Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 64-65 (17.8.1898)
- Date
- 1898-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448918--46540-2496961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1175 daß meine Schilderung der genannten Zustände nicht zu drastig ist, und wird zugeben, daß man beim Schreiben eines jeden Wortes den Gefühlen seiner Entrüstung Halt gebieten muß. Hoffen wir, daß eine solche That sich nicht wiederholen wird. Hamburg, 15. Aug. (Siechenheim u n d Pfle gestatte der dcn t sch-isr aeli t i schen Gemeinde.) Eine der segensreichsten Institutionen, die bestimmt ist, einem lange gefühlten Bedttrfniß abzuhelfen, wird demnächst ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Eindruck, den deren Gebäude, das mit einem großen Vor- und Hintergarten versehen und in schönster Lage gelegen ist, auf den Besucher macht, ist ein äußerst günstiger. Das Siechenheim und die Pftegestätte der deutsch-israelitischen Gemeinde zu Hamburg begründet durch die Stiftungen beziehungsweise Legate von Louis Lachmann, Joseph Schlesinger und eine Schenkung Hermann Schlesinger's, welchem letzteren Wohlthäter die Gemeinde schon manch' segensreiche Institution verdankt, bezweckt, bedürftigen, durch ihren körperlichen Zustand dauernd erwerbsunfähigen Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde beiderlei Geschlechts vollständig freie Wohnung und Unterhalt zu gewähren. Zu diesem Zweck hat die Verwaltung das Grundstück Schäferkampsallec Nr. 29 angekaust, welches nach der Angabe des Dr. Korach und den Plänen des Architekten Alfred Löwengard von den Herren I. F. W. Reichard und Sohn einem zweckentsprechenden Umbau unterzogen wurde. Die Anstalt, die mit einer großen Veranda und mehren Balkons versehen ist itnd detl Eindruck eines Landhauses macht, ist zunächst für 20 Pfleglinge eingerichtet, für deren Aufnahme in der ersten und zweiten Etage geräumige Zimmer zur Verfügung stehen, während im Parterre sich neben den Verwaltungsräumen das gemeinschaftliche Wohn- und Eßzimmer befindet. Das Souterrain enthält neben den Küchenräumen die Vorrathsrüume, Waschküche und Wohnräume für das Personal, während im Hochparterre sich die Baderäume befinden. Die innere Einrichtung ist in den Zwecken d r Anstalt durchaus entsprechendem einfachen, aber doch gediegenen Styl gehalten, und es ist natürlich stets in erster Linie auf die Vequeinlichkeit und das Wohlbefinden der Insassen Rücksicht genommen. Statutengemäß sind von der Ausnahme Geisteskranke, epileptische und an ansteckenden Krankheiten leidende Personen ausgeschloffen. Präses der aus acht stimmberechtigten Mitgliedern und fünf Ehrendamen bestehenden Verwaltung ist zur Zeit Herr Jof. Schöufeld, Mitglied des GemeindevorftandcS Hausarzt Dr. I. Korach, Oberarzt des Krankenhauses der deutsch-israelitischen Gemeinde. Als Oberin fungirt Schwester Amalia, Mitglied des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin. — Die Anstalt, deren Errichtung um so nothwendiger war, als sowohl das israelitische Krankenhaus, wie das Altenhaus der Gemeinde statutengemäß keine siechen Personen aufnehmen dürfen, wird, wie wir hören, am 15. August von zunächst 20 Pfleglingen bezogen werden, doch ist Vorsorge getroffen, daß die Anstaltsräume durch entsprechenden Anbau für die Aufnahme von vierzig Personen hergerichtet werden können. L. Fürth, 15. Aug. Von einigen israelitischen Mitbürgern ist die Initiative ergriffen worden, durch Zeichnung freiwilliger Beiträge die nothwendig gewordene Transferirung der'„M mnheimer Synagoge" an einen geeigneten Platz der oberen Stadt zu bewerkstelligen. Es soll auch schon die Erwerbung eines Grundstücke^ in'S Auge gefaßt sein. Appingen, J5. Aug. In der zweiten Beilage zu Nr. 62 Ihres geschätzten Blattes rühmte eine Correspondenz aus Karlsruhe die Thätigkeit des verstorbenen Herrn Oberrathes Willstüdter aus Karlsruhe um die Beschaffung eines Synagogenbausonds in Baden-Baden und vergaß hierbei eines Mannes ehrend zu gedenken, der schon früher in dieser Sache die Thätigkeit entfaltete. Es ist der verstorbene Bezirks- und Conferenz-Rabbiuer Leopold Schott, welcher von 1855 1868 in Bühl amtirte und zu dessen Rabbinatsspreugel Baden gehörte. Durch seine Willenskraft, Bildung und Kenntniß mehrerer fremder Sprachen, die er geläufig sprach, verstand er cs bei allen reichen jüdischen Kurgästen sich Eingang zu verschaffen und für seinen Plan, den Bau einer Synagoge Propaganda zu machen. In allererster Reihe sorgte er für einen zeitweiligen Betsaal und deffen innere Einrichtung im Löwen-Baltreit, in welchem seit ungefähr drei Jahrzehnten die Mitglieder der Gemeinde und die Kurgäste Gelegenheit fanden ihrer Andacht sich hinzugeben. Bei dieser Gelegenheit darf auch das dritte Synagogenrathsmitglied, der mit den genannten zwei wirkte, Herr Kahn, nicht vergeffen werden. E. Eichstetter. Bühl, 16. Aug. Dieser Tage feierte der Synagogenchorverein dahier das Fest seines 40jährigen Bestehens. Nachmittags fand in der festlich geschmückten Synagoge ein Concert statt, welches sehr zahlreich besucht war. Die Chöre kamen unter Leitung des Dirigenten Herrn Bruchsaler in tadelloser Weise zum Vortrag. Ebenso fanden die Einzelvorträge volle Anerkennung. Zu erwähnen ist besonders der Vortrag des Herrn Cantor Bruchsaler (Schüler des Herrn Kammersänger Rosenbcrg) und des Fräulein Rosa Wertheimer (Schülerin der Frau Kammersängerin S. Brehm). Abends 8 Uhr fand in den Sälen des Gasthauses „zur Krone" großes Bankett statt, bei welchem Herr Fcrd. Dcrnbacher die Festrede hielt und Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer einen Rückblick auf die Entwickelung der israelitischen Gemeinde warf. Der Gemeindevorstand, Herr Leo Wertheimer