dursten sich die Juden nicht länger als drei Tage sin Kiew aushalten. Um die Durchführung dieser Verordnung besser beaufsichtigen zu können, ließ die Stadt drei Gasthäuser bauen, in welchem die in Kiew ankommenden Juden absteigen mußten. Durch diese Maßnahme verschaffte sich die Stadt einen Reingewinn von 6000 Rubel, indem sie diese Gasrhöfe meistbietend verpachtete. Als nach 1858 die Juden das Recht erhielten in Prrvathäusern zn wohnen, versiegte diese Einnahmequelle der Stadt. Um dies zu ersetzen, errichtete der General BasiUchikoff aus eigener Macht neue Steuer aus das koschere Fleisch. Die Erhebung dieser Steuer wird wie gewöhnlich versteigert; der Kaufpreis wurde von Jahr zu Jahr höher, und aus ihm werden die nothmendigen Bedürfniffe der jüdischen Gemeinde des Ortes gedeckt; indeffen — und dies ist interessant hervorzuheben — ehe dieses Geld seinem Zwecke zugeführt wird, werden vorweg 15,000 Rubel zu Gunsten der Stadt entnommen. Und so bezahlen die Juden unserer Generation die Gastfreundschaft, die man ihren Vätern in den drei erwähnten berühmten Herbergen gewährt hat. Es konnte Vorkommen, daß die Erhebung einer so großen Summe die jüdische Gemeinde ohne Mittel ließ. Daher hat