Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 64-65 (17.8.1898)
- Date
- 1898-08-17
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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1197 bei Oppenheim, „Die Rückkehr des jungen Tobias", welches sich noch heute im „Thorwaldsen-Museum" in Kopenhagen befindet. Für Baron Karl v. Rothschild malte Oppenheim die „Snsanna". Das Bild fand große Anerkennung und wurde allgemein als eine Perle der Kunst bezeichnet. Als Oppenheim im Jahre 1825 nach Deutschland zurückkehrte, ging ihm der Ruf eines bedeutenden Künstlers voran. Der größte deutsche Dichter, Göthe, wurde ihm ein Gönner; er empfahl ihn seinem Freunde, dem Großherzog Carl August von Sachsen, und dieser verlieh dem jungen Künstler den Titel des Professors der bildenden Künste. Im Jahre 1828 nahm Oppenheim seinen Wohnsitz in Frankfurt a. M., wo er sich verheirathete und eine durch Liebe und Freundschaft beglückte Häuslichkeit gründete. Unsterblichen Ruhm hat Oppenheim durch seine Bilder aus dem altjüdischen Familienleben sich erworben. Die nach denselben angefcrtigten Photographien und Lichtdrucke sind über den ganzen Erdboden verbreitet; man findet sie überall, wo Juden wohnen Welche Verbreitung werden erst die Hofmann'schen Postkarten erlangen, die für wenige Pfennige das bieten, was früher ebenso viele Mark kostete. Es sind Darstellungen aus den wichtigsten Momenten des jüdischen Lebens. Sie beginnen mit der Geburt: „Der Gevatter erwartet das Kind". — Rach süddeutschem Minhag wird das Kind, che es das erste Lebensjahr vollendet, in die Synagoge getragen, um dort die zur Nmwickclung der heiligen Thora bestimmte „Wimpel" oder „Mappah", aus der des Kindes Name verzeichnet steht, zu überreichen: „Das Schultragen". — Das Kind wächst heran und der Vater führt es zum Rabbinen, damit dieser es segne: „Der Segen des Rabbi". — Run kommt die Zeit, daß der Knabe in den Geist unserer heiligen Schriften eingcführt wird; beim Rabbinen soll er bekunden, daß er etwas gelernt hat: „Das Verhören". — Die Jahre fliehen pfeilgeschwind; nach vollendetem dreizehnten Lebensjahre tritt der Knabe als vollgiltiges Mitglied in die religiöse Gemeinschaft ein, und dieser wichtige Moment wird von ihm durch eine Deraschah, die er vor Eltern, Freunden, Verwandten und anderen eingeladenen Gästen vorträgt, gefeiert: „Bar Mizwah- Vortrag". — Wiederum ist eine Reihe von Jahren verflossen, und der Jüngling erscheint an der Seite der von ihm geliebten Jungfrau, bereit, sie sich zu heiligen nach dem Gesetze Moses und Israels: „Die Trauung". — Das folgende Bild zeigt uns den jungen Familienvater im sabbatlichen Schmuck, sein Knäbtein an der Hand, im Begriffe in die Synagoge zu gehen, während die Hausfrau die Sabbatlichter anzündet: „Sabbat-Anfang". — Die Synagoge ist aus. Der Hausvater tritt mit seinen Söhnen und einem armen Fremden, den er zu Gast gebeten, in das hellerleuchtcte, trauliche Wohngemach, wo auf dem mit schneeweißen Linnen bedeckten Tische die beiden Sabbatbrote, die Weinflasche und der Becher bereit stehen: freudig eilen ihm die Töchter und der kleinste Knabe entgegen, um seinen Segen zu erbitten: „Freitag Abend". — Die Mittagsmahlzeit am Sabbat ist verzehrt; die Familie genießt der friedlichsten Ruhe: „Sabbat-Nachmittag, Sabbatruhe". — Der heilige Tag des Herrn ist zur Neige gegangen, schon sind die Sterne am Himmel sichtbar, und mit dem mit Wein gefüllten Becher, der brennenden Kerze und der mit Wohlgerüchen angefüllten Büchse nimmt man Abschied vom Sabbat: Sabbat-Ausgang". — Nun erscheint uns die Familie in freudiger Aufregung. Maskirte Musikanten spielen luftige Stückchen; es ist das heitere „Purimfest", das gefeiert wird. — Der Jahrestag der Befreiung unseres Volkes vom Sklavenjoch ist erschienen, und an den ersten Festabenden ist die Familie vereint, um vom Hausvater die Erzählung der Befreiung zu vernehmen und bei gefülltem Becher Gott für alle uns erwiesenen Wohtthaten zu danken: „Der Seder- Abeud". — In die festlich geschmückte Synagoge — Blumen, Guirlandeu, Ziergewächse überall — führt uns das nächste Bild: „Das Wochenfest". — Einen ernsten Eindruck — in den Sterbekleidern die Frommen — macht: „Der Vorabend des Sühnetages". — In die reich mit Blumen bekränzte „Laubhütte" versetzt uns das nächste Bild, während uns das darauffolgende den gemüthlichen Winterabend des „Chanukah-Festes" vorführt. — „Der Dorfgeher" ist eine charakteristische Darstellung aus dem jüdischen Leben. Schwer mit Waaren beladen zieht der arme Hausirer in Begleitung seines Söhnchens von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus; aber auch bei diesen Armen verleugnet sich nicht die jüdische Mildthätigkeit; der Sohn des Hausirers wirst dem bettelnden Handwerksburschcn eine Gabe in den Hut. — Mitten in den großen deutsch-französischen Krieg führt uns das folgende Bild. Selbst in der Nähe der Schlacht» selber hat ein jüdischer Soldat den Tag nicht vergeffcn, an welchem ihm vor Jahren der Vater oder die Mutter starb; neun jüdische Kameraden, darunter ein Verwundeter, der an Krücken geht, haben sich zu ihm gesellt, damit er Kaddisch sagen und vorbeten kann „am Jahrzeitstage". Mit dem Frieden nach dem Kriege schließt die Sammlung. Als König Friedrich Wilhelm III. sein Volk zur Befreiung von der Fremdherrschaft aufrief, schloffen sich viele jüdische Jünglinge dem vaterländischen Heere an: „Die Rückkehr des Freiwilligen". Diese Meisterwerke Oppenheim's haben ihm die