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Der Israelit · 1898-08-17 · Heft 64-65 (17.8.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 64-65 (17.8.1898)
Date
1898-08-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1189 der Kollegen einige^Worte des Dankes gesprochen, ging es an die Arbeit. Ueber den Verlauf des Curfus und die Schlußprüfung werde ich nächstens berichten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. Unter dieser Überschrift findet sich in Ihrem geschätzten Blatte eine Korrespondenz, welche mehrere Behauptungen aufstellt, die sich mit dem wahren Sachverhalte in zu grellem Widerspruche befinden, als daß nicht eine Berichtigung am Platze erscheinen dürfte. Was die Zahl der Rabbinate betrifft, so nröchten doch für die württ. israel. Bevölkerung von beiläufig 12 000 Seelen 12 Rabbinate genügen, die sämmtlich, größtentheils aber definitiv — besetzt sind. Ich möchte sogar behaupten, ohne daß die Iugeno noch „tiefer ins Verderben gestürzt" würde, als sie es leider schon ist, könnte bei den heutigen Verkehrsverhältniffen vielleicht noch ein oder das andere Rabbinat aufgehoben werden. Ferner möchte die Paralelle der israelitischen Oberkirchen-Behörde mit dem evangelischen Konsistorium oder katholischen Kirchenrathe bei Besetzung einer erledigten Pfarrei, beziehungsweise eines Rabbinates nicht ganz richtig angewendet sein, weil die Bevölkerung der jüdischen Landgemeinden in derartiger Abnahme begriffen ist, daß früher blühende Gemeinden in nicht allzuferner Zeit ihrer Auflösung entgegensehen, so daß die Behörde infolge dieses Umstandes zu der Anfrage, ob man einen Geistlichen wolle oder nicht — als berechtigt erscheinen dürfte. Wenn der Einsender am Schlüsse seiner Ausführungen, deren wohlmeinende Absicht ich durchaus nicht verkennen will, von einem Mangel an Rabbinats- und Schulamtszöglingeu spricht, befindet er sich, besonders in Bezug auf letztere, in vollständigem Jrrthum, da gerade das Gegentheil thatsächlich der Fall ist, indem die aus dem Seminar entlassenen Kandidaten wegen Mangel an Stell n oft längere Zeit ohne Verwendung bleiben. Was endlich die Ansicht betrifft, als stehe die Zahl der württ. Rabbiner in ursächlichem Zusammenhänge mit dem religiösen Riedergange davon s. G. w. ein anderes Mal. '-irr L"n. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. m. Wien, 9. August. Eine merkwürdige Erbschastsaffaire nimmt seit einiger Zeit das öffentliche Interesse in Anspruch, in deren Mittelpunkt der christliche Pfarrer Deckert steht. Der Weinhauser Pfarrer, deffen Name seit Jahr undZTag stets im Zusammenhänge mit den widerlichsten Angelegenheiten genannt wird, hat mehrere Monate hindurch nichts von sich reden ge nacht. Allerdings weilte er während dieser Zeit, auf einer Pilgerreise nach dem heiligen Lande begriffen, ferne von Wien. Nun aber ist gesorgt dafür, daß das Versäumte in reichstem Maße nachgeholt werde. Jetzt hört man schon wieder vom Pfarrer Deckert. Ein unter vielerlei Namen bekannter namenloser Gauner jüdischer Abkunst, der aus Wien wegen verschiedener Lumpereien abbrennt, wird von der Polizei gesucht. Dabei findet sich, daß der Lump — ein Brimanus Nr. 2 - hier in intimer Beziehung zu dem hochwürdigen Herrn gestanden. Pfarrer Deckert, der von keinem anständigen Juden etwas hören will, fühlt sich durch einen seltsamen inneren Drang zu jenen Auswürflingen hingezogen, die von ihren einstigen Glaubensgenossen verachtet und gemieden werden. Aber wir wollen heute nicht von der Verbindung Deckerts mit Gaunern jüdischer Abkunft sprechen; diese Seite seiner Wirksamkeit ist ja schon hinlänglich beleuchtet worden. Sehen wir, wie der antisemitische Pfarrer sich im Verkehre mit Christen ausnimmt, wo keine Vorurtheile sein Denken und Thun beeinflussen, und daher ein völlig ungetrübtes Bild seines Charakters gewonnen werden kann. Dazu soll uns die Erbschaftsaffaire dienen, der wir fort und fort in der Gerichtssaal-Rubrik der Tagesblätter begegnen. Vor einem Jahre starb im Spital eine Wittwe, die eine Tochter hinterließ, welche laut ärztlichem Zeugniß mit einem schweren Nervenleiden behaftet war und in bitterster Armuth lebte. Das kranke und darbende Mädchen war in seiner letzten Hoffnung, es werde das kleine Vermögen erben, welches, wie ihr bekannt war, ihre Mutter durch die peinliche Sparsamkeit sich erworben Allein sie sah sich hierin getäuscht, denn bei der Todesfallaufnahme hieß es, es sei keinerlei Nachlaß vorhanden. Aber ganz unerwartet kam für die Arme eine Heilsbotschaft. Ein Freund ihrer Familie, der ihre sterbende Mutter im Spital besucht hatte, brachte ihr zur Kenntniß, daß jene ihm gesagt hätte „für meine arme Tochter ist gesorgt" und dabei habe sie ihm ein Couvert mit der Aufschrift „darf erst nach meinem Tode geöffnet werden" überreicht. In dem Couvert befanden sich zwei vom Pfarrer Dr. I. Deckert eigenhändig ausgestellte Bestätigungen, wonach die Verblichene ihm als Präsidenten des Weinhauser St. Josef-Kirchenbauvereines ihr fl. 2265.23 betragendes Vermögen am 10. September 1888 zur Aufbewahrung übergeben habe. Der naive Leser, deffen Herz von Theilnahme für die kranke und darbende Tochter der Wittwe ergriffen ist, würde wohl vermuthen, der Ueberbringer dieser Freudenbotschaft sei gewiß niemand Anderer,.

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