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Der Israelit · 1898-08-17 · Heft 64-65 (17.8.1898) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 64-65 (17.8.1898)
Date
1898-08-17
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1196 veren proSperiren, und nur eine oder zwei entsprechen nicht den Erwartungen, die man an sie geknüpft hat. Daß in allen Kolonien alle die Einrichtungen sich vor finden, die das religiöse Vedürfniß erfordert, ist selbstverständlich, auf vielen wird die hebräische Sprache als Umgangssprache besonders gepflegt, aber die Landessprache wird auch nicht vernachlässigt. Hervorgehoben sei noch, daß in Sichron Jakob am Karmel sich ein Kindergarten befindet. Auch befindet sich hier ein Waarendepot. durch das man sich in eines der Waarenhäuser einer Großstadt Europas versetzt glaubt, denn dieses Lager bietet dem Kauflustigen eine reiche Auswahl von den gewöhnlichsten Massenartikeln an bis zu den feinsten Luxuswaaren. Jerusalem bot nicht ein so freundliches Bild. Man weiß ja, daß die Verhältnisse dort viel zu wünschen übrig lassen und nicht denen von Jaffa, das der V-af. auch besucht hat, gleichen. Die gemischte Bevölkerung, die verschiedenen Gemeinden lasien viele Unzuträglichkeiten entstehen; doch hütet sich der Verfasser ein Urtheil zu fällen, oder da§, was ihm zugetragen worden, als baare Münze zu nehm.n und zu veröffentlichen. Der Verf. meint sehr richtig, daß erst ein längeres Verweilen ein Urtheil und ein Verständniß für dieVerhältniffe möglich nrache Diese weise Zurückhaltung ist nur zu loben. Was hingegen als Erfreuliches in die Augen fällt, und von dem zu erwarten ist, daß es die Verhältniffe der heiligen Stadt einmal besser gestalten werde, davon berichtet uns der Veif. So erzählt er uns von den Pilger- und Armenwohnungen, den Spitälern und den Schulen. Die Allianceschule zerfällt in eine eigentliche und HandwerkerschuU mit 143, resp. 112 Schülern, die recht Ersprießliches bei Ueberwindung großer Schwierigkeiten leisten. Als Unterrichtsschule steht aber die von Frankfurt aus geleitete Lämmle-Schule höher, die Leistungen sind vorzügliche. Für das Waisenhaus, das der Vers, in betreff der erziehlichen Thäligkeit lobt, wünscht er bessere Räumlichkeiten. Wir können hier dem Vers, mittheilen, daß dieser Wunsch sich j.tzt erfüllt, da der Verwaltung durch die hochherzige Gabe einer edlen Frau die Mittel z m weiteren Ausbau zur Verfügung gestellt sind. Aus dem Resume, das der Verf. aus den gewonnenen Anschauungen und Eindrücken zieht, seien folgende Punkte erwähnt. Palästina ist nicht so orientalisch, wie man gemeiniglich glaubt, auch der Europäer kann sehr gut dort leben. Die Unsicherheit des Landes ist eine Fabel, der Verf. wurde nie auf seinen Ausflügen behelligt, obwohl er und seine Geführten ohne Waffen waren. Die Fabel, der Jude wolle nicht arbeiten, ist durch die Betriebe auf den Kolonien glänzend widerlegt, es wird hier schwer gearbeit, und der jüdische Kolonist wünscht sich nichts mehr als Arbeit; man gebe dem Inden nur solche und er steht hinter keinem andern Glaubens nnd anderer Raffe zurück. Fleißige Arbeit kann das Land zu großer Fruchtbarkeit wieder erstehen lassen, und der fruchtbarste Theil, Galiläa, ist fast noch menschenleer, hier können noch Hunderttausende als Bauern ihr B:od finden. Wir können nur wünschen, daß das Buch fleißig gelesen werde, Inhalt und Form sind seine beste Empfehlung. Literarischrr Wericht. Bilder aus dem altjüdischen Familienleben von Prof. Moritz Oppenheim (Ausgabe in Ansichtspostkarten). A. I. Hofmarr», Buchhandlung, Frankfurt a. M. Preis für 2<) Bilder 2 Mark. Die soeben genannte Verlagshandlung hat zwanzig Ansichtskarten auf den jüdischen Markt gebracht, die dank der gewählten Sujets nnb dank ihrer künstlerischen Ausstattung aus der Sturmfluth ähnlicher Erzeugnisse hoch hervorragen. 38er kennt nicht die Bilder aus dem altjüdischen Familienleben von dem in der Ueberschrist genannten genialen Künstler? — Moritz Oppenheim wurde gegen Ende des Jahres 1799 zu Hanau geboren. Seine Eltern waren streng-fromme Inden, und ihnen verdankte er die heißinnige Liebe zu unserem heiligen Glauben und das tiefe, religiöse Gefühl, das sich in allen seinen Kunstschöpfnngen ausspricht. In der mit seinen Ellern befreundeten Familie des Grasen Benzel-Sternan wurde durch die reiche Gemälde- Sammlung derselben der Sinn für die Kunst in dem Knaben geweckt, der sich frühzeitig entschloß, ein Maler zu werdeii und zu diesem Zwecke die Zeichen Akadentie in seiner Vaterstadt zn besuchen. In seinem achtzehnten Lebensjahre begab er sich nach München, um in der dortigen Kunstschule seine Studien sortzttsetzen. Hier entstand sein erstes größeres Bild.- „Moses mit den Gesetzestafeln". Es verfehlte nicht, die allgemeine Aufmerksamkeit aus den hoffnungsvollen jungen Künstler 311 wenden. Später ging Oppenheim nach Paris und von da nach Rom, wo er sich die Theilnahme und die dauernde Gunst des berühmten Bildhauers Thorwaldsen erwarb. Bei einer Preisaufgabe erkannte Thorwaldselt als oberster Preisrichter dem von dem jungen Oppenheim eingelieferten Bilde den Preis zu. Allein die anderen Preisrichter weigerten sich, einem Inden eine solche Anerkennung zu Theil werden zu lassen, nnd als Thorwaldsen mit seiner Meinung nicht dnrchzudringen verinochte, bestand er darauf, daß der Preis Niemandem zuerkannt werde. Gleichsam als Entschädigung für das dem jungen Künstler gethane Unrecht, bestellte Thorwaldsen für seine eigene Sammlung ein Bild

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