Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 64-65 (17.8.1898)
- Date
- 1898-08-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1188 Hauses. Hier ertheilte Herr Katz dem Vorstandsvorsitzenden, Herrn Prager das Wort, der in einer markigen Ansprache, die alle Zuhörer begeisterte, nach meinen stenographischen Aufzeichnungen, folgendes ausführte: Meine Herren! „Zunächst statte ich namens des Vorstandes dem Dirigenten dieser Anstalt, Herrn Katz, dem Gründer des Werkes, vor dem Sie stehen, Dank ab für die Freundlichkeit, uns mit einer Einladung beehrt zu sehen. Wir sind derselben um so freudiger gefolgt, als wir die neue Bewegung mit größtem Interesse verfolgt haben. Freuen wir uns nun einerseits, daß vom Wort zur That übergegangen wird, daß die bedeutungsvolle Angelegenheit greifbare Gestalt angenommen, daß wir auf dem Wege zum Ziele sind, das wir unbedingt zu erreichen suchen müssen im Interesse eines nicht geringen Theiles unserer Glaubensbrüder, denen wir eine neue Existenz, denen wir Brod verschaffen. So freuen wir uns doppelt, daß es gerade Oberschlesien, besonders unserer Gemeinde Vorbehalten ist, Zeugen des ersten Schrittes zu sein. Wenn ich das Letztere mit Nachdruck hervorhebe, so geschieht es in der ausgesprochenen Absicht, den Glaubensgenossen anderer Provinzen unseres lieben Vaterlandes, die uns so gerne mit wenig schmeichelhaften Titulaturen belegen, die so gerne über die „Wasserpollaken" zu Gericht sitzen, die uns so gerne bar jeder Civilisation, jeder Kultur hinstellen, einmal zu zeigen, daß wir doch bessere Menschen sind. Meine Herren! Schon dieser so überaus schnell entstandene, der Initiative eines verewigten Rybnikers entsprossene schöne Bau und Anlage, in dem Sie für den neuen Unterrichtszweig vorbereitet werden sollen, ist ein Beweis für die Kraft, für die Gefühle und Gedankett, die in uns oberschlesischen Juden wohnen. Und nun, meine Herren, heiße ich Sie herzlich willkommen. Gehen Sic an Ihre Arbeit. Unsere besten Wünsche begleiten Ihr Thun. Und wenn Sie unsere Gemeinde wieder verlassen haben werden, wirken Sie in Ihren Kreisen für diese gute Sache, tränken Sie die Herzen der Ihnen anvertrauten Jugend mit den hier erworbenen Kenntnissen. Schaffen Sie emsig weiter auf dem begonnenen Wege in Wort und That zum Segen fürs Judenthum, zum Segen fürs Vaterland. Das walte Gott!" Alsdann wandte sich Herr Katz an die Anwesenden mit folgenden Worten: Meine'sehr geehrten Herren! „Auch ich heiße Sie herzlich willkommen und danke Ihnen, daß Sie bereitwilligst meinem Rufe gefolgt sind, um das Unternehmen zu fördern. Ohne Ihre Hilfe, ohne Ihr Mitwirken wären wir freilich nicht so weit. Mit platonischer Liebe, mit platonischem Interesse schafft man nichts. Sie können und Sie wollen ja auch die Pioniere der neuen Kulturaufgabe sein. Ja, meine Herren, ich wähle nicht absichtslos das Wort Eultur, denn die ursprüngliche Bedeutung des Wortes weist uns deutlich darauf hin, wo wir das, was wir heute mit dem Worte bezeichnen, zu beginnen haben. Und fürwahr, ist es nicht endlich an der Zeit, daß auch wir Inden uns der allerersten Bedeutung wieder erinnern, daß wir uns einem Zweige des wirthschaftlichen Lebens wieder zuwenden, den unsere Urväter mit so großem Erfolge und «so großer Liebe gepflegt haben?! Lassen Sie mich die traurigen Gründe dafür übergehen, daß man uns Jahrhunderte lang vom Acker- und Gartenbau ferngehalten, freuen wir uns der Gegenwart, freuen wir uns der einsichtsvollen Geister, des frischen Hauches, der die in Fluß gerathene Bewegung umgibt. „Steter Tropfen höhlt den Stein!" Und wenn wir auch bescheiden beginnen: allgemach werden wir bei den Gemeinden und anderen Körperschaften Unterstützung finden, wird die Jugend an der schönen Beschäftigung in und mit der Natur Freude empfinden, wird so mancher Knabe, ja manches Mädchen irgend einem Zweige des landwirthschaftliches Berufes — der immer noch seinen Mann ernährt — sich zuwenden; und das ist unser Ziel. Zuvor aber müssen Sie ausgerüstet sein, mit den nothwendigen Kenntnissen, müssen Sie die Grundarbeiten kennen, nm sich dann selbst wetterzubiloen. Herr Kreisobergärtner K y n a st will — und ich halte es für meine Pflicht, dies öffentlich anzuerkennen, Ihre Ausbildung in uneigennütziger Weise übernehmen. Meine Herren, Sie hatten gewiß gehofft, in den Ferien Erholung zu finden. Allein, wenn wir hier auch tüchtig arbeiten, das ist unerläßlich, so seien Sie, bitte eingedenk des DichterworleS: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis." Und nun meine Herrn, ehe wir an unsere Arbeit gehen, möchte ich noch meinen Gefühlen der Dankbarkeit Ausdruck geben: dem Vorstand und den Repräsentanten für ihr uns ehrendes Erscheinen wie für die wohlthuenden, den Werth des Gegenstandes anerkennenden Worte; sowie allen Gemeinden und Vereinen Oberschlesiens für die Hochherzigkeit, mit der sie den Kursus subventionirten, ihn überhaupt ermöglichten. Meine Herrn, wir wollen unsere Dankbarkeit dadurch bestätigen, daß wir unausgesetzt uns bestreben, die Herzen der Kinder empfänglich zu machen für das neue wichtige Gebiet, damit die Saat herrliche Früchte trage, damit das Ende das Werk kröne. Nachdem noch Herr Lehrer Semmel namens