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Der Israelit · 1898-08-17 · Heft 64-65 (17.8.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 64-65 (17.8.1898)
Date
1898-08-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. Zweite Seil. M M 64 & 05 ües „Israelit". Leitender Artikel. Ein Gcrrtenbaukursus. Von Siegfried Rosenbaum, Lchrer in Rybnik. Nicht nur die Pädagogen, auch alle die, welche für das Wohl des Volkes wirken und streben, haben längst erkannt, daß das Wohl des Staates von der Erziehung der Jagend ausgehe. Deßhalb wurde auch auf dieselbe von jeher großes Gewicht gelegt. So hielten es unsere Vorfahren, so übten es die Griechen und Römer, die gleiche Ansicht leitete unsere neueren Pädagogen, die dazu beigetragen, daß „der europäische Schulwagen umgekehrt und in ein anderes Geleise gebracht" worden ist. Leider wird aber die Thatsache, daß: vy mc' op;’: D’^y '22 „daß durch die Jugend die Macht gegründet wird" von uns Juden bei weitem nicht genug gewürdigt. Da bemühen sich Philantropen und Humanisten, unsere Glaubensgenossen dem Acker- und Gartenbau, sowie dem Handwerk wieder zuzuführen; sie gründen Kolonien für Ackerbauer, rufen Unterstützungsvereine für jüdische Handwerker ins Leben und ähnliches mehr. So anerkennenswenh diese Bestrebungen auch sind, so freudig wir sie auch begrüßen müssen, so wenig sind sie aber doch imstande, dein bestehenden Uebel denn thatsächlich ist es ein Uebelstand, daß so viele unserer Glaubensgenossen durch den entwürdigenden Hausirhandel ihr Brod suchen müssen — ab zuhelsen. Bei d.r Jugend muß begonnen werden! Doch nicht erst bei den Kindern, die schon die Schule verlassen, um sich einen Beruf zu wählen, sondern bei der schulpflichtigen Jugend. Dieser muß vor allen Dingen Lust und Liebe für die betreffenden, dem Volkswohl so nützlichen Berufszweige beigebracht werden. Denn nur dann, wenn unsere Jugend mehr Sinn für das Walten und Schaffen in und mit der Natur haben wird, können mir daraus rechnen, tüchtige Ackerbauer, Gärtner und Handwerker zu erziehen. Zwar pflegen viele Waisenhäuser in vorzüglicher Weise den Handfertigkeitsunterricht und geben den Schülern Gelegenheit, sich einige Kenntnisse im Ackerbau anzueignen; ferner besteht ein segenbringendcs Institut in der Erziehungsanstalt zu Ahlem. Doch wie viel macht das aus'-' Es ist ein Dropsen im Meere! So wie gleiches Recht für alle besteht, sollte allen Kindern Gelegenheit gegeben werden, sich in diesen wichtigen Gegenständen grundlegende Kenntniffe zu erwerben. Es muß gleichsam ein neues Geschlecht herangezogen werde'. Das kann aber nur durch die Schule geschehen, denn da die Eltern größtentheils kein Jntereffe für diese Berusszweige haben, so werden sie auch ein solches bei ihren Kindern nicht zu wecken suchen. Aber die Schule kann nur dann helfen, wenn die Lehrer selbst in den betreffenden Disziplinen bewandert sind. Allein, es gibt nur sehr wenige solcher Lehrer, denn in dem Stundenplan der jüdischen Lehrerseminare suchen wir vergeblich nach diesen Unterrichtsfächern. Da ist es nun nothwendig, daß die Lehrer sich selbst helfen, und sie müssen es tbun, wenn sie es mit der Jugend, mit dem Judenthum gut meinen. Obgleich die Lehrer durch den Zusammenschluß eine Macht repräsentireu, so können sie allein doch nicht die vielen Schwierigkeiten, die sich ihnen bei Errichtung von Handfertigkeits- und Gartenbaukursen entgegenstelleu, überwinden. Die Gemeinden und alle für das Volkswohl sich interessirenden Personen müssen hier helfend eingreifen. Zwar wurde in vielen Vereinen über diesen Gegenstand hin und her diskutitt Jeder wußte Nathschläge zu geben, aber zur That gelangte keiner. Ist es da nicht herzerquickend, wenn man sieht, wie hier in dem so oft bespöttelten Oberschlesien der jüdische Lehrerverein die Gemeinden zu begeistern verstand, derartige Kurse einzurichten? Im Anschluß an einen Bortrag, welchen Herr Waisenhausdirigent Ka tz aus Rybnik im Dezember v. I. in der Lehrerversammlung zu Beuthen gehalten, beschlossen mehrere Lehrer an einem im hiesigen Waisenhause abzuhaltenden Handfertigkeits- und Gartenbaukursus theilzunehmen. Die nöthigen Mittel flössen von Seiten der Ge meinden genügend zu, und heute, am 25. Juli, be gann der Kursus, der von fünf Lehrern absolvirt wird. Den Unterricht im Gartenbau ■— zu welchem Zwecke ein Gartenstück des Waisenhauses in einen Schulgarten umgewandelt worden ist — ertheilt der rühmlichfl bekannte Kreisobergärtner Kynaft aus Preiskretscham. Den Handfertigkeitsunterricht leitet der Anstallsdirigent. Die Kosten für den gesammten Kursus, als Reisen, Beköstigung, Unterrichtsgebühren werden von Gemeinden und Vereinen Oberschtesiens bestritten. Um zwei Uhr Nachmittags versammelten sich die Vorstands- und Nepräscntantenmitglieder unserer Gemeinde, die den Kursits absolvirenden Lehrer und Herr Kynaft unter Leitung des Anstaltsdirigenten in dem festlich hergerichteten Fesffaal des Waisen -

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