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Der Israelit · 1898-08-17 · Heft 64-65 (17.8.1898) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 64-65 (17.8.1898)
Date
1898-08-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1190 als der hochwürdige Herr Pfarrer Deckert gewesen, der von wahrer christlicher Liebe und edlem Eifer getrieben, keinen Augenblick gezögert hat, einer Verzweifelten Trost und Rettung zu bringen. 0, naiver Leser, da hast Du den Herrn Pfarrer Deckert sehr verkannt. Der Freund der Familie war ein anderer, während Pfarrer Deckert sich aus den Standpunkt stellte, daß das Geld für den Kirchenbauverein in Verwahrung übergeben worden sei und die kranke darbende Tochter der Wickwe in diesem trostreichen Gedanken ruhig verhungern könne. Wieso war der Pfarrer Deckert zu dieser Annahme gelangt? Das ist für einen Menschen, der sich in diesem Falle, wir wollen gar nicht einmal behaupten von edlen, humanen, christlichenGesühlen, sondernvon dem geraden Menschenverstand und dem primitivsten Rechisgefühl läßt, kaum zu begreifen. Die eigene Hand Deckert's zeugt nämlich gegen seinen Mund. In seiner schriftlichen Bestätigung heißt cs nämlich ausdrücklich, der Kirchenbauverein habe die Vollmacht zur Verwaltung des Vermögens übernommen, nach dem Tode der Frau haben ihre Rechte an ihre beiden Töchter — eine derselben ist inzwischen gestorben — überzugehen. Pfarrer Deckert wurde auf den crassen Widerspruch, der zwischen seinen mündlichen Behauptungen und seinen schriftlichen Bestätigungen besteht, auch durch den Richter aufmerksam gemacht, allein er verharrte auf dem Standpunkte, den Nachlaß der Wittwe, der kranken, darbenden Tochter nicht auszufolgen. lieber die Rechtsfrage wird der Spruch des Richters entscheiden, der dem Gesetze und nur diesem zur Geltung verhelfen wird. Mag das llrthcil jedoch wie immer aussallen, so wird es wohl gestattet sein, den Herrn Pfarrer Deckert zu fragen, ob ein katholischer Priester es überhaupt mit seinen Pflichten vereinbar finden konnte, die geringen Ersparnisse einer Wittwe, die eine arme und kranke Tochter hat, einem. Kirchenbausonds zuführen zu wollen. Selbst wenn die Frau —■ wogegen die Worte vor ihrem Tode: „Meine Tochter ist versorgt" und die eigenhändige Bestätigung des Pfarrers sprechen — ihre geringe Habe ihrem eigenen Kinde hätte entziehen wollen, so wäre es wohl Sache eines wahren Priesters gewesen, die Mutter an ihre Pflichten zu erinnern. Das Christenthum des Herrn Pfarrer Deckert ist aber ein sehr eigenartiges, es erschöpfte sich vollends in dem St. Josef-Kirchenbausonds, dessen Präsident er war. X. Lurrdenburg (Mähren.) (Ein antisemitischer Hetzprediger.) Seit etwa einem Jahre treibt in dem eine Stunde von hier entfernten Mährisch-Neudorf ein Kaplan sein Unwesen als antisemitischer Wanderprediger. Derselbe hält unter der Patronanz eines hiesigen czechischen Advokaten auf den Dörfern des Bezirks Versammlungen ab, in welchen weidlich auf die Juden geschimpft und deren Boykottirung unter demSchlagworte ,,8rvui k'swemu“ aufgefordert wird. Nachdem derartige Hetzreden den auf dem Lande vereinzelt lebenden Juden, die ohnehin unter der Zeiten Ungunst zu leiden haben, leicht, wie in Galizien, gefährlich werden können, richtete der Rabbiner Dr. Groß an den Priester ein Schreiben, um ihm die Konsequenzen seiner Thätigkeit vor Augen zu führen und den Standpunkt klar zu legen. Auf dieses Schreiben langte eine ebenso lächerliche als insolente Antwort in czechischer Sprache ein, in welcher Herr Pater C. seiner Verwunderung darüber ausspricht, daß man cs „wage", an ihn ein Schreiben zu richten, er habe nichts Unrechtes gethan und man möge sich in solchem Falle an die Behörde wenden. Herr Dr. Groß hat daraufhin auch beim Herrn Bezirkshavplmann Baron von Fries vorgcsprochen und auf die möglichen Folgen des hetzerischen Treibens kus Pater C. in Mährisch Neudorf hingewiesen. Der Bezirkshauptmann, der sich bei dieser Gelegenheit über den Antisemitismus ganz unverblümt aussprach, faßte auch, Herrn Dr. Groß bestens für die Mitteilung dankend, die Sache durchaus nicht en auf und versprach, der Angelegenheit sein Augenmerk zuzuwendcn. Deutsch-Kreutz, 3. August. Heute veranstaltete unser Herr College Stern einend'-, bei welchem fast die ganze rsrtr unseres Ortes anwesend war. Nachdem man das Gebet verrichtet hatte, vollenoete Herr Stern die Mafcchtah und erörterte gleichzeitig in klarer Rede den Zusammenhang des Schluffes und des Anfanges derselben. Bei dem darauf ftattsindenden Festmahle herrschte freudige Stimmung. Unter den Anwesenden sprachen Herr W. Rosenzweig über die Freude des v-2, Herr Löwinger über Gottesdienst und Gottesfurcht, Herr M. Schwarz und viele Andere würzten die reichbesitzle Tafel durch r-r\n '-m. Den Reigen der Reden beendete Herr K. Freu der mit einem schwungvollen Toast auf den freundlichen Gastgeber. Nach Aufhebung der Tafel wurde das „Benschen" verkauft und Herr Stern damit beehrt. Die Tischgesellschaft blieb nun in froher Laune bis spät in die Nacht hinein versammelt und wurde durch die Gesänge der Herren Kaff und Abraha msohn köstlich unterhalten. Mit der Verrichtung des -^-Gebetes schloß die schöne Feier. England.? London. Die jüdische Kolonie in Cypern, die durch den Verein Ahawaß Zion in London gebildet wurde und von der Jewish Colonisation Affoeiation unterstützt wird, ist jetzt begonnen worden. 10 Familien werden im Laufe dieses Monats angesiedelt werden, wovon nur eine zur Zeit in Cypern ist, während 13 Familien aus London kommen und zwei

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